Gründe für einen Rückspiegel am Fahrrad


Etwa seit einem Jahr fahre ich an meinem Alltagsrad einen Rückspiegel. Früher habe ich Rückspiegel am Fahrrad immer belächelt; “Sieht doof aus und ist sowieso nutzlos..”, außerdem unnötiges Mehrgewicht am Fahrrad. So habe ich gedacht. Ich habe meine Meinung geändert. Welche Gründe kann es aber geben, dass ich mich umentschieden habe?

Aus meiner Sicht absolut. Insbesondere wenn es euch schwer fällt spontan einen Schulterblick machen zu müssen. Beim Rückspiegel braucht ihr lediglich wie beim Auto leicht den Blick senken um zu erkennen was hinter euch abläuft.
Rückspiegel am Fahrrad

Vorab: Ich möchte mit diesem Artikel niemanden zum “mit Spiegel Radfahren” bekehren. Es geht lediglich um einen persönlichen Erfahrungsbericht. Ich möchte auch niemanden der hier kiritisierten Verkehrsteilnehmer angreifen und diskriminieren.

Grund 1 – Sich nähernde Autos erkennen

Der Hauptgrund für eine Anschaffung eines Rückspiegels waren sehr unangenehme Ausflüge über Bundes- und Landstraßen. Das Gefühl von einem Auto bei 100 km/h bei viel zu geringem Abstand überholt zu werden hasse ich einfach. Meist macht man auf der Landstraße nicht alle paar Sekunden einen Schulterblick um sich vorbereiten zu können.

Mit einem Spiegel verändert sich die Situation jedoch. Ich kann mit einer kleinen Kopfbewegung einfach nach hinten sehen. So kann man sich besser auf ein Überholmannöver vorbereiten und erschreckt möglicherweise nicht so heftig. Ich kann genauso gut Geschwindigkeiten und Abstände der anderen Autofahrer schätzen.

Ich denke es ist wichtig zu verstehen, dass nicht jeder Auftofahrer immer den seitlichen Mindestabstand einhält. Viele geben sich mittlerweile Mühe und wissen wie man einen Radfahrer überholen sollte. Bei einigen habe ich den Eindruck, dass sie entweder nie selber Rad fahren und sich daher nicht in den Radfahrer hineinversetzen können, oder aber das sie so abgelenkt sind, dass sie die Situation nicht wirklich merken. Man sieht es auch häufig das die Aufmerksamkeit eher beim Smartphone oder beim Radio liegt.

Es gibt auch ganz wenige Autofahrer die einem Radfahrer zeigen was sie über Radfahrer auf der Straße denken. Von diesen wird bewusst eng überholt, gehupt oder irgendwelche Gestiken überbracht. Zum Glück gibt es davon nicht sehr viele.

Mal ganz nebenbei ist dies auch ein Grund warum ich außerorts eigentlich ausnahmslos den Radweg nutze, wenn es einen gibt. Ich meide in der Regel Routen die für Überlandfahrten keine Radwege bieten.

Die Situationen mit Autofahrern passieren dennoch recht häufig. Insbesondere auch bei Gegenverkehr versuchen viele Autofahrer noch sich zwischen Radfahrer und Gegenverkehr zu quetschen. Und das mit möglichst wenig Geschwindigkeitsverlust.

Grund 2 – Kinder im Anhänger beobachten

Ein weiterer persönlicher Grund ist, dass ich während der Fahrt meine Kinder im Anhänger im Blick behalten kann. Wer mal zwei Kinder im Fahrradanhänger gezogen hat der weiß, dass es hier auch mal zu Streit kommen kann, oder die Kinder fangen plötzlich an zu albern und zu toben. Das ist ganz normal, der Anhänger ist nicht besonders komfortabel – auch nicht der teuerste oder beste Anhänger bietet einen solchen Raum oder Komfort.

Mit dem Rückspiegel am Fahrrad kann ich direkt auf die Situation einwirken und beruhigen, auch wenn es sonst ein Problem gibt. Das ist insbesondere dann wichtig, wenn man eben mal nicht kurz anhalten kann, zum Beispiel in der oben beschriebenen Situation auf einer Straße außerorts.

