GoPro Hero 9 als Dashcam auf dem Fahrrad


Wenn man die eigenen Fahrten auf dem Fahrrad aufzeichnen möchte, wie kann man dies am besten machen? Ich habe mir dazu Gedanken gemacht und begonnen mit der GoPro Hero 9 als Dashcam auf dem Fahrrad zu filmen. Im folgenden Artikel geht es primär um zwei Dinge. 

  • Wie kann die ActionCam optimal am Fahrrad oder am Fahrer befestigt werden und außerdem:
  • Wie wird die GoPro optimal eingestellt?
Action Cam als Dashcam

Es geht ausschließlich um die Lösung selbst, nicht jedoch um rechtliche Fragen. Die sicher auch interessant sind. 

Hier mein Video zu dem Thema.

Warum die Fahrten filmen?

Es passiert mir so oft, dass ich lustige, kuriose oder gefährliche Erlebnisse beim Radfahren habe. Ich habe dabei schon so oft gedacht, dass es schade ist, dass ich ausgerechnet in diesem Moment keine Kamera dabei habe. Das wollte ich ändern. 
Eine Action Cam eignet sich grundsätzlich erstmal sehr gut für diesen Zweck. Meist bieten diese ein weitwinkliges Objektiv und eine gute Bildstabilisierung. Da ich bereits die GoPro Hero 9 Black besitze habe ich diese genutzt.

Einstellungen der GoPro

Ich beginne mit den Einstellungen. Beim Austüfteln dieser Idee hatte ich insbesondere bei beim Punkt Akkulaufzeit ein bisschen Bauchschmerzen. Die GoPro ist ursprünglich nicht als Dashcam entwickelt worden und die Akkus sind nicht sehr groß. Außerdem gibt es leider auch keine Loop-Aufnahmefunkion.

Eine mögliche Lösung wäre, die Akkus von Hand regelmäßig zu wechseln, oder die GoPro direkt an einer Powerbank zu betreiben. Wichtig dabei ist – das musste ich im Rahmen meines Experiments lernen: Das funktioniert nur, wenn in der GoPro kein Akku eingelegt ist. Wenn ein Akku eingelegt ist und die GoPro filmt mit angeschlossener Powerbank, dann wird erst der interne Akku leer gesaugt, anschließend geht die GoPro aus und erst dann wird der Akku wieder durch die Powerbank geladen. Ohne internen Akku wird die Powerbank hingegen direkt als Stromquelle genutzt. Gut zu wissen, auch wenn ich die Logik dahinter nicht genau verstehe.

Ein Zweites Problem war die Unzuverlässigkeit der GoPro. Die Kamera friert bei mir regelmäßig ein oder erzeugt korrupte Videofiles. Das ist für mich das größte Manko der Hero 9 (unabhängig vom Dashcam-Projekt) und ich hoffe wirklich, dass dies demnächst über Firmware-Updates geregelt wird. 

Normalerweise filme ich in 2,7k bei 60 fps. Ich filme im Grunde genommen nie mit 4k. Mein Rechner wäre durchaus in der Lage diese Daten zu schneiden und zu rendern, aber die Files sind mir einfach zu groß. Und qualitativ reicht mit 2,7k völlig.
Allerdings kommt es wie gesagt zu korrupten Videofiles. Ich habe daher für mein Experiment die Videoauflösung auf FullHD (60 fps) runterskaliert, in der Hoffnung, dass die Aufnahmen dann zuverlässiger auf die Speicherkarte geschrieben werden. Ich bilde mir ein, dass das funktioniert, denn seitdem hatte ich keinen Ausfall mehr.
Ich habe testweise die Auflösung auch noch mal auf 2,7k hochgestellt und hatte direkt auf der zweiten Fahrt wieder Probleme.

Die Einstellungen meiner GoPro in der Übersicht, wobei ich nur geänderte Einstellungen angebe. Alles was nicht angegeben ist kann also mit den Default Einstellungen übernommen werden.

  • Auflösung / FPS: 1080p 60fps
  • Objektiv: (mit MaxLensMod) Max Superview / (ohne MaxLensMod)Linear + Horizontausrichtung
  • Max HyperSmooth: Ein
  • Horizontsperre: Ein
  • Hindsight: 30sek

PROTUNE:

  • Bitrate: Standard
  • Bel-Korrektur: -0,5
  • Weißabgleich: Auto
  • ISO-Min: 100
  • ISO-Max: 400 oder 800
  • Farbe: GoPro
  • Schärfe: Mittel

Mir ist bewusst das eine Werte nicht ideal zum Filmen sind. Beispielsweise das GoPro Farbprofil. Da das Flat-Farbprofil deutlich mehr potential für die Nachbearbeitung bietet. Beim Einsatz als Dashcam möchte ich jedoch die Aufnahmen im Nachhinein so wenig wie möglich verändern müssen.

Insbesondere beim Einsatz als Dashcam ist die Zuverlässigkeit wichtiger als die Qualität.

Ein weiteres Problem war, dass ich mich entscheiden musste entweder die ganze Fahrt zu filmen oder aber in die Glaskugel zu schauen und vorab zu wissen ob was interessantes passieren könnte. Es gibt aber glücklicherweise zwei weitere Möglichkeiten. Zum einen das GoPro Feature Hindsight und zum anderen die etwas versteckte Loop-Funktion der GoPro. Die ganze Fahrt zu filmen erzeugt jedoch ernormen Müll an Daten oder sehr langweilige Videos.

Hindsight: Diese Funktion ist vergleichbar mit einer Loopfunktion. Dabei nimmt die Kamera permanent auf und merkt sich die letzten 15 oder 30 Sekunden (je nach Einstellung). Sobald ich den Auslöser drücke sind diese letzten 15/30 Sekunden also Bestandteil meiner Videodatei.
Praktisch ist dies, weil ich erst später, zum Beispiel wenn das Reh schon durchs Bild gelaufen ist oder ich bereits gestürzt bin, den Auslöser drücken kann und trotzdem das ganze Ereignis auf Video habe. Das ist meiner Meinung ein sehr nützliches Feature, weil man eben rückwirkend die Ereignisse sichern kann und viel Datenmüll vermeidet.

Es ist logisch, dass die Hindsight Funktion in der GoPro den Akkuverbrauch ankurbeln muss, immerhin nimmt die Kamera permanent auf. Nach meinen Erfahrungen hält die GoPro mit der Funktion bei FullHD etwa 1:30h bis 1:45h durch, je nach Einstellung. (Erfahrungswert: 12% Restkapazität nach 1:30h). Bei 2,7k war nach 1:40h Schluss.

Beispielerfahrungswert bei FullHD mit 60 fps:

1:29 Stunde Betrieb und 29% Restakku. (Hindsight 15sec)

Aber Achtung, nach vielen Wochen experimentieren bin ich der Meinung, dass Hindsight bei der GoPro absolut nicht ausgereift ist. Ich habe sehr viele VideoDateien verloren oder Situationen nicht erfassen können, weil HindSight genau in diesem Moment nicht funktioniert hat.

Nach weiterer Recherche habe ich dann den versteckten LoopModus der GoPro entdeckt. Bei diesem Wird eine Videoschleife von einigen Minuten aufgenommen, wobei die länge der Schleife einstellbar ist. Beispielhaft verwende ich 5 Minuten. Passiert