30 September 2020

FollowMe - Eltern-Kind Tandemkupplung im Erfahrungsbericht


Fahrradtouren mit kleinen Kindern können manchmal recht unentspannt werden. Die kleinen haben logischerweise noch nicht die Erfahrung im Straßenverkehr, daher kann es manchmal zu nervenaufreibenden Situationen kommen. Auf Straßen dürfen Kinder sowieso nicht fahren bis sie 8 Jahre alt sind. Über die geringere Kondition und die langsamere Geschwindigkeit muss ich wohl kaum etwas sagen. Genau für diese Probleme gibt es die FollowMe Tandemkupplung. Wir haben uns die Tandemkupplung in diesem Sommer gekauft und getestet. 

Follow Me Tandemkupplung

Mein ältester Sohn ist nun gerade 5 Jahre alt geworden und kann nun ungefähr seit anderthalb Jahren alleine Fahrrad fahren. Er hat sehr viel Spaß auf dem Fahrrad und genießt seine neue Freiheit. Er fährt in Begleitung die 3 Kilometer selbstständig zur Kita. Auf Ausflügen ist es jedoch so, dass ihm häufig nach 6 - 8 Kilometern (pro Strecke) die Puste ausgeht. Er hat dann natürlich keinen Spaß.
Wir haben uns daraufhin informiert und gegoogelt was wir machen können um auch Tagesausflüge auf dem Fahrrad zu ermöglichen - die allen Mitlgiedern der Familie Spaß machen. Dabei sind wir die FollowMe Tandemkupplung aus der Schweiz gestoßen. 

Alternative Lösungen

Es gibt einige Alternativen zur Tandemkupplung von FollowMe. Die meisten werden am Sitzrohr bzw. an der Sattelstütze befestigt. So richtig haben mir diese Lösungen jedoch nicht gefallen. Ich habe die Befürchtung, dass (insbesondere bei Kurvenfahrten) der höhere Schwerpunkt zu einer unruhigen Fahrt am Kinderfahrrad führen kann. (Anmerkung: Das sind Annahmen und Thesen von mir ohne weitere Alternativen getestet zu haben. Falls ihr mit Alternativen Erfahrungen gesammelt habt, dann kommentiert dann berichtet ruhig davon in den Kommentaren)
Weiterhin Problematisch bei den Meisten Alternativ-Lösungen ist die Tatsache, dass der Gepäckträger nur noch eingeschränkt nutzbar ist. Genauso wenig können Kindersitze genutzt werden. Den klassischen Kindersitz (wie den Römer Jockey) nutzen wir zwar selten, aber wir wollten uns dennoch nicht bewusst einschränken.

Ein weiteres Argument pro FollowMe ist die recht gute Ersatzteil- und Zubehörteil-Versorgung. Es gibt diverse Onlineshops bei denen man entsprechendes Zubehör erwerben kann. Außerdem gibt es Zubehör und Ersatzteile für die meisten Fahrräder (sowohl bei den Eltern als auch bei den Kindern).

FollowMe Eltern Kind Tandemkupplung

Außerdem kann man den FollowMe bei Nicht-Gebrauch einfach einklappen und muss diesen nicht vom Fahrrad abnehmen. Das Gewicht des FollowMe (ungefähr 4 kg) spürt man natürlich während der Fahrt. Bei den Alternativ-Lösungen muss man sich natürlich immer um die Aufbewahrung des recht langen Rohrs kümmern.

Montage & Ersteindruck

FollowMe Eltern Kind Tandemkupplung

FollowMe Eltern Kind Tandemkupplung

Beim FollowMe wird die Tandemkupplung an der Hinterrad-Achse des Elternfahrrads montiert (jeweils Rechts und Links). Davon verspreche ich mir eine höhere Stabilität beim Fahren. Die Tandemkupplung wird sozusagen auf die Achse vom Elternradgeschoben. Dazu ist eine eigene FollowMe-Schnellspannachse notwendig. Es gibt diese in zwei Längen. Eine kurze mit 150mm Länge und eine XL-Variante von 150mm bis 175mm Länge. Im Lieferumfang befindet sich die kurze Variante. Bei unseren Fahrrädern mit einer Einbaubreite von 135mm benötigt man in jedem Fall die lange Variante. Wir haben jedoch noch die Burley-Anhängerkupplung auf der Achse montiert. 
Merke: Bei normalen Fahrrädern mit einer Kettenschaltung mit 9-Fach Antrieben hinten (also mit 9, 10, 11, 12, 27 oder 30 Gängen usw.) braucht man die lange Variante des Schnellspann-Adapters, zumindest, wenn man zusätzlich noch einen klassischen Anhänger mit Tiefdeichsel am Fahrrad montiert hat.

Alternativ gibt es Radmuttern für Laufräder mit Vollachse (das ist häufig bei Rädern mit Nabenschaltung notwendig) und Steckachsen in verschiedenen Ausführungen.

FollowMe Eltern Kind Tandemkupplung

Das Praktische daran ist, dass man lediglich die entsprechende FollowMe- Achse bzw. -Radmuttern braucht, dann kann man die Tandemkupplung an jedes Fahrrad montieren. Beispielsweise bekommt, wie in unserem Fall, jeder Elternteil eine entsprechende FollowMe Schnellspannachse.

Die beiden Punkte werden dann doppelt am Elternrad abgesichert. Einmal werden kleine Flügelmuttern auf die Achse aufgeschraubt und zusätzlich werden Splinte eingesetzt die den FollowMe zusätzlich halten. Ich habe keine Zweifel, dass dieses Konstrukt sicher ist. Die Flügelmuttern können leider nicht effektiv am FollowMe gesichert werden - das empfinde ich als Nachteil. Man könnte nun natürlich die Flügelmuttern und die Splinte permanent im FollowMe Schnelspanner sichern, aber auf diese Weise kann natürlich nur dieses Fahrrad für den FollowMe genutzt werden. Das bedeutet zusätzliche Folgekosten für jedes weitere Fahrrad.

Die Tandemkupplung selbst besteht aus zwei recht massiven Teilen die nochmal arbeiten wie ein Gelenk und so beim Lenkvorgang mitlenken. Alles am FollowMe wirkt sehr hochwertig. Die ganze Verarbeitung. Alle beweglichen Teile sind doppelt gesichtert.

FollowMe Eltern Kind Tandemkupplung

Am Kind-Fahrrad wird am Unterrohr ein Anbauteil montiert in welches der FollowMe später fixiert wird. Die Montage an dieser Stelle ist in der Tat der aufwendigste Teil der Erst-Montage. Hierzu muss ein Stück gelochtes Blech um das Unterrohr gewickelt werden. Dieses muss auf die richtige Länge gekürzt werden. Dazu ist im Grunde genommen eine Blechschere notwendig. Anschließend muss dieses Blech verschraubt werden. Im Lieferumfang ist ein kleines Stück Stoff  um den Rahmen zu schützen. Ich empfehle dringend, anstelle von diesem ein Stück alten Fahrradschlauch um das Unterrohr zu wickeln, weil der mitgelieferte Rahmenschutz aus meiner Sicht nicht ausreicht und nicht gut zu platzieren ist.

Zusätzlich zu dem Teil am Unterrohr müssen auch noch die Radmuttern bzw. die Achse des Vorderrads ausgetauscht werden. Das ganze erinnert danach ein wenig an klassische BMX Fußstützen. Im Lieferumfang befinden sich lediglich Achsmuttern für eine Vollachse. In unserem Fall hat das Kinderfahrrad Schnellspanner. Das heißt wir mussten hierfür ebenfalls das entsprechende Ersatzteil nachkaufen.

Fahreindruck

Das Fahren selbst ist entfernt vergleichbar mit dem ziehen von Fahrradanhängern (wer mit Einspuranhängern Erfahrung hat wird sich sehr vertraut vorkommen).
Das heißt man spürt beim Fahren einen gewissen Widerstand, zumindest wenn das Kind nicht mit tritt. Aufpassen muss man in Kurvenfahrten und das noch mehr als bei einem Anhänger. Man sollte nicht in Schräglage in Kurven fahren. Allgemeine sollte man immer so gerade und stabil wie möglich fahren. Richtungsänderungen sollte das Kind vorab wissen. Genauso wie ein bevorstehendes Bremsen. Vorausschauendes Fahren ist daher noch wichtiger als ohnehin schon. Außerdem sollte man dem Kind beibringen im FollowMe eingekuppelt nicht zu bremsen.
Generell sollte die Kommunikation mit dem Fahrer des hinteren Fahrrads stimmen.

Meine Frau empfindet das Fahren als etwas flattrig bzw nervös. Es ist schwer zu beschreiben, aber Bewegungen von unserem Sohn spürt man bis nach vorne. Das Konstrukt Kinderanhänger ist während der Fahrt nicht ganz so nervös. Mit der Zeit gewöhnt man sich daran und kann damit leben.

Für unseren Sohn ist der FollowMe toll. Er liebt es so zu fahren. Er kann mit treten, wenn er möchte und wenn er KO ist, dann kann er einfach den Druck vom Pedal nehmen. Am liebsten würde er immer auf diese Weise mitfahren, also bereits am Start unserer Tour.

Fazit & Meinung

FollowMe Eltern Kind Tandemkupplung

Die (Erst-)Montage ist recht aufwendig und nicht in 10 Minuten gemacht. Hierfür sollte man etwas Zeit einplanen und keine zwei linken Hände haben. Ansonsten sollte man sich Hilfe suchen. 

Wenn die Montage aber geschafft ist, dann kann man sehr viel Spaß haben. Wir haben den FollowMe seitdem auf einigen Tagesausflügen dabei und werden auch immer wieder von anderen interessierten Eltern angesprochen.
Die Montage und auch die Funktion des FollowMe wirkt rückblickend betrachtet äußerst durchdacht. Man merkt einfach, dass sich hierbei jemand wirklich Gedanken gemacht hat. Alles wirkt hochwertig, aber auch massiv. Für Leichtbau-Fetischisten ist der FollowMe nichts.

Der FollowMe erhöht die eigene Reichweite bei Familienausflügen enorm. Man muss nicht so sehr auf die Entfernungen achten und kann bei Bedarf das Kind einfach einhängen. Auch für das Kind ist diese Flexibilität natürlich toll. Das sorgt aus meiner Sicht für Fahrspaß und für entspannte Touren.

Da wir parallel zum FollowMe weiterhin unseren Burley Kinderanhänger nutzen hatten wir Bedenken, dass der FollowMe sich aufgrund der Kupplung schwerer "andocken" lässt. Diese Sorge war unbegründet. Sowohl der Anhänger, als auch der FollowMe lässt sich weiterhin nutzen. (Nur nicht gleichzeitig, aber das ist klar)

Zugegeben: Der Preis ist auf den ersten Blick recht happig. Bei uns waren zusätzlich auch noch einige Ersatzteile notwendig bevor wir den FollowMe wirklich nutzen konnten. Aber letztlich hat sich die Investition in meinen Augen gelohnt. Wir werden den FollowMe auch bei unserem zweiten Sohn nutzen, wenn er denn soweit ist und Fahrrad fahren kann.

Anmerkung: Bei diesem Artikel handelt es sich um einen ehrlichen Erfahrungsbericht. Den FollowMe habe ich selbst gekauft und bezahlt. Alles hier im Artikel geschriebene entspricht meiner Meinung.