Grund 3 – … oder Kinder auf dem Fahrrad beobachten

Sobald die Kinder selber Radfahren sitzen diese nicht mehr im Anhänger, sondern fahren hinter mir Fahrrad oder auch Laufrad. Mit dem Spiegel kann ich perfekt den Abstand kontrollieren ohne das ich mich ständig umdrehen muss. Gibt es mal Probleme, dann kann ich dies auch erkennen.

Warum fährt das Kind hinter dem Erwachsenen?

Ein ganz kurzer Ausflug in ein anderes Thema: Meiner Meinung ist es besser, dass Kinder insbesondere im Vorschulalter oder noch jünger grundsätzlich hinter den Eltern fahren. Ein Kind was gerade erst Rad fahren lernt oder gelernt hat das ist in der Regel mehr mit sich und dem Fahrrad beschäftigt. Da ist es in der Regel sinnvoller dem Kind nicht gleich mit Verkehrsregeln und den Einflüssen im Straßenverkehr zu überfordern, sondern einfach als Erwachsener demonstriert wie es geht – indem man vor dem Kind fährt. So kann man meist besser Einfluss nehmen. Fährt das Kind vor dem Erwachsenen ist es häufig so, dass man in brenzligen Situationen nicht wirklich weiß ob das Kind nun auf die Ampeln achtet, oder das Auto erkennt welches gerade aus der Ausfahrt kommt.

Grund 4 – andere Radfahrer

Hiermit meine ich primär zwei Radfahrertypen die völlig unterschiedlich denken und handeln:

  • Der übermotivierte E-Bike-Fahrer (meist 50+ und sein Leben lang kein Fahrrad gefahren) der ähnlich wie ein kleines Kind gerade so in der Lage ist das Fahrrad zu beherrschen. Die Fahrer sind oft so in ihrem Tunnel des Fahrens gefangen und machen sich keine Gedanken über andere Verkehrsteilnehmer. Sie fahren einfach und überholen im Zweifel sehr eng und gefährlich. Das Verhalten ist jedoch selten aggresiv, sondern ist der geringen Erfahrung geschuldet. Bitte nicht falsch verstehen, ich finde es wichtig und richtig, dass immer mehr Menschen Rad fahren. Manchmal wäre jedoch ein Wenig mehr Vorsicht sehr sinnvoll.
  • Der sportive Radfahrer, meist auf dem Rennrad oder einem anderen sehr sportlich ausgestatteten Fahrrad. Sportlich ausgestattet bedeutet meist nichts weiter als “niedriges Gewicht über alles” und somit hat dieses Fahrrad natürlich keine Klingel. Der Fahrer ist dann meist beim Versuch eine neue Bestzeit oder einen KOM zu holen vor lauter Anstrengung nicht in der Lage auch noch ein normales Gespräch zu eröffnen oder um ein wenig Platz zu bitten. Meist bekommt man nur einen arroganten bis genervten Pfiff von hinten. Manchmal auch noch einen Hinweis warum man nicht schneller zur Seite gefahren ist.
    Hier würde ich das Verhalten häufig durchaus als aggresiv bewerten. Leider hat dies auch schon häufiger zu Diskussionen geführt. Insbesondere dann wenn auch Kinder beteiligtsind, d.h. die Kinder machen nicht ausreichend Platz.
Bitte beachtet, dass dies längst nicht auf alle Radfahrer, insbesondere Ebiker oder Rennrader zutrifft und hier auch durchaus etwas Frust aus mir spricht.

Fazit – Darum also der Rückspiegel am Fahrrad!

Fahrradrückspiegel

Natürlich sind die im Artikel beschriebenen Szenarien sehr überspitzt dargestellt. Dennoch schützt mich der Spiegel auf diese Weise vor gefährlichen Situationen. Damit meine ich eher indirekten Schutz indem ich mich auf die Situationen vorbereiten kann. Für mich ist der Spiegel daher mittlerweile durchaus zweckmäßig. Optik oder sogar das Mehrgewicht interessieren mich hingegen überhaupt nicht.

Fahrt ihr ebenfalls mit einem Rückspiegel am Fahrrad? Habt ihr evtl. weitere Gründe einen Rückspiegel zu nutzen? Lasst es mich wissen und hinterlasst einen Kommentar.
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