Fairphone 4 – Enttäuschung wegen einiger Entscheidungen


In der letzten Woche wurde das Fairphone 4 vorgestellt. Im folgenden Artikel möchte ich meine Meinung zur vierten Generation des “fairen” Smartphones teilen. Ich finde die Geschichte und das Konzept rund um Fairphone interessant und habe die Smartphones im Blick. Vom neuen bin ich jedoch aufgrund einiger Entscheidungen enttäuscht.

In diesem Artikel geht es ausnahmsweise nicht um Fahrräder, aber ich möchte mich insbesondere auch in anderen Bereichen des Lebens mit Nachhaltigkeit beschäftigen. Daher dieser kurze Artikel.

Was ist Fairphone?

Fairphone_4_foto https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/

Ich versuche dies mal aus meiner Sicht zu erklären. Das Fairphone soll ein möglichst modulares und reparierbares Smartphone sein. Es ist bewusst gegen den Konsumwahn positioniert mit dem Trend nach immer neuer, schneller, besser. Es wird, laut Hersteller, nachhaltig produziert. Es wird bewusst kein Netzteil, Headset oder USB-Kabel ausgeliefert. Im Gegensatz zum Shiftphone, was ein ähnliches Konzept verfolgt, gibt es auch ein aktuelles Android. Alle diese Dinge finde ich gut und richtig. Aufgehen wird das Konzept aber nur, wenn die einzelnen Module auch abwärtskompatibel sind und wenn eine möglichst lange Ersatzteilversorgung gewährleistet wird.

Das Fairphone 4

Die technischen Spezifikationen des Fairphones lesen sich wirklich gut. Es gibt zwei Varianten, eine mit 6 Gbyte RAM und 128 Gbyte Speicher und eine etwas größere mit 8 Gbyte RAM mit 256 Gbyte Speicher.

Größe

162mm * 75,5 mm * 10,5 mm

Display

6,3 Zoll (IPS, 1080 * 2340 pixel)

RAM

6 Gbyte RAM / 8 Gbyte RAM

Interner Speicher

128 Gbyte / 256 Gbyte

CPU

Qualcomm Snapdragon 750G

Akku

3905 mAh

Kamera

48 MP Hauptkamera mit optischen Bildstabilisator (bis zu 4K/30fps Videoauflösung)
48 MP Ultra Weitwinkelkamera

25 MP Selfie-Cam

Konnektivität

WLAN (WiFi 802.11 a/b/g/n/ac), Bluetooth 5.1, NFC

Netzwerk

1 SIM-Steckplatz und 1 eSIM (beide 5G-fähig, jedoch nicht gleichzeitig)

Sonstiges

USB-C (USB 3.0 OTG inkl. Display Port support)

Seitlicher Fingerabdrucksensor

Preis

579 Euro / 649 Euro

Leider ist der Preis aus meiner Sicht für die Daten zu hoch. Ja, zugegeben, ein Fairphone kauft man aus Überzeugung und aufgrund der nachhaltigen Produktion darf es auch etwas teurer sein. Allerdings gibt es beispielsweise mit dem OnePlus Nord ein Smartphone mit ähnliches Eckdaten welches deutlich günstiger ist. Ich möchte das OnePlus Nord hier nicht bewusst empfehlen, sondern nur aufzeigen, dass es durchaus Alternativen gibt.

Kein “echtes” DUAL-SIM

Bis zum Fairphone 3 (bzw. 3+) hatten die Smartphones vom Fairphone immer zwei Steckplätze für SIM-Karten. Also echtes Dual-Sim. Zusätzlich gab es einen Steckplatz für MicroSD Speicherkarten. Mit dem Fairphone 4 gibt es nur noch einen Platz für eine SIM. Man erhält außerdem einen eSIM Platz. Das ist gewissermaßen natürlich auch DualSIM. Für viele ist dies jedoch keine Alternative. Es gibt immer noch viele Anbieter die kein eSIM unterstützen (Wie zum Beispiel Prepaid-Anbieter). In so einem Fall wäre man auf eine SIM-Karte beschränkt. Schade Fairphone.

Kein 3,5mm Klinke Anschluss

Schwerer wiegt für mich der Verzicht auf den 3,5mm Klinke-Anschluss. Apple, Samsung und andere Hersteller haben es vorgemacht und den Anschluss weggespart. Sicher sind mittlerweile Bluetooth-Kopfhörer state-of-the-art, aber bei einem nachhaltigen Smartphone hätte ich einfach erwartet, dass man diesen Port beibehält. Es gibt noch immer Fans und Liebhaber von kabelgebundenen Headsets und Kopfhörern. Diese müssen nun ebenfalls mit Adaptern arbeiten oder auf Kabellose Headsets umsteigen.

Neues Gehäuse – neue Module

Warum muss bei einem modularen Smartphone zwingend ein neues Gehäuse eingeführt werden? Wäre es nicht viel besser das alte Konzept fortzusetzen, so dass man direkt die neuen, verbesserten Teile, direkt als Ersatzteil verkaufen kann? Warum müssen sämtliche Module neue designed werden? Warum wird kein kompatibles Kameramodul veröffentlicht, also ein Modul was gleichzeitig für Fairphone 3 und Fairphone 4 verwendet werden könnte? Das wäre aus meiner Sicht nachhaltig und Fairphone hatte dies in der Vergangenheit bereits vorgemacht.

Ich persönlich, aber das ist wirklich rein subjektiv, bin eher Fan von kompakten Smartphones. Daher sehe ich es kritisch, wenn nun auch das Fairphone 4 immer größer wird.

Das Fairphone 4 ist für sich selbst stehend ein interessantes Smartphone, aber es ist zu teuer für das gebotene. Mich würde es nicht überraschen, wenn das neueste faire Smartphone scheitern würde.