01 September 2020

Canyon Inflite 5 - meine Kaufentscheidung, Eindruck und Erfahrungen


Ich habe das Canyon Inflite 5 gekauft. Ursprünglich wollte ich ein klassisches Rennrad, allerdings habe ich mich nach Überlegung doch für ein Cyclocross Rad entschieden. Ich möchte das Fahrrad dennoch als Rennrad auf der Starße nutzen. Außerdem habe ich mich gegen ein Fahrrad aus dem lokalen Fahrradfachgeschäft entschieden und für ein Fahrrad beim Versender Canyon. Was sind die Gründe für meine Kaufentscheidung und wie zufrieden bin ich mit dem Canyon Inflite 5?

Canyon Inflite 5 - 2021


Vorab zum Artikel:
Falls hier irgendwelche Zweifel aufkommen: Das Canyon Inflite 5 habe ich von meinem eigenen Geld bezahlt.
Im ersten Teil des Artikels geht es um das Inflite selbst, weiter unten gehe ich auf meine Kaufentscheidung und insbesondere die möglichen Alternativen ein.

Aufbau - Montage eines Canyon Fahrrads

In der Vergangenheit hatte ich bereits Fahrräder aus dem Internet bestellt und selber (end-)montiert. Erfahrungen hatte ich bereits mit kleinen und auch mit großen Online-Shops, aber noch nie mit Canyon. Als Hersteller hat Canyon entschieden nur einen einzige Vertriebsweg zu nutzen: Das Internet. Daher gibt es auch keine Modelle der Koblenzer in Fachgeschäften. Probefahrten sind ausschließlich im eigenen Showroom in Koblenz. Das Unternehmen spart auf diese Weise Zwischenhändler und kann so, durch das gesamte Sortiment, ein sehr gutes Preis-Leistungsverhätnis anbieten.
Aufgrund meiner bisherigen Erfahrungen mit Versand-Fahrrädern habe ich den Kauf gewagt. Im Zweifel wollte ich vom 30-tägigen Rückgaberecht Gebrauch machen.

Bikeguard von Canyon


Das Canyon kommt in einem großen Karton, man kennt dies von anderen Versendern. Canyon nennt dies den BikeGuard, speziell entwickelt für den Versand der Räder. In der Tat wirkt die Verpackung im Innern recht durchdacht. Enthalten ist neben dem Fahrrad eine kleine Box mit Anleitung, Werkzeug und Zubehör, unter anderem ein Drehmomentschlüssel mit einer Aufnahme für normale Bits. Der Drehmomentschlüssel ist sicherlich eher als einfach zu bezeichnen. Er ist nicht in der typischen Ratschen-Form wie man es so kennt. Dennoch finde ich, dass er eine riesige Hilfe beim Aufbau ist. Zumal ich etwas vergleichbares bisher noch nie bei einem Fahrrad mitgeliefert bekommen habe.

Was muss für den Aufbau gemacht werden? Ganz einfach: Lenker montieren, Sattel inkl. Sattelstütze einschieben und verschrauben, Vorderrad einbauen und Pedale verschrauben (diese werden typischerweise nicht mitgeliefert).
Den BikeGuard sollte man anschließend inkl. aller Befestigungsbänder und Transportsicherungen gut verstauen für den Fall eines Rückversands. Auch im Garantiefall sollte der mitgelieferte Karton verwendet werden.


Insgesamt denke ich sollte man zwischen 30 und 60 Minuten einplanen für das Unboxing und den Aufbau. Die meiste Zeit war ich mit der korrekten Einstellung von Sattel und Lenker beschäftigt. Dies werde ich jedoch in den nächsten Tagen häufiger nachjustieren, bis ich die für mich ideale Einstellung gefunden habe.

Canyon Torque Wrench


Das Erlebnis ein Canyon Fahrrad ist im Grunde genommen vergleichbar mit anderen Versandrädern. Aus meiner Sicht also nichts wirklich besonderes. Der Drehmomentschlüssel und die beigelegte Montagepaste ist unüblich für Versandräder - daher möchte ich das auch nochmal positiv hervorheben. 

Erster Eindruck vom Inflite

Als das Canyon erfolgreich montiert war und ich so ungefähr alles auf mich abgestimmt habe wurde eine ca. 10 Kilometer Runde um den Block gedreht um alles zu testen. Dabei habe ich den Lenker und Sattel nochmals nachgebessert. Das erfreuliche ist, Bremsen und Schaltung sind perfekt eingestellt. Hier ist kein nachjustieren notwendig. Die Bremsen sind knackig, aber nicht zu aggressiv.
In jedem Fall ist das Canyon verdammt leicht. Es wiegt nur 8,8 Kilogramm. Mein Fuji Touring ist vermutlich fast doppelt so schwer. Den Unterschied merkt man sofort. Man spürt auch wie agil dieses Fahrrad ist. An den kurzen Vorbau und die sehr sportliche Sitzposition werde ich mich gewöhnen müssen, inbsesondere bei der ersten Fahr im Wiegetritt kriegt man erstmal einen kleinen Schreck.
Das Fahrrad fährt sich schnell und lenkt sehr direkt. Dagegen ist mein Fuji Touring beinahe schwergängig.
Die montierten Reifen sind Schwalbe X-One Allround in 33mm Breite. Die Reifen sind auf Asphalt recht Laut, aber laufen ganz gut. ich werde schauen wie lange die Reifen halten und diese dann gegen gute Starßenreifen austauschen.

Was habe ich geändert?

Eigentlich möchte ich dieses Fahrrad nahezu im Originalzustand fahren und nicht so stark individualisieren wie meine anderen Fahrräder. Allerdings habe ich nach studieren der Geometrietabellen festgestellt, dass ich auf dem Rahmen eine recht hohe Sattelüberhöhung haben werde. Daher habe ich gleichzeitig zum Fahrrad einen alternativen Vorbau mit steilerer Neigung bestellt. Der Original-Vorbau hat eine 6 Grad Neigung nach unten und ist 80mm lang. Ich habe mich für einen Vorbau mit 17 Grad Neigung (nach oben montiert) mit 90 mm Länge entschieden. Dadurch fällt die Überhöhung nicht ganz so extrem aus. Bei Bedarf werde ich später den Vorbau zurückwechseln. Vom längeren Vorbau verspreche ich mir ein etwas weniger flattriges (Cyclocross-typisches) Fahrgefühl. Immerhin möchte ich das Fahrrad primär auf der Straße fahren.

ACHTUNG: Canyon verwendet die eher untypische Gabelschaftklemmung von 1 1/4 Zoll. Eher normal ist das Maß 1 1/8 Zoll. Das sollte man beim Kauf eines Vorbaus für Canyon (und übrigens auch bei Giant) beachten.

Außerdem habe ich zwei Flaschenhalter, eine Garmin-Halterung (inkl. Lampenhalter), eine Klingel (ohne Klingel fühle ich mich einfach nicht wohl) und eine Minipumpe montiert.
Später kommt noch eine Satteltasche dazu, damit ich auch einen Ersatzschlauch und ein Multitool mitnehmen kann.
Der Original Sattel von Selle Italia (Model X?) passt nicht so recht zu meinem Körper, daher werde ich diesen vermutlich auch irgendwann ändern. Zu Beginn versuche ich es jedoch ein paar Touren.

Das erste mal kein Shimano: SRAM Apex 1 im Einsatz

Bei dem Punkt hatte ich wirklich mit die meisten Bedenken. Ich bin bisher ausschließlich Shimano Antriebsgruppen gefahren. Ich kannte SRAM bisher nur von Testberichten und Youtube-Videos. Ich war sehr gespannt was sich konkret ändert und wie ich persönlich damit klar komme.
APEX ist bei SRAM eher eine Einsteigergruppe. Daher ist der Vergleich zu meiner Shimano Sora am Fuji Touring vermutlich vergleichbar.
Auf der ersten Fahrt war das Gefühl etwas ungewohnt, ich habe mich jedoch sehr schnell an das neue System gewöhnt. Schalten wird mit dem gleichen Hebel gemacht. Hoch schalten ist ein Klick, runter Schalten zwei (oder mehr Klicks).
Toll finde ich übrigens die Bremsen. Endlich, nach drei Jahren fahre ich wieder ein Fahrrad mit hydraulischen Scheibenbremsen. Ich erhoffe mir davon weniger Wartungsaufwand und insbesondere bei Nässe ein etwas besseres Bremsgefühl.

Warum das Canyon Inflite 5?

Fuji Touring vs. Canyon Inflite


Wie schon zu Beginn des Artikels angesprochen wollte ich ursprünglich ein reines Rennrad. Es gab einige Alternativen die ich betrachtet habe. Das Canyon Endurace, das Cube Attain, das Rose PRO SL DISC und auch das Radon R1 Disc standen auch meiner Liste. Später - als Cyclo Cross Räder in den Auswahl gerückt sind stand sowohl das Cube Cross Race, das Giant TCX SLR und das Canyon Inflite 5 zur Wahl.

Alle hier genannten Endurance Rennräder haben grundsätzlich die Einschränkung das offiziell nur Reifen bis 30 mm Breite unterstützt werden. Ich wollte mir jedoch die Möglichkeit offen halten evtl. breitere Reifen fahren zu können. Einige Hersteller geben offiziell die maximal mögliche Reifenbreite an. Einige habe ich befragt.
Eine weitere Anforderung war, dass ich unter 9,5 kg, besser noch unter 9 kg bleiben wollte. Dadurch sind natürlich ebenfalls einige Modelle aus der Auswahl verschwunden.
Außerdem wollte ich hydraulische Scheibenbremsen.

Liste der Anforderungen:

  • Sportliche Geometrie
  • Gewicht < 9 Kilogramm (im Zweifel gehen auch 9,5 kg)
  • Reifenbreite sollte mit 32mm offiziell unterstützt sein
  • hydraulische Scheibenbremse

In der Vergangenheit hatte ich bereits sehr gute Erfahrungen mit Cube gemacht. Immerhin hatten wir in den letzten Jahren innerhalb der Familie bereits 4 Fahrräder von Cube und ich bin von der Qualität und Preis-Leistung überzeugt. Leider ist es so, dass ich mit meinem Körper bei Cube Rennrädern und inbesondere dem Cube Cross Race ziemlich zwischen der Rahmgröße 53 und 56 stand. Irgendwie hätte das womöglich funktioniert, aber ich hatte große Bedenken. Womöglich hätte eine Probefahrt geholfen, leider waren die fraglichen Rahmen nirgendwo in meiner näheren Umgebung verfügbar. Ein weiterer Punkt ist, dass Cube nie auf meine Anfrage zur maximalen Reifenbreite beim Attain-Rahmen geantwortet hat. Daher war ich unsicher was dies betrifft.

Das Radon R1 ist wenn man die Ausstattung berücksichtigt ein tolles Fahrrad. Es ist sehr sportlich. Aus meiner Sicht sportlicher als viele andere Endurance Rennräder. Allerdings hatte ich in der Vergangenheit merkwürdigen Kontakt zum Radon Service und wollte daher erstmal Abstand von dem Hersteller nehmen. Womöglich mache ich in einigen Jahren einen neuen Anlauf.

Das Giant, ebenfalls eher ein Cyclocross-Rad, hat leider nur Semi-Hydraulische Bremsen. Das heißt, ein klassischer Bremszug geht bis zum Bremskörper und wird dort auf ein Hydraulik-System "übersetzt" (ist vermutlich nicht das richtige Wort). Leider vermute ich hier, dass ich die Nachteile der mechanischen Bremse weiterhin haben werde. Daher habe ich Abstand von Giant genommen. Zumal andere Hersteller zeigen, dass man in dieser Preisklasse auch (voll-)hydraulische Bremsen verbauen kann.

Das Rose ist ebenfalls ein tolles Fahrrad. Es war meine B-Variante. Das heißt, wenn es mit dem Canyon Inflite nicht gepasst hätte, dann wäre es wohl das Rose geworden. Leider ist auch hier die maximale Reifenbreite der limitierende Faktor.

Bei meiner Entscheidung vorab habe ich viele Geometrietabellen und Ausstattungslisten verglichen. Ich habe auch Testberichte gelesen und durch Foren gestöbert.
Schlussendlich bin ich immer wieder beim Canyon Inflite gelandet. Das Preis-Leistungsverhätnis passt bei dem Rad und mir gefällt es optisch sehr gut. Daher habe ich genau dieses Fahrrad bestellt.

Unterschied Cyclocross vs. Rennrad vs. Gravel-Bike bei meiner Entscheidung

Über dieses Thema könnte ich natürlich einen eigenen Artikel verfassen, weil es einfach so umfangreich ist, aber um ehrlich zu sein gibt es dazu genug Lesestoff im Netz. Daher will ich primär auf die für mich entscheidenden Unterschiede eingehen.
Wenn man ein Rennrad sucht um auch mal mit breiteren Reifen fahren will, dann kommt man natürlich auch auf die Gattung der Gravel-Bikes. Seit einigen Jahren boomen Gravel-Bikes und verdrängen zunehmend Endurance und Einsteiger Rennräder, aber auch die typischen MTB-Tourenfahrer werden von Gravel-Bikes angelockt. Gravel-Räder sind vielseitig und komfortabel - sie sind echte Alleskönner.

Ich wollte jedoch ursprünglich - wie zu Beginn erwähnt - ein klassisches Rennrad. Weil ich zu 95% auf Aspahlt und anderen befestigten Wegen unterwegs bin, gleichzeitig wollte ich ein sehr sportliches und leichtes Fahrrad. Vielseitigkeit, Bikepacking und gemütliches Kilometerfressen standen für mich nicht im Vordergrund. Dafür habe ich mein Fuji Touring, mit dem ich sehr zufrieden bin.

Es gibt natürlich auch sehr sportliche und gut ausgestattete Gravel-Bikes, diese waren jedoch über meinem Budget. Das Rose Backroad AL ist eine Alternative welche mir zu spät aufgefallen ist - nämlich als die Entscheidung für das Inflite getrofen war. Ansonsten wäre dies evtl. auch in meine Auswahl gerückt.
Dennoch wollte ich mir die Möglichkeit offen halten für schlechte Wege durch den Wald und breite Reifen.
Daher erschien (und das denke ich noch immer) ein Cyclocross-Rad als bester Kompromiss. Die meiste Zeit möchte ich das Fahrrad dennoch mit reiner Straßenbereifung als Rennrad fahren.

Canyon Inflite 5 als Rennrad

Aktuell habe ich noch Cross-Reifen auf dem Inflite montiert, daher kann ich dazu aktuell noch nicht viel sagen. Ich werde dieses Kapitel jedoch ergänzen sobald ich das Fahrrad mehr gefahren bin.

21 August 2020

Was tun bei einem Platten? Die beste Fahrradpumpe für unterwegs


Auf einer langen Tour plötzlich ein Zischen, ein Knall oder plötzlich ein extrem schwergängiges Fahrrad. Ein Blick auf die Reifen verrät meist schon wo das Problem liegt. Vielleicht habt ihr eine Glasscherbe unglücklich getroffen oder seid durch einen spitzen Stein gefahren. Wenn ihr einen platten Reifen habt, dann hilft nur eins. Schlauch wechseln oder direkt flicken. 
Das kennt wohl jeder Radfahrer mit klassischem Falt- oder Draht-Reifen mit Schlauch, Tubeless-Fahrer evtl. nicht so.

Fahrrad Mini-Pumpen


Für das Pumpen unterwegs gib es grundsätzlich zwei unterschiedliche Systeme. Einmal klassische Handpumpen - natürlich in sehr kleiner Form - und auf der anderen Seite gibt es sogenante CO²-Pumpen. Bei diesen wird jedoch zusätzlich noch eine entsprechende Gas-Kartusche benötigt. Weiter unten gehe ich im Detail auf die Unterschiede und auf die Vor- und Nachteile ein.

Was ist besser und welche Luftpumpe brauche ich?

Der Zubehörmarkt bietet eine unendlich große Auswahl an Pumpen. Gefühlt hat jeder Discounter zweimal im Jahr eine Auswahl an (Mini) Pumpen im Angebot. Decathlon und Konsorten vertreiben ebenfalls ihre eigenen Pumpen. Zusätzlich hat jeder größere Hersteller von Fahrradzuböhr seine eigenen Pumpen. Bei Amazon und anderen großen Handelsplattformen bekommt man außerdem eine große Auswahl an Fahrradpumpen aus Fernost.

Schlauch direkt wechseln oder doch flicken?

Diese Frage ist vermutlich nur für Fahrer von Reifen mit Schlauch interessant. Tubelessfahrer können beruhigt weiterscrollen.
Ich mache es meist so, dass ich unterwegs den Schlauch einfach wechsel, denn ich habe immer einen Ersatzschlauch in der Satteltasche. So erspare ich mir das suchen des Defekts und den anschließenden Prozess des Flickens. 
Das demontieren vom alten Schlauch müsst ihr zu 90% ohnehin erledigen. Ihr spart euch quasi keinen Arbeitsschritt, wenn ihr Vor Ort flickt. Andererseits kann das hektische flicken jedoch nervenaufreibend und stressig sein. Daher würde ich empfehlen: Nehmt lieber einen Ersatzschlauch - auf Mehrtagestouren vielleicht sogar zwei Schläuche - mit.
Den defekten Schlauch flicke ich meist in Ruhe zu Hause. Da habe ich mehr Zeit und Ruhe für solche Dinge. Anschließend kann der geflickte Schlauch entweder zurückgewechselt werden oder alternativ in der Satteltasche als Reserveschlauch benutzt werden. Das heißt, ein defekter Schlauch muss auch nicht direkt in den Müll wandern.

Welche ist die beste Pumpe für unterwegs?

Auf einer Tour mit begrenztem Gepäck bieten sich eigentlich nur zwei Alternativen and: Minipumpen oder CO²-Pumpen an. Beides hat Vor- und Nachteile. Eine Minipumpe ist meist günstiger und ist dank einer Rahmenhalterung oft ebenfalls gut zu verstauen. Ein Nachteil ist jedoch, dass es häufig sehr anstrengend ist und man sich beinahe regelrecht "tot-pumpt" um ein gewisses Volumen in einen Fahrradreifen zu bekommen. Auf der anderen Seite sind die CO²-Pumpen - diese sind sehr kompakt und leicht. Ein Reifen kann damit ohne Anstrengung in sehr kurzer Zeit aufgepumpt werden. Diese haben jedoch den großen Nachteil, dass die Kartuschen nachgekauft werden müssen. Dadurch sind diese deutlich teurer.
Ich habe hierzu nochmal in Stichpunkten die jeweiligen Vor- und Nachteile von den unterschiedlichen Pumpen aufgelistet.

Eigenschaften von (Mini)-Pumpen:

Vorteile:

  • geringes Gewicht
  • in der Regel ist eine passende Rahmenhalterung enthalten
  • kein Nachkaufen / Auswechseln von Kartuschen notwendig
  • kann nicht leer sein
  • extrem kleine Pumpen passen auch in eine Satteltasche
  • langfristig gesehen ist eine herkömmliche Pumpe günstiger aus CO²

Nachteile:

  • bei hohem Reifenvolumen oder großem Druck ist es sehr aufwendig zu pumpen
  • Zeitintensiv
  • Einige Minipumpen sind nicht für hohen Druck von Rennradreifen geeignet (für den Notfall reicht es meist dennoch um zumindest bis ans Ziel zu kommen)

Eigenschaften von CO²-Pumpen:

Vorteile:

  • Sie benötigen wenig Platz und passen in jede Sattel- oder Trikottasche
  • Die Luft wird sehr schnell in den Reifen gepumpt
  • Ideal für Wettkämpfe

Nachteile:

  • Ist die Kartusche leer, kann nicht mehr nachgepumpt werden.
  • Die notwendigen CO²-Patronen / Kartuschen sind recht teuer, in jedem Fall entstehen jedoch Folgekosten
  • Aufwendige Entsorgung der CO²kapseln über den Wertstoffhof bzw. Abfallwirtschaftsbetrieb, denn die Patronen sind Altmetall

Für mich persönlich sind die Nachteile der CO²-Pumpen zu störend und daher habe ich entschieden ausschließlich herkömmliche Pumpen zu verwenden. Allerdings verstehe ich den Zweck dieser Pumpen und kann nachvollziehen das sie für manche Fahrer einfach die bessere Alternative sind. 

Empfehlenswerte Mini-Pumpen für Unterwegs

Ich habe in den letzten Jahren verschiedene Minipumpen getestet und auch im täglichen Einsatz verwendet. Einige möchte ich hier nennen.

Turbo Morph G von Topeak

Turbo Morph G

Meine absolute Lieblingspumpe ist die Topeak Turbo Morph G. Diese Pumpe ist eine Mini-Standpumpe mit Manometer. Außerdem kann man sie an den Rahmen befestigen. Mit wenige Handgriffen kann man außerdem zwischen den unterschiedlichen Ventilarten, also zwischen Auto-Ventil und dem Französischem, wechseln.
Ich benutze diese Pumpe nun bereits seit etwa 3 Jahren und habe diese meist täglich bei mir. Die Pumpe ist etwas größer als die meisten Minipumpen. Der Vorteil dadurch ist, dass es nicht ganz so fummelig und aufwendig ist wie bei den ganz kleinen. Außerdem ist an der Pumpe, wie bei allen Standpumpen üblich, ein Schlauch angeschlossen. Es ist unheimlich entspannter wenn man die Pumpe nicht permanent gegen das Ventil drücken muss. Vom Handling ist diese Pumpe jeder mir bekannten Minipumpe überlegen. Allerdings ist diese Minipumpe nicht so "mini" wie viele andere Pumpen. Außerdem ist die Luftpumpe auch nicht ganz billig. Diese Nachteile sind vermutlich nicht ganz irrelevant. Daher habe ich als Alternative noch eine weitere Pumpe.

Topeak Pocket Rocket

Topeak Pocket Rocket

Als "echte" Minipumpe kann ich die Topeak Pocket Rocket empfehlen. Laut dem Hersteller immerhin die Meistverkaufte Pumpe von Topeak. Dies ist eine echte Mini-Pumpe, sie ist super klein, leicht und kompakt. Das wechseln der Ventilarten klappt auf die gleiche Art wie bei der Turbo Morph G. Allerdings ist das Pumpen insgesamt etwas fummeliger. Laut Topeak kann die Pumpe bis zu 11 Bar pumpen und ist daher auch für Rennräder geeignet. Ich ziehe die Pocket Rocket der Turbo Morph G vor, wenn es aufs letzte Gramm ankommt und ohnehin nicht viel Platz auf dem Fahrrad ist.

Discounter Mini-Pumpe

Discounter Pumpe

An meinem Bastelrad bzw. Bahnhofsrad habe ich häufig eine einfache Minipumpe aus dem Discounter dabei. Ich mag diese Pumpe, denn ich kann die verschiedenen Ventilarten ohne fummeligen Umbau pumpen und sie nimmt nicht viel Platz weg. Diese Luftpumpe besitze ich schon viele Jahre und kann mich gar nicht mehr erinnern wo ich diese her habe. Kürzlich habe ich jedoch ein optisch Baugleiches Modell bei Kaufland gesehen. Lediglich der Aufdruck war ein anderer. Daher bin ich mir sicher dass es diese Pumpe noch gibt. 
Ich bin grundsätzlich sowieso der Meinung, dass das Fahrradzubehör bei den Discountern eine ordentliche Qualität hat. (Dazu werde ich evtl. auch mal einen eigenen Artikel anfertigen)

Fernost Mini-Pumpe

China Pumpe

Eine weitere Pumpe die ich noch besitze ist eine billige China-Pumpe von Amazon. Diese finde ich nicht so toll. Weil ich diese als fummelig und frickelig empfinde. Es ist extrem nervig damit einen Reifen zu pumpen. Ich habe dabei bereits einiges an nerven verloren. Daher nutze ich im Grunde genommen nur die Halterung für die Topeak Pocket Rocket, weil diese fast den identischen Durchmesser hat (ein wenig Isolierband hat für den Rest geholfen). Den Original Topeakhalter habe ich leider verloren.
Ich werde die Pumpe bewusst nicht verlinken, weil ich aktuell keine Empfehlung aussprechen kann.
Die Moral von der Geschichte? Kauft euch lieber eine gute Minipumpe oder eine die ihr zumindest mal im Laden in die Hand nehmen könnt. Das Fernost Billig-Zeug muss nicht schlecht sein, aber ich habe auch noch nicht durchgehend gute Erfahrungen damit gemacht.

Weitere Speziallösung: Nigrin Reifen-Dicht

In meiner Kellerwerkstatt bin ich auf eine weitere Möglichkeit für Unterwegs gestoßen. Reifen-Dicht von Nigrin. Ich habe dies noch nicht getestet, aber es soll den Reifen zumindest für die Weiterfahrt "flicken" und aufpumpen in einem Arbeitsschritt. Von der Sache klingt das OK, aber ich habe es wie gesagt noch nicht getestet und kann daher keine Empfehlung aussprechen.
Vielleicht nehme ich die Dose bei den nächsten Fahrten mal mit.

Ersetzt eine Minipumpe auch eine größere stationäre Pumpe?

Ich kenne einige Radler die lediglich eine Minipumpe besitzen und sonst nichts. Für mich wäre das nichts und ich würde dies auch nicht empfehlen. Mini-Pumpen besitzen grundsätzlich nicht den Komfort einer guten Standpumpe oder eines Kompressors. Außerdem haben nur die wenigstens dieser Luftpumpen eine Druckanzeige. Ich besitze daher noch eine gute Standpumpe die Topeak Joeblow Sport auch seit einigen Jahren und bin mit dieser sehr zufrieden. 

Wie macht ihr das?
Welche Pumpen könnt ihr empfehlen? Schreib es mir in die Kommentare.

26 Juni 2020

Die 10 besten Strava Erweiterungen - Websites, Apps & Browser-Addons


Strava, das Facebook für Sportler, ein soziales Netzwerk in denen Sportler ihre Fahrten, Läufe und sonstige sportlichen Leistungen hochladen können und sich so gegen Sportler aus der ganzen Welt messen können. Das macht Spaß und man kann regelrecht Strava-Süchtig werden.

Strava Mitgliedschaft, das neue Bezahlmodell!


Nachdem Strava leider einige bisher kostenlose Funktionen in das neue kostenpflichtige Programm Strava Mitgliedschaft (ja, das ist wirklich der Name) verschoben hat musste ich mich nochmal eingehend mit den Funktionen beschäftigen. Braucht man nun die kostenpflichtige Variante um Strava noch ordentlich nutzen zu können?
Meine Antwort: Nein, eine kostenpflichtige Mitgliedschaft ist aus meiner Sicht nicht zwingend notwendig. Ihr müsst Strava aber auch nicht sofort den Rücken kehren. Das sozial Netzwerk ist weiterhin nutzbar, allerdings sind einige Features limitiert oder gestrichen worden. Dazu weiter unten mehr.

Es gibt glücklicherweise einige kostenlose Erweiterungen und Dienste die Strava massiv aufwerten. Die besten will ich in diesem Artikel auflisten und erklären.
Die meisten Erweiterungen sind für den Browser, es gibt jedoch auch einige externe Websites die, wenn der Strava-User es erlaubt, auf die Daten von Strava zugreifen kann.
Außerdem gibt es einige Smartphone-Apps die mit dem eigenen Strava-Account verbunden werden können. Ich habe sehr viele getestet und ausprobiert und die in meinen Augen besten für diesen Artikel zusammengetragen.

Die besten Strava Erweiterungen

Hier findet ihr die besten Erweiterungen für Strava. Es gibt verschiedene Arten von Erweiterungen für Strava. Einige Anbieter betreiben eine externe Website die mit Hilfe der Strava-Daten neue verbesserte Statistiken generiert oder eure Leistungen auf eine bestimmte Weise visualisieren.

Webseiten

Die folgenden Websites lassen sich mit dem eigenen Strava-Account koppeln und bieten einen positiven Mehrwert. Dazu lesen diese Seiten eure eigenen Strava-Leistungsdaten aus eurem Account aus und erstellen daraus dann eigene Statistiken.

kom.club - Versteckte Strava Herausforderungen entdecken


Strava Herausforderungen sind sehr motivierend. Wenn ihr eine Herausforderung in Strava erfolgreich abschließt, dann erhaltet ihr ein Abzeichen, welches in eurem Profil sichtbar wird. Einige der Herausforderungen sind mit Gewinnspielen oder Gutscheinen bestimmter Anbieter verbunden. Wenn ihr also die Challenge erfolgreich abschließt, dann erhaltet ihr häufig einen Gutschein in einem Online-Shop. Viele Herausforderungen sind daher jedoch Regionsabhängig, das heißt ihr könnt in eurem Strava Account keine Herausforderungen finden die zum Beispiel für Japan angeboten werden.
Wenn es euch also nur darum geht die Abzeichen zu sammeln, dann könnt ihr leider nicht auf alle Herausforderungen zugreifen.
Auf der Seite kom.club werden weltweit sehr viele (vielleicht sogar alle) Herausforderungen gesammelt. Vom kom.club heraus könnt ihr einfach via Deeplink viele andere Herausforderungen finden und absolvieren.
Übrigens ist es bei kom.club nicht zwingend notwendig, den eigenen Account zu koppeln und somit die eigenen Daten freizugeben. Daher sehe ich kom.club auch Datenschutztechnisch absolut unkritisch.

Toolbox For Strava


Die Website Toolbox For Strava erstellt Statistiken in denen man sich mit anderen Strava-Benutzern vergleichen kann. Wie zum Beispiel Gesamtkilometer oder Statistiken über KOMs. Die Seite ist interessant, weil man ungefähr sieht wo man Leistungstechnisch selbst innerhalb der Strava-Community steht. Allerdings werden nur Strava User ausgewertet, die auch "Toolbox For Strava" nutzen.
Die Statistiken und Ranglisten wirken für viele motivierend. Außerdem ist es schön zu sehen "wo man steht".

VeloViewer

Auch VeloViewer darf hier in meiner Liste nicht fehlen. VeloViewer ist super praktisch und sehr mächtig. Hiermit könnt ihr eure Fahrten detailliert auswerten. Es bietet aber auch einige nette Spielereien, unter anderem könnt ihr euch eine 3D-Ansicht eurer Tour anzeigen lassen. Diese Seite ist wirklich sehr umfangreich und ist jedem "Zahlenfreak" wärmstens empfohlen. Leider ist der Umfang der freien Version ziemlich eingeschränkt. Um Also VeloViewer in ganzer Pracht genießen zu können sollte man sich die Pro-Version gönnen.

StatsHunters


Auch Statshunters bietet viele interessante Statistiken und Heatmaps. Außerdem kann man auf der Seite diverse Badges (ähnlich den Strava Herausforderungen) sammeln, was die Motivation deutlich erhöhen kann. Die Statistiken sind hier sehr gut auswertbar. Beispielsweise lässt sich die Fahrleistung monatsweise mit den Vorjahren vergleichen. Oder ihr seht wie sich eure Leistungen verändern je nachdem welches eurer Fahrräder ihr verwendet. (wenn ihr das bei Strava pflegt)
Bei Strava selbst könnt ihr nur die jeweilige Laufleistung erkennen.

Flink


Eine Seite dich ich erst kürzlich fand ist flink.run. Hier habt ihr weitere Analyse- und Exportmöglichkeiten. Ihr könnt beispielsweise alle eure Fahrten als Excel- oder CSV-Datei exportieren. Auf diese Weise könntet ihr eure Daten effektiv in einem Tabellenkalkulations-Programm analysieren.
Ein weiteres Feature ist die Funktion eure Strava-Aktivitäten nach dem Upload automatisch zu verändern. Ihr könnt so den Titel oder die Beschreibung verändern. Beispielsweise könnt ihr Wetterinformationen hinzufügen, oder den Startort.

Browser Extensions

Dies sind Erweiterungen für den Browser. Meist manipulieren diese die Strava-Website in eurem Browser. Dadurch wird der Funktionsumfang von Strava erweitert. Ähnlich arbeiten AdBlocker. Momentan gibt es aus meiner Sicht nur eine empfehlenswerte Erweiterung für Browser die wirklich einen Mehrwert bietet.

Elevate for Strava (früher Stravistix)

Diese Browsererweiterung (für Chrome) ist sehr cool. Hier lassen sich eure sportlichen Leistungen in Graphen visualisieren.
Unter anderem könnt ihr auch eure Leistungen mit den Vorjahren vergleichen. Das ist interessant.
Elevate for Strava integriert sich nicht in die Strava-Seite sondern hat beinahe eine eigene App im Browser. Das Tool ist sehr umfangreich und ein echter Mehrwert für Strava-User.

Smartphone Apps

Neben der offiziellen Strava App für iOS oder Android gibt es weitere Apps, von Drittanbietern die ähnlich wie die oben genannten Erweiterungen auf euren Account zugreifen können, wenn ihr dies erlaubt. Dadurch wollen auch diese Apps einen Mehrwert bieten. Die folgenden Apps finde ich persönlich sinnvoll.

ProBikeGarage

In Strava könnt ihr bereits die Laufleistung eurer Ausrüstung, primär eure Fahrräder tracken. So seht ihr beispielsweise wie viele Kilometer ihr mit welchem Fahrrad gefahren seid. Das ist manchmal praktisch. Wenn ihr das noch weiter treiben wollt, dann nehmt ihr die App ProBikeGarage. Mit dieser könnt ihr auch eure Komponenten tracken. Insbesondere ist das für Verschleißteile interessant. Die App kann euch informieren, wenn der Wechsel von beispielsweise euren Bremsbelägen oder Reifen fällig werden, indem ihr eine Benachrichtigung auf euer Smartphone erhaltet. Wenn ihr ein Verschleißteil austauscht, dann könnt ihr dies in der App hinterlegen. Diese App nutze ich bereits recht lange und finde sie wirklich toll. Insbesondere, weil ich Strava auch primär als Kilometer-Logbuch für meine Fahrräder nutze.

Bikelog


Eine weitere tolle App ist Bikelog. Diese Smartphone-App erstellt nette Statistiken und visualisiert diese für euch. Außerdem erstellt die App euch Heatmaps für eure gefahrenen Fahrten auf einer Karte. Ihr könnt hier außerdem praktisch auf alle Bilder zugreifen die ihr mit euren gespeicherten Fahrten verknüpft habt. Bikelog ist sowohl für Android als auch für iOS verfügbar.

Relive

Mit dieser App könnt ihr aus den Daten eurer Fahrt einen kleinen Videoclip generieren. Ihr könnt zusätzlich geknipste Bilder und Videos mit einfügen. Das sieht insgesamt gar nicht mal so schlecht aus. Relive ist aktuell zwar keine Strava Erweiterung, aber das war es mal. Strava hat jedoch leider entschieden die Zusammenarbeit mit Relive zu beenden. Das heißt eine direkte Nutzung von einem Strava-Account heraus ist nicht möglich. Allerdings habt ihr die Möglichkeit Relive mit anderen Diensten zu koppeln, wie zum Beispiel Garmin Connect. Alternativ könnt ihr ein GPX-File eurer Fahrt direkt bei Relive hochladen und euch so einen animierten Film eurer Fahrt anschauen. Aus diesem Grund wollte ich Relive dennoch in der Liste mit aufführen.

Velographic for Strava

Dies ist eine App mit der ihr nette Grafiken über ein Foto legen könnt. Damit meine ich einmal eure gefahrene Route als Linie und die wichtigsten Statistiken eurer Tour, wie zum Beispiel die gefahrene Distanz, eure Zeit und die Höhenmeter. Diese Grafiken sind sicher interessant und nett zum Angeben bei den Freunden oder in Sozialen Netzwerken. In jedem Fall macht es Spaß diese Bilder zu erstellen.

Vorgeschichte

Strava hat vor ungefähr anderthalb Jahren Strava Premium durch Strava Summit ersetzt. Der Vorteil von Strava Summit war, dass man verschiedene Pakete zur Verfügung hatte. Das heißt für Sportler die nur trainieren wollten gab es ein zugeschnittenes Trainingspaket. Ein anderes Paket hat den Zugriff auf Dinge wie Live Segmente freischaltet. Wenn man alle drei Pakete gleichzeitig gebucht hat, dann kam man auf den geichen Preis von ungefähr 60 Euro jährlich (bei monatlicher Zahlweise waren die Pakete teurer).
Das Modell Strava Summit war meines Erachtens perfekt, denn jeder konnte genau das Paket buchen was er wollte. Offensichtlich war dies aber nicht profitabel genug, denn nun hat Strava auch das Bezahlmodell Summit abgeschafft und nennt es nun Strava Mitgliedschaft. Etwas verwirrend, weil meines Erachtens ja irgendwie jeder Benutzer auch ein Mitglied ist.
Jedenfalls hat Strava einige bisher kostenlose Funktionen wie den Routenplaner und vollständige Bestenlisten von Segmenten in die kostenpflichtige Mitgliedschaft verschoben oder für nichtzahlende Mitglieder sehr beschnitten. Das finde ich Schade, ich nutze Strava jedoch weiterhin. Wobei ich für vieles auch auf Garmins Plattform zurückgreife. Die Reports in Garmin sind insgesamt auch sehr umfangreich. Daher werde ich in naher Zukunft auch kein zahlendes Strava Mitglied.

Datenschutzbedenken?

Bedenkt bitte, damit ihr eines dieser Tools (abgesehen von kom.club) nutzen könnt, müsst ihr dem Tool, der Website, der Extension oder der App Zugriff auf euren Account gewähren. Die Anbieter und Entwickler verwenden dann eure Daten um daraus die Funktionalitäten für deren Tools zu generieren. Für den Anwender ist der Prozess (oder auch wer und wo Zugriff auf die Daten hat) oft nicht Transparent.
Manche Tools verlangen sogar schreibenden Zugriff, wie zum Beispiel Garmin, damit eure Fahrten von einem Garmin-Device zu Strava geladen werden können. Seid euch also sicher wem ihr Zugriff gewähren wollt.

Zusammenfassung

Die hier genannten Erweiterungen für Strava sind sicher sehr subjektiv und es sind meine persönlichen Favoriten. Kennt ihr weitere Strava-Erweiterungen? Dann lasst es mich wissen und lasst einen Kommentar hier.

Update vom 02.07.2020: Ich habe flink.run in die Liste aufgenommen.

27 Mai 2020

Radpendler: Verschleiß beim Fahrrad (komplette Übersicht)


Das Fahrrad ist aus Kosten-Nutzen-Sicht sicher eines der effizientesten Fahrzeuge. Ganz sicher ist es günstiger als jedes Auto. Dennoch ist es nicht kostenlos. Abgesehen von den Kosten beim Kauf gibt es wie auch beim Auto oder bei jedem anderen Fahrzeug Kosten aufgrund von Verschleiß und Wartung.

Kettenverschleißmessleere - Diese Kette ist noch nicht verschlissen

Mit diesem Artikel möchte ich einen Überblick geben mit welcher Lebenserwartung und mit welchen Kosten jeder bei welchem Verschleißteil rechnen kann. Außerdem will ich erklären warum die meisten Radfahrer dafür nicht die Fachwerkstatt aufsuchen müssen, weil man auch viele Dinge alleine durchführen kann.

Meine eigenen Räder und die Fahrräder meiner Familie habe ich ganz gut im Überblick. Mit Fahrradcomputern wird die Laufleistung recht sauber protokolliert und eventuelle Wartungen von mir in einer Excel-Datei dokumentiert. Ich habe mal den Verschleiß der gängigsten Verschleißteile beim Fahrrad aus meinen Aufzeichnungen zusammengefasst.

Die Werte in diesem Artikel basieren daher nicht auf wissenschaftlichen Tests, sondern auf den Erfahrungen innerhalb meiner Familie und anderen Bekannten, insbesondere von mir. Das bedeutet meine Werte entstanden aus der Erfahrung von mehreren Zehntausenden Kilometern auf dem Fahrrad.

Verschleißteile am Fahrrad

Hier meine Übersicht der Wechselintervalle (Angaben ohne Gewähr):

Verschleißteil
Kosten
Laufleistung (ca. Werte)
Fahrradreifen (Standard)
15 - 40 Euro (pro Reifen)
2.500 - 5.000 km (günstige Standardreifen)
5.000 - 10.000 km (sehr gute Tourenreifen)
Bremsbeläge
5 - 15 Euro
2000 - 5000 km
Kette
10 - 30 Euro
2000 - 6000 km (Kettenschaltung)
Ritzelpaket, Kassette
20 - 50 Euro
10.000 Kilometer
Kettenblatt / Kurbelgarnitur
10 - 100 EUR 
20.000 Kilometer
Fahrradfelge
(Felgenbremse)
Ab 50 Euro - nach oben offen
15.000 - 20.000 Kilometer
(Bei kleineren Laufrädern häufiger)
Schalt- / Bremszüge
15 Euro (inkl. Zughüllen)
Das ist sehr individuell

Alle Werte sind von verschiedenen Faktoren abhängig. Zum einen ist die Fahrweise relevant, ähnlich wie der Spritverbrauch beim Auto, bei sehr ruppiger und sportlicher Fahrweise sind sicherlich kürzere Lebenszeiten der einzelnen Komponenten möglich.
Fahrt ihr eher Vorausschauend, dann werden die Reifen und Bremsen euch dies durch eine höhere Lebensdauer danken.

Auch das Fahrrad selbst spielt eine Rolle. Fahrräder mit kleineren Laufrädern, wie zum Beispiel Falträder haben unter Umständen einen höheren Verschleiß als ein normales Trekkingrad.
Ich beobachte hier einen deutlich höheren Kettenverschleiß. Meine Vermutung ist, dass bei diesen Fahrrädern meist der Antrieb, aufgrund der kleineren Laufräder deutlich näher am Boden liegt. Dadurch wird mehr Dreck in den Antrieb getrieben, dieser Faktor erhöht den Verschleiß.

Ein weiterer Faktor ist das Material. Insbesondere bei Bremsbelägen oder Reifen gibt es verschiedenste Mischungen. Manche sind weicher und manche sind härter. Hier muss man für sich den besten Kompromiss finden.

Bei eigentlich allen Verschleißteilen ist auch die Pflege und der Umgang entscheidend, wie zum Beispiel beim Antrieb.
Die Werte aus der Tabelle sollen kein Wartungskalender / Wartungsleitfaden sein, es handelt sich lediglich um Erfahrungswerte der letzten Jahre meiner verschiedenen Räder. Diese sind jedoch alle sehr individuell und können aufgrund von höherwertigen Materialien oder anderer Pflege länger oder auch kürzer halten.

Wann Reifen wechseln?

Die Reifen sind fast das einzige Verschleißteil bei dem man Pflegetechnisch nicht viel beeinflussen kann. Reifen werden nicht geschmiert, gefettet oder sonst was. Das einzige was man beachten sollte ist der richtige Luftdruck. Wenn man permanent mit zu wenig Druck fährt oder das Fahrrad mit zu wenig Druck lange stehen lässt, dann bilden sich (insbesondere in der Reifenflanke) kleine Risse.
Diese Risse sind grundsätzlich kein Problem, aber wenn diese zu groß werden, dann ist der Reifen geschwächt, das Gummi wird spröde.
Idealerweise fährt man Reifen immer nahe am maximal angegebenen Druck. Leider ist dies jedoch nicht sehr komfortabel, da hierdurch die Federeigenschaften von Reifen verhindert werden. Man sollte den für sich besten Kompromiss finden.

Ansonsten gilt bei Reifen meist: Man bekommt was man bezahlt. Ein Reifen für 40 Euro fährt sich anders und hält länger als ein 7 Euro Baumarktreifen. (Es gibt einige wenige gute günstige Reifen)
Es ist auch insbesondere so, dass teurere Reifen insbesondere aus dem City, Urban oder Trekking-Bereich einen besseren Pannenschutz bieten und auch dadurch länger halten - gleichzeitig jedoch einen niedrigeren Rollwiderstand bieten.

Aber wann sollte man den Reifen nun wechseln?

Meiner Meinung ist es so, dass bei Reifen mit Profil spätestens dann der Reifen gewechselt werden sollte, wenn der Reifen kein Profil mehr bietet. Bei Slicks, also profillosen Reifen (zum Beispiel der Schwalbe Kojak) sollte allerspätestens gewechselt werden, wenn der Pannenschutz unter der Lauffläche sichtbar wird.
Ein anderer Faktor ist die Häufigkeit der Pannen bei einem Reifen. Habt ihr beispielsweise einen Platten und müsst den Schlauch flicken oder sogar tauschen, dann ist die Ursache meist ein Durchschlag am Reifen. Wenn es davon zu viele gibt, dann ist irgendwann die Wahrscheinlichkeit gegeben, dass es den Reifen wieder erwischt.
Ein Beispiel: Ich hatte mal den Schwalbe CX Comp dieser sah irgendwann aus wie ein Schweizer Käse und wurde dann von mir getauscht.

Wie oft Bremsbeläge wechseln?

Meiner Erfahrung nach ist es egal, ob man Felgenbremsen oder Scheibenbremsen fährt. Der Verschleiß der Bremsbeläge ist in etwas gleich, wenn man qualitativ hochwertige Bremsbeläge miteinander vergleicht.
Bei Felgenbremsen gibt es jedoch den Verschleiß der Felgenflanken zu beachten. Diese halten zwar deutlich länger als 2000 Kilometer, aber man sollte dies dennoch bedenken. Viele Felgen haben aus diesem Grund einen Verschleißindikator. Eine kleine Nut in der Felgenflanke, diese gibt an wie dick die Felgenflanke noch ist. Wenn die Nut weggebremst ist wird es höchste Zeit für eine neue Felge.

V-Brake Bremsbeläge

Aus heutiger Sicht würde ich bei einem neuen Fahrrad daher eindeutig Scheibenbremsen empfehlen. Abgesehen vom geringeren Verschleiß der Felgen ist die Bremsleistung einfach besser, insbesondere  bei Nässe und Kälte.
Bremsbeläge werden dann gewechselt, wenn der Bremsbelag abgefahren ist oder / und die Bremsleistung massiv nachlässt.

Verschleiß der Fahrradkette

Die Fahrradkette ist in der Wartung vermutlich das Bauteil am Fahrrad welches die meiste Aufmerksamkeit benötigt. Die Kette ist für den Antrieb des Fahrrads zuständig. Meist ist sie äußeren Einflüssen wie Kälte und Nässe ziemlich schutzlos ausgeliefert.
Es ist sehr wichtig, dass die Kette regelmäßig geprüft wird und immer ausreichend geschmiert wird. Läuft die Kette zu "trocken", läuft der ganze Antrieb unrund, das heißt ihr habt einen erhöhten Aufwand beim Fahren, aufgrund der höheren Reibung.
Die Schaltung läuft merklich schlechter und der Verschleiß der anderen Antriebsteile, wie Kassette und Kurbel nimmt merklich zu. Da der Aufwand für eine gepflegte Kette nicht groß ist, würde ich jedem raten, diese regelmäßig zu prüfen.
Wie und mit welchem Mittel die Kette am besten gepflegt wird, könnt ihr in meinem Artikel zu den besten Schmiermitteln für Fahrradketten nachlesen.
Mit der Zeit, auch trotz bester Pflege, verschleißt die Kette dennoch irgendwann. Dies macht sich meist durch etwas schlechteres Schalten bemerkbar. Dieser Effekt ist jedoch so schleichend, das er oft nicht auffällt.
Das Problem ist, dass die Kette sich ganz langsam längt und so nicht mehr ganz genau in die Ritzel und Zahnblätter greift. Wenn man die Kette ab einem bestimmten Punkt nicht wechselt sorgt diese dafür, dass die Zähne an der Kassette bzw. Ritzel langsam abnutzen.
Wie also kontrolliert man den Verschleiß der Kette? Man misst die Länge!
Dazu kann man einen Messschieber verwenden oder eine Kettenverschleißleere, ein spezielles Werkzeug für Fahrradketten.

Diese Kette ist verschlissen

Variante 1: Messschieber

  • Stellt den Messschieber auf 118 mm
  • Steckt diesen genau zwischen 10 Kettengliedern und drück den Messchieber auseinander und messt nun den Abstand.
  • Bei einer neuen Kette sollte das Ergebnis bei 119,5 mm liegen
  • Ab 120,25 mm müssen  Ketten gewechselt werden, wenn ihr eine Kassette / Ritzelpaket aus Aluminium habt.
  • Ab 120,5 mm müssen Ketten gewechselt werden, wenn ihr eine Kassette aus Stahl habt.

Variante 2: Kettenverschleißmessleere

  • Steckt die Verschleißleere in die Kette und prüft ob diese "reinfällt" (Siehe Bild)
  • Bei Aluminium-Kassetten prüft ihr die Seite mit 0,75 (oder ".75")
  • Bei Stahlkassetten die andere Seite mit 1
  • Wenn die Verschleißleere reinfällt, dann ist die Kette verschlissen.
Variante 2 ist deutlich komfortabler. Dafür muss lediglich ein Verschleißleere im Haushalt vorhanden sein. Ich empfehle das, wenn man häufiger an Fahrrädern arbeitet bzw. diese prüft.
Eine gute und nicht zu teure Kettenverschleißleere ist der Rohloff Caliber 2. Diese Leere kann ich sehr empfehlen und sie wird auch in vielen Fachwerkstätten verwendet.

Kassette aus Aluminium oder Stahl?

Wenn ihr nicht wisst aus welchem Material eure Kassette ist, dann könnt ihr einen Magneten verwenden. Bei einer Magnetischen Kassette wisst ihr, dass diese aus Stahl besteht. Ist diese nicht magnetisch, dann besteht diese aus Aluminium oder aus Edelstahl. Mein Tipp: Im Zweifel geht ihr also lieber von Aluminium aus.

Ritzelpaket wann wechseln?

Die Kassette oder auch das Ritzelpaket hält bedeutend länger als eine Fahrradkette. Nach meiner Fausregel hält die Kassette in etwa drei Kettenleben. Das heißt, wenn ihr die dritte Kette bei eurem Fahrrad austauschen müsst, dann solltet ihr spätestens auch die Kassette prüfen. Meist sind dann bereits die Zähne abgerieben und runtergefahren. Diese sehen  dann entweder rundgeschliffen aus oder sind geformt wie Haifischzähne. (Leider habe ich aktuell kein Bild zur Visualisierung, das werde ich nachreichen)

Wann müssen Kettenblätter getauscht werden?

Von den Antriebskomponenten halten die Kettenblätter in der Regel am längsten. Ich schätze Kettenblätter bei ordentlicher Pflege auf mindestens 15.000 Kilometer Laufleistung. Bei Fahrrädern mit Getriebenabe oder ohne Schaltung vermutlich noch deutlich länger.
Kettenblätter können häufig einzeln getauscht werden. Meist sind diese mit vier oder fünf kurzen Schrauben an der Kurbel befestigt.
Bei günstigen Kurbeln sind die Kettenblätter vernietet hier ist ein einzelner Wechsel nicht möglich. Das bedeutet, dass die komplette Kurbelgarnitur getauscht werden muss. Allerdings sind die Kurbeln im Einsteigerbereich nicht sehr teuer.
Wie auch bei den Ritzeln sehen die Zähne an den Kurbelblättern irgendwann "rundgeschliffen" aus. Das ist ein Anzeichen für erhöhten Verschleiss.

Die Fahrradfelge - auch ein Verschleißteil?

Ja, wie bereits im Absatz zu den Bremsbelägen erklärt: Die Felge ist auch ein Verschleißteil. Insbesondere dann, wenn ihr ein Fahrrad mit Felgenbremse fahrt. Der Grund ist einfach: Die Bremsbeläge schleifen bei jedem Bremsvorgang regelrecht das Metall der Felgenflanken runter. Dadurch werden die Felgenflanken dünner und dünner. Wenn diese zu dünn sind, dann können diese brechen. Während der Fahrt kann das sehr gefährlich werden. Daher müssen die Felgen ebenfalls immer mal wieder geprüft werden.
Dazu müsst ihr mit einem Messschieber die Wandstärke der Felgenflanke prüfen.
Eine Alternative ist - wie bereits oben erwähnt - der Verschleißindikator auf der Felgenflanke. Dies ist eine dünne Nut in der Felgenflanke.
Ist dieser nicht mehr sichtbar, dann ist ein Wechsel dringend notwendig. Aber Achtung, einige Felgen besitzen keinen Indikator für die Abnutzung. In dem Fall müsst ihr im Zweifel die Wandstärke der Felge messen.

Verschleißindikator einer Fahrradfelge

Bei günstigen Laufrädern lohnt es sich jedoch häufig nicht nur die Felge zu tauschen, in dem man das Laufrad neu einspeicht. Daher wird dann das ganze Laufrad gewechselt.
Aus meiner Erfahrung müsstet ihr bereits einige Bremsbeläge gewechselt haben bis eine Felge wirklich durchgebremst ist.
Bei Fahrrädern mit Scheibenbremse ist der Verschleiß der Felge zu vernachlässigen.

Bowdenzüge - Schalt- bzw. Bremszüge am Fahrrad

Die Bowdenzüge sind dünne Stahlseile die Bremsen (nur bei mechanischen Bremsen) und Schaltung ansteuern. Diese werden zu großen Teilen von den Zughüllen geschützt. Durch diese Hüllen sollen die Züge möglichst ohne Reibung gleiten. Wenn die Züge jedoch anfangen zu rosten oder dreckig sind, dann gleiten diese nicht mehr wirklich und es kommt sowohl beim Bremsen als auch beim Schalten zu einem "unrunden" Gefühl. Die Schaltung wirkt unpräzise und die Bremse lässt sich nicht wirklich fein justieren. Oft hilft wenn man die Züge gut reinigt und manchmal einen tropfen Öl in die Zughüllen träufelt. Wenn das alles auch nicht hilft, dann müssen die Züge gewechselt werden. Wenn man das macht, dann wechselt man am besten auch gleich die Zughüllen mit.
Hierfür gibt es nicht wirklich eine konkrete Empfehlung für ein Wechselintervall es ist sehr abhängig von der eigenen Fahrweise oder wo das Fahrrad primär abgestellt wird.
Wenn ihr neue Züge kaufen müsst, dann gebt ein wenig mehr Geld für Edelstahl Bowdenzüge aus. Der geringe Aufpreis ist es in jedem Fall wert.

Es kommt auf die Pflege an

Wie schon weiter oben erwähnt. Die richtige Pflege, oder zumindest ein Mindestmaß an Pflege ist entscheidend für die Haltbarkeit der einzelnen Komponenten.
Ein Tipp von mir ist. Nehmt euch einmal im Monat etwas Zeit für euer Fahrrad, vielleicht 5 oder 10 Minuten. Kontrolliert das wichtigste und ihr werdet deutlich mehr Spaß mit eurem Fahrrad haben.

Ich habe dazu vor einiger Zeit einen Artikel über die Regelmäßige Wartung an Fahrrädern geschrieben. Diesen könnt ihr als Leitfaden nutzen.
Kurzversion:

  • Kontrolliert den Luftdruck eurer Reifen
  • Prüft eure Kette und den Antrieb: Ist diese ausreichend gefettet? Ist diese sehr verdreckt?
  • Ist die Kette möglicherweise bereits so stark verschlissen, dass diese getauscht werden muss?
  • Schleift eure Bremse? Kontrolliert dies, denn dadurch wird sowohl der Bremsen- als auch der Felgenverschleiß beschleunigt.

Für so eine Prüfung braucht ihr kein spezielles Werkzeug und kein Fachwissen. Alles was ihr braucht ist eine Fahrradpumpe, ein wenig Werkzeug, einen Lappen bzw. ein Tuch und euer bevorzugtes Schmiermittel. Wenn ihr euch nicht sicher seid, welches Schmiermittel das richtige ist, dann empfehle ich euch meinen Artikel über die verschiedenen Schmiermittel für Fahrradketten.

Der Preis für Verschleißteile am Fahrrad ist abhängig von der Ausstattung des Fahrrads. Umso höher die Ausstattung ist um so teurer sind in der Regel die Verschleißteile. Verschleißteile/Ersatzteile (insbesondere im Antriebsbereicht) sind bei einfacher Ausstattung in der Regel günstiger als bei High-End Sportmaschinen. Hier muss jeder den besten Kompromiss finden.

Es gibt weitere Verschleißteile am Fahrrad, wie Schaltröllchen, Griffe und evtl. den Sattel. Hier ist der Verschleiß viel individueller aber auch nicht so kurzfristig und auch der Kostenbereich einfach zu groß (inbesondere bei Griffen und Sätteln). Diese Teile konnte ich statistisch nicht wirklich auswerten. Aber aus meiner Sicht könnten diese Dinge zu Beginn ignoriert werden beziehungsweise werden diese sowieso häufig individuell getauscht.

Bei dem Sattel und den Griffen sollte man vorrangig schauen, dass diese einem passen. Da sind sehr subjektive Parameter gefragt. Der Verschleiß lässt sich hier auch die Pflege nicht verhindern. Erfahrungsgemäß neigen jedoch günstige Griffe relativ schnell dazu, klebrig zu werden. Bei günstigen Sätteln ist es so, dass diese oft schneller reißen. (Vermutlich durch den Einfluss von Sonnenlicht und anderen Witterungsbedingungen)


08 Mai 2020

Fahrradanhänger oder Kindersitz? Was ist besser?


Ihr seid auf der Suche nach der besten Möglichkeit eure Kinder zu transportieren? Wenn junge Familien das Fahrrad mehr in den Alltag integrieren wollen oder ambitionierte Radfahrer Nachwuchs bekommen, dann wird das Thema Kindertransport früher oder später ein Thema. Solange Kinder noch nicht selber fahren können, gibt es einige wenige Möglichkeiten. Dazu gehören Kindersitze oder Fahrradanhänger für Kinder. Ich nutze beide Varianten und will diese für diesen Artikel vergleichen.

Fahrradanhänger oder Kindersitz

Kurzfassung

  • Kinderanhänger sind aufgrund des Aufbaus und der geringeren Fallhöhe sicherer als Kindersitze.
  • Der Transport von Babys und Säuglingen ist ausschließlich im Anhänger möglich, dazu gibt es spezielle Babyschalen / Sitzverkleinerer. 
  • Im Kindersitz kann ein Kind erst ab einem Körpergewicht von 9 Kilogramm mitgenommen werden.
  • Kindersitze gibt es für vorne und für hinten.
  • Kindersitze sind deutlich günstiger als Fahrradanhänger.
  • Wenn aber mehr als ein Kind befördert werden soll, dann ist ein Anhänger fast alternativlos.
  • Anhänger sind für Kinder komfortabler und gemütlicher als Kindersitze.
  • Kinder sind im Anhänger, aufgrund des geschlossenen Aufbaus, besser vor Wettereinflüssen geschützt.
  • Allerdings ist die Kommunikation mit den Eltern vom Kindersitz besser möglich.
  • Ein Anhänger benötigt darüber hinaus deutlich mehr Platz, sowohl während der Fahr, als auch beim Abstellen.
  • Anhänger lassen sich einfach zu einem Kinderwagen umbauen und so beispielsweise bei einem Spaziergang nutzen.

Fahrradanhänger oder Kindersitz?

Fahrradfahren ist Gesund, das weiß jeder. Wenn aber Eltern ihre Kinder transportieren sollen, dann denken viele nicht an das Fahrrad, sondern steigen ins Auto. Fahrradfahren ist jedoch viel günstiger und auch besser für die Umwelt, aber welche Variante ist besser geeignet um auch den Nachwuchs zu transportieren. In diesem Artikel beschäftige ich mich mit Fahrrad-Kindersitzen und Fahrradanhänger für Kinder. Beide Systeme haben ihre Vor und Nachteile. Es gibt auch einige Einschränkungen. Diese werde ich in den folgenden Punkten erläutern. Neben dem Kindersitz und dem Anhänger für Kinder gibt es noch eine weitere Alternative. Diese erwähne ich in diesem Artikel ebenfalls.

Bahnhofsrad mit Kindersitz

Grundsätzliches zur Kinderbeföderung auf dem Fahrrad

Egal ob Anhänger oder Kindersitz. Nur bis zum vollendeten siebten Lebensjahr dürfen Kinder im Anhänger oder im Kindersitz befördert werden. Ältere Kinder müssen dann selber fahren. Aber wann dürfen Kinder frühestens mit dem Fahrrad transportiert werden?
Beachtet dazu die Gewichtsangaben der einzelnen Sitze in der folgenden Tabelle.
Römer Jockey: 9 - 22 KG Gewicht



Minimales Gewicht
Maximales Gewicht
Höchstalter
Kindersitz vorne
9 Kg
15 Kg
6 Jahre
Kindersitz hinten
9 Kg
22 Kg
6 Jahre
Fahrradanhänger

40 Kg Zuladung*
6 Jahre

Die Angaben sind in der Regel nochmal auf den Sitzen bzw. Anhängern angegeben. Wenn dort Angaben gedruckt sind, dann sind diese bindend. Die Angaben in meiner Tabelle sind jedoch die üblichen Begrenzungen.
Bei Anhängern kann die maximale Zuladung höher liegen. Wenn diese nicht angeben ist, dann gilt üblicherweise 40 Kilogramm maximale Zuladung.
Zuladung bedeutet in dem Fall, dass beide Kinder und das Gepäck zusammen nur höchstens (in meinem Beispiel) 40 Kilogramm wiegen dürfen. Es gibt jedoch auch Anhänger mit höherer Zuladung.

Sicherheit

Das wichtigste Thema auf meiner Liste ist die Sicherheit. Welche Lösung ist für die Kinder, aber auch für die Erwachsenen Radfahrer am sichersten?
Aus meiner Sicht ist der Kindersitz hier eindeutig im Nachteil. Zum einen ändert sich das Fahrverhalten mit Kindersitz enorm und diese Tatsache sollte nicht unterschätzt werden. Außerdem wirkt sich ein Sturz sofort auf das Kind hinter euch aus.
Bedenkt bitte: Euer Kind stürzt mit dem Gewicht eures Fahrrads aus etwa einem Meter Höhe.

Beim Anhänger ist dies nicht so kritisch. Stürzt ihr, dann bleibt der Anhänger in der Regel stehen. Die Kupplungen sind so entworfen, dass der Anhänger normalerweise nicht kippt. Wenn es dennoch zu einem Kippen kommt, dann sind die Insassen jedoch aufgrund des "Käfigs" im Anhänger viel besser geschützt. Damit meine ich die grundsätzlich geschlossene Bauweise von Kinder-Fahrradanhängern.
Ein Argument gegen den Anhänger was ich häufig lese und höre ist, dass dieser schnell von Autofahrern übersehen werden kann, weil der Anhänger tiefer als das Fahrrad ist. 
Aus meiner Erfahrung ist das unkritisch, wenn der Anhänger ordnungsgemäß beleuchtet ist und eine hohe reflektierende gut sichtbare Fahne montiert hat.
Allgemein ist es mittlerweile (seit 2018) so, das Fahrradanhänger beleuchtet sein müssen. Das ist wichtig, falls ihr einen Anhänger gebraucht kaufen wollt.
Fahrräder mit montiertem Anhänger sind übrigens deutlich schwerer, dies macht sich insbesondere beim Anfahren oder bei Bergauf-Fahrten bemerkbar. Aufgrund des veränderten Fahrverhaltens empfehle ich in jedem Fall eine Runde ohne Kind, aber mit montiertem Kindersitz oder angekoppeltem Anhänger.

Transport von Babys

Säuglinge bis zu einem Gewicht von 9 Kilogramm dürfen nur im Anhänger mitgenommen werden. Dafür gibt es spezielle Hängematten und Babyschalen. Bei einem Anhänger mit guter Federung sehe ich hier auch keine Probleme für das Kind. Natürlich würde ich schon einige Wochen nach der Geburt mit der ersten Fahrt warten. Man sollte es auch nicht übertreiben und vor allem sehr langsam fahren. (maximal 15 Km/h)
Sehr zu empfehlen ist übrigens die Weber Babyschale, diese haben wie im Burley ebenfalls genutzt. Sie ist zwar nicht ganz billig, kann aber indivuell in verschiedenen Anhängern genutzt werden.

Für die Mitnahme im Kindersitz muss das Kind mindestens 9 Kilogramm wiegen (siehe Tabelle oben). Diese Gewichtsbeschränkungen werden übrigens durch die Norm DIN EN 14344 festgelegt.

Kindersitz vorn oder hinten?

Bei Kindersitzen gibt es zwei Varianten: Entweder ist der Sitz vor dem Fahrer, oder hinter dem Fahrer über dem Gepäckträger. Immer wieder höre ich, dass es doch für Herrenräder unmöglich ist einen Kindersitz hinter den Sattel zu bauen, weil man nicht mehr aufsteigen kann. Keine Sorge, das funktioniert weiterhin. Aber auch hier lohnt es sich, wenn man das auf- und absteigen erstmal ohne Kind übt.

Es gibt verschiedene Lösungen von Kindersitzen für hinten. Einmal könnt ihr den Sitz an das Sattelrohr eures Fahrrads befestigen. Die zweite Möglichkeit ist die Montage auf beziehungsweise an den Gepäckträger. Hier ist dann noch zusätzlich die maximale Belastung für den Gepäckträger zu beachten. Die Montage auf den Gepäckträger wird jedoch von vielen Gepäckträger-Herstellern nicht empfohlen. (Tubus, racktime)

Ein Vorteil für die Sitze vor dem Fahrer ist natürlich, dass der Fahrer das Kind jederzeit gut im Blick hat. Das erleichtert natürlich die Kommunikation, man kann besser über Dinge reden die während der Fahrt passieren und im Zweifel lässt sich ein Kinder sicher besser beruhigen.
Aber keine Sorge, auch bei einem Sitz für hinten kann man sich gut unterhalten. Ein Rückspiegel am Lenker kann außerdem helfen, das Kind im Blick zu behalten.
Wichtig ist, dass Front-Kindersitze für die Montage über dem Oberrohr nur für Kinder bis maximal 15 Kilogramm geeignet sind. Sitze die am Sattelrohr fixiert werden sind in der Regel bis höchstens 22 Kilogramm Gewicht beim Kind ausgelegt. (Siehe Tabelle weiter oben)

Preis

Der Preis ist natürlich ein wichtiges Argument für oder gegen eine der Lösungen. Kostentechnisch ist die Sache klar. Ein Kindersitz für das Fahrrad ist bereits für unter 100 Euro zu bekommen. Ein Fahrradanhänger fängt bei über 500 Euro an. Dafür bekommt man natürlich auch mehr Platz, sowohl für die Kinder, als auch für Gepäck. 

Stabilität / Auf- und Abstieg

Ich hatte schon weiter oben angedeutet, dass der Auf- und Abstieg mit einem Kindersitz anders / schwieriger sein kann. Er ist nicht unmöglich, aber eben anders und sollte geübt sein. Insbesondere weil das Gewicht des Fahrrads höher ist. Der Schwerpunkt ist ein anderer. Daher muss besonders, wenn ein Kind mit dabei ist, das Fahrrad immer sicher gehalten werden. 
Ein sicherer Fahrradständer ist eigentlich Pflicht. Bei einem einfach Mittelbau- oder Hinterradständer ist außerdem ein Lenkungsdämpfer empfehlenswert. Am besten eignet sich ein Zweibeiniger Mittelbauständer, zum Beispiel der Ursus Jumbo.
Bei einem Fahrradanhänger ist der Auf bzw. Abstieg vom Fahrrad natürlich kein Problem. Auch die Gesamtstabilität wird vom Anhänger nicht negativ beeinflusst.

Komfort und Platz

Der Fahrradanhänger bietet mehr Platz für Kinder

Der Sitzkomfort für die kleinen Fahrgäste ist vermutlich im einsitzigen Anhänger am höchsten. Beim Zweisitzer müssen die Kinder schon ganz gut miteinander klar kommen. Da hört man doch während der Fahr auch ab und zu einen Streit der Kinder. Hier helfen klare Regeln für Kinder.
In jedem Fall ist der Komfort im Anhänger höher, weil die Kinder immer trocken, windgeschützt (ingesamt besser vor Wettereinflüssen geschützt) sitzen. Bei uns kommt es nicht selten vor, dass die Kinder während einer kurzen Fahrt einfach einschlafen, daher gehe ich davon aus, dass der Anhänger auch meinen Kindern gefällt.

Mobilität

Der Punkt Mobilität kann in dieser Diskussion aus verschiedenen Perspektiven betrachtet werden. Zum einen ist es so, dass der Kindersitz natürlich weniger Aufwand bedeutet. Man nimmt das Fahrrad, setzt das Kind hinein und fährt los. Beim Anhänger muss dieser häufig erst angekoppelt werden bevor man losfahren kann. Am Zielort muss der Anhänger unter Umständen zusätzlich gesichert werden. Das Fahrrad mit Kindersitz bedeutet den gleichen Aufwand wie ein Fahrrad ohne Kindersitz. Es ist also nur ein Schloss für das Fahrrad notwendig.
Auf der anderen Seite jedoch, kann ich den Fahrradanhänger einfacher zwischen verschiedenen Fahrrädern wechseln, wenn ich mehrere Kupplungen habe. Ich kann den Anhänger beispielsweise morgens in der Kita abstellen und Nachmittags wieder abholen, während ich mit meinem Fahrrad ohne Anhänger weiter fahre. Oder Alternativ kann der andere Elternteil den Anhänger am Nachmittag mit den Kindern mitnehmen, weil an jedem Fahrrad eine Kupplung montiert ist.

Unterhaltungen während der Fahrt

Ein Nachteil beim Anhänger ist, dass man während der Fahrt praktisch gar nicht mit dem Kind kommunizieren kann. Ein normales Gespräch ist nicht möglich. Wenn das Kind mal weint, warum auch immer, dann muss man anhalten, absteigen und zum Anhänger gehen um zu klären was los ist. Das funktioniert mit einem Kindersitz einfacher, weil ich viele Dinge während der Fahr klären kann. Ich kann besser erklären, was um uns herum passiert, wenn das Kind Fragen stellt.

Abgase

Auch das Thema Abgase wird immer wieder thematisiert. Kinder sollen im Anhänger, aufgrund der geringen Höhe, direkt den Auspuffrohren beziehungsweise den Abgasen der Autos ausgesetzt sein. Dieses Thema ist sehr umstritten und es gibt bisher keine Studie die das belegt. Auf der anderen Seite gibt es jedoch eine Untersuchung der Universität Heidelberg die festgestellt hat, dass die Abgasbelastung beim Radfahren grundsätzlich geringer ist, als beim Autofahren, weil Autofahrer deutlich mehr Schadstoffe durch die Lüftung im Innern des Autos aufnehmen.
Mein Rat ist jedoch: Mit dem Fahrrad seid ihr grundsätzlich flexibler und könnt in der Regel auch Routen wählen, die abseits von Hauptverkehrsadern liegen. Wählt lieber einen kleinen Umweg und fahrt durchs Grüne und vermeidet Verkehr so gut es geht.
Wenn es sich doch nicht verhindern lässt, dann stellt euch nicht direkt vor den Auspuff des Lastwagens, sondern lasst lieber Abstand.

Schutz vor Wettereinflüssen

Bei Kindersitzen sind Kinder logischerweise deutlich mehr dem Wetter ausgesetzt. Insbesondere bei Sitzen für vorne trifft das zu. 
Dagegen sind Kinder im Fahrradanhänger durch den Aufbau ideal geschützt. Egal ob Wind, Regen oder Schnee, meine Kinder sitzen dort immer entspannt.
Im Sommer kann man den Anhänger dagegen soweit öffnen, dass es nicht zu warm wird. Viele Anhänger haben übrigens auch ein integriertes Insektenschutzgitter. Dieses Gitter hält auch den gröbsten Dreck ab, lässt aber genügend Lüftung zu. Dieses solltet ihr möglichst immer unten lassen.

Gepäcktransport

Burley Cub Gepäcktransport

Der Gepäcktransport bei Fahrrädern mit Kindersitz für den Gepäckträger oder zur Befestigung an der Sattelstrebe ist natürlich eingeschränkt, der Gepäckträger ist nur schwer, meist gar nicht, nutzbar. Ein Korb kann nicht auf den Gepäckträger montiert werden. Was ich immer wieder sehe. Eltern tragen große Rucksäcke und das Kind dahinter kann den Kopf nicht mehr bewegen und sitzt aus diesem Grund sehr eingeengt. Ideal ist auch das nicht. Ein Korb für den Lenker wäre natürlich denkbar, aber mit diesen lässt sich meist nicht sehr viel Gepäck transportieren -insbesondere kein schweres, da diese nicht viel Gewicht transportieren können.

Beim Anhänger sieht das anders aus. Zum einem kann das Fahrrad mit allen möglichen Lösungen bepackt werden, wie einem Korb auf dem Gepäckträger, oder einem Rucksack. Viel interessanter ist aber die Möglichkeit im Anhänger selbst.
Meist hat man ein großes Staufach zur Verfügung und dieses passt wirklich eine Menge. Ich selbst bin häufig mit beiden Kindern auf diese Weise einkaufen. Der Burley Cub oder auch ein Croozer fasst mehrere große voll beladene Stoffbeutel im Staufach hinter den Sitzen.
Das ist übrigens auch bei Familienausflügen empfehlenswert, wie zum Beispiel ein Tagesausflug an den See oder zum Tierpark.

Platzbedarf

Ein Anhänger braucht Platz. Nicht nur während der Fahrt, sondern auch eine geeignete Abstellmöglichkeit zum Parken. In den Keller trägt man einen Fahrradanhänger auch nicht eben so, weil diese ziemlich unhandlich sind. Dagegen nimmt ein Fahrrad mit Kindersitz kaum mehr Platz in Anspruch als ein Fahrrad ohne. Der Kindersitz selbst ist außerdem schnell demontiert und in der Wohnung verstaut.
Doch auch während der Fahrt benötigt ein Anhänger Platz. Das Gespann (Fahrrad und Anhänger) ist länger, das müsst ihr natürlich beim rangieren und auch beim Fahren von Kurven berücksichtigen. Ein Anhänger ist außerdem breiter. Bedenkt das bitte, wenn ihr durch die eine schmale Lücke fahren wollt. 

Flexibilität

vsf T-500 mit Burley Cub

Ein unheimlich großer Vorteil des Anhängers ist die Möglichkeit, dass man ihn einfach in einen (doppelsitzigen) Kinderwagen umwandeln kann. Dazu sind nur ein paar wenige Handgriffe nötig. Diese Möglichkeit nutzen wir sehr häufig. 
Beispielsweise wollen wir einen Stadtausflug machen, aber lieber mit der Bahn in die Stadt fahren. Wir nutzen die Fahrräder für den Weg bis zum Bahnhof, den Anhänger koppeln wir dazu an eines unserer Räder. 
Am Bahnhof bauen wir den Anhänger zum Kinderwagen um, in dem wir einfach schwenkbare Buggy-Räder montieren - natürlich ist das ohne Werkzeug möglich. Dafür entfernen wir lediglich den Deichsel. Diesen lassen wir entweder am Fahrrad oder packen ihn in den Anhänger.
Durch den Platz kann im Anhänger übrigens auch sehr gut der Einkauf verstaut werden.

Alternativen zum Fahrradanhänger und Kindersitz

Natürlich gibt es noch eine weitere Variante für den Kindertransport - das Lastenrad. Dieses ist zwar deutlich teurer, aber auch sehr interessant. Abgesehen von einigen Proberunden habe ich hiermit jedoch keine Erfahrung, daher habe ich das Thema nicht in den Artikel integriert, aber ich wollte diese Möglichkeit nicht unerwähnt lassen.
In meinem Fall wird der Anhänger ständig zwischen den verschiedenen Fahrrädern gewechselt und auch täglich (aufgrund der Corona-Krise aktuell natürlich seltener) bei der Kita abgestellt. Daher war ein Lastenrad für unseren Haushalt keine Alternative. Man hätte dazu direkt ein zweites Lastenrad kaufen müssen.
Mit einigen Lastenrädern können auch mehr als zwei Kinder transportiert werden.

Mein Fazit

Faltrad mit Anhänger

Wie schon zu Beginn beschrieben: Ich nutze beide Lösungen regelmäßgig, sowohl den Fahrradanhänger, also auch den Kindersitz. Beide Varianten haben Ihre Vor und Nachteile. Beim Thema Sicherheit - und das ist oft entscheidend - liegt der Anhänger aus meiner Sicht jedoch weit vorne. Kinder werden im Anhänger bei einem Unfall einfach besser geschützt. Die Fallhöhe ist geringer und durch den Überrollkäfig gibt es einen echten Rundumschutz.
Für uns ist jedoch auch der Nutzen relevant. Eine kurze Runde ohne Zeitdruck zum Brötchen holen mache ich sehr gerne mit meinem jüngsten Sohn im Kindersitz. Mein älterer Sohn fährt dann mit seinem eigenen Fahrrad nebenher. 
Der Weg zur Kita wird mit dem Anhänger gemacht, weil wir diesen bei der Kita abstellen und beide Kinder transportieren. Nach der Kita erledigen wir unter Umständen mit Kindern im Anhänger den Familieneinkauf.

Wir nutzen nun seit ungefähr 4 Jahren den Römer Jockey Comfort und haben mit diesem gute Erfahrungen gemacht. Sowohl die Montage, als auch die tägliche Handhabung sagen uns sehr zu. Allerdings können wir damit nur ein Kind mitnehmen.

Als Anhänger nutzten wir zwei Jahre den Croozer Kid Plus for 1 und nun - aufgrund von unserem zweiten Sohn - bereits seit einiger Zeit den Burley Cub. Meine Erfahrungen mit diesem habe ich bereits in einem entsprechenden Erfahrungsbericht zum Burley Cub beschrieben.
Der Anhänger wird bei uns etwa zwischen 2000 und 2500 Kilometern jährlich gefahren.