Wer wirklich an Nachhaltigkeit interessiert ist, dem würde ich ein gebrauchtes Smartphone empfehlen. Dieses sollte man dann wirklich so lange wie möglich nutzen. Wer bereits ein gut funktionierendes Smartphone besitzt der sollte ohnehin nicht über das Fairphone 4 nachdenken.

Alternative: Fairphone 3 (Plus)

Fairphone 3 (Plus)

Für Anwender die ein neues Smartphone benötigen und sich mit diesem nachhaltigen Konzept arrangieren können, aber die nicht immer nur das neueste und beste brauchen denen würde ich das Fairphone 3 bzw. das Upgrade, also das Fairphone 3 Plus empfehlen. Die Unterschiede zwischen dem 3er und der 3er Plus ist das verbesserte Kameramodul. Es ist nun auch möglich Bilder mit bis zu 48 Megapixeln oder Videos in 4K aufzunehmen.
Allerdings unterstützt das Fairphone 3 (Plus) kein 5G. Dies kann natürlich bei langfristigen Planungen durchaus eine Rolle spielen.

Alternative: Shiftphone

SHIFT6mq

Eine weitere Alternative möchte ich hier nicht unerwähnt lassen: Das in Deutschland entwickelte Shiftphone ist ebenfalls ein modulares Smartphone welches sehr auf dem Grunprinzip der Nachhaltigkeit entworfen wurde. Shift hat mehrere Smartphones im Angebot. Darunter mit dem SHIFT5me auch ein sehr kompaktes Gerät. Leider ist das Android mit Android 8 ein kleines Problem. Das persönlich sehe ich bei Shift als das größte Problem. Die Pflege der aktuellsten Android-Version scheint nicht die höchste Priorität zu haben. 

Beim Topmodell dem SHIFT6mq bekommt man jedoch auch Android 10. Es ist jedoch gegenüber dem Fairphone 4 nochmal ein gutes Stück teurer. Allerdings bekommt man hier aus meiner Sicht attraktives Gesamtpaket, zumindest wenn man auf 5G verzichten kann.

Alle Shiftphones bieten zwei SIM-Slots. Die großen auch 2 echte und zusützlich einen MicroSD, beim kleinen ist der zweite SIM-Slot shared, ihr müsst euch also entscheiden ob ihr lieber eine zweite SIM oder eine MicroSD.
Auch ein Klinkenanschluss für Kopfhörer sind bei allen aktuelle verfügbaren Shiftphones selbstverständlich.

Als Nachteile würde ich den exotischen Mediatek Prozessor MT6797X Helio X27 beim 5me und 6m. Das könnte im übrigen einer der Gründe sein warum diese beiden Shiftphones noch bei Android 8 festhängen.

Fazit

Fairphone 4

Ich denke beim Fairphone 4 wurden einige falsche Entscheidungen getroffen. Das Smartphone verzichtet auf einige solide Features um mehr “Mainstream” zu werden. Es wird größer und spart wichtige Funktionen weg, wie den Klinkeanschluss, den zweiten echten SIM-Slot und führt aus meiner Sicht unnötiger Weise komplett neue Module ein die nicht kompatibel zu dem Vorgänger sind. Ich schreibe dies natürlich als Laie, aber mit dem verbesserten Kameramodul aus dem Fairphone 3+ hatte man bereits bewiesen, dass man auch einzelne Module upgraden kann.

Als Alternative würde ich übrigens nach wie vor das Fairphone 3 bzw. das Fairphone 3 Plus betrachten. Dieses ist deutlich günstiger und für Anwender die nicht immer nur das neueste und beste brauchen definitiv ausreichend.

Ab dem 26. Oktober 2021 ist das Fairphone 4 erhältlich. Wie ist eure Meinung? Ist das Fairphone 4 aus eurer Sicht ein Lohnenswertes Smartphone?

Alle Bilder des Fairphone 3 und 4 aus diesem Artikel sind nach Creative Commons CC BY-SA 2.0
Die Bilder des Shiftphone sind aus dem offiziellen Shiftphone Presseverzeichnis.

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Comments

  1. Bei Fairphone gibt es die Bestrebung, auch ältere FPs mit neueren Android Versionen auf einem neueren Stand zu bringen. Z.B. hat das FP2 mit Android 6 nach Upgrade auf Version 9 nun auch 10 erhalten. Dies ist bei einem 5/6 Jahre alten Design, mit vom Chip Hersteller nicht mehr unterstützten Chipsatz beachtlich. Auch sind die meisten Module weiterhin als Ersatzteil erhältlich. Das ist schon nachhaltig! Ja, es gibt Designentscheidungen, die hätten anders ausfallen können. Andererseits hat das FP4 5 Jahre Garantie, und ist, mit den bisher gemachten Erfahrungen mit der Ernsthaftigeit der Firma, eine wirkliche Alternative, da Langlebigkeit zu erwarten ist, was immer noch die größte Nachhaltigkeit ist. Im Übrigen, dieser Kommentar ist auf einem FP2 mit Android 10 geschrieben.

    • Hallo Jörg,
      vielen Dank für deinen Kommentar.
      Gundsätzlich bin ich ein großer Fan vom Konzept bei Fairphone und ähnlichen Projekten. Leider war ich jedoch vom Fairphone 4 etwas enttäucht. Das FP3 fand ich damals richtig gut und hätte es mirauch fast besorgt.
      Wenn es denn irgendwann auch bei mir wieder soweit ist, dann werde ich möglicherweise auch das dann aktuelle Fairphone kaufen. Aber mal schauen was bis dahin alles am Markt ist
      VG

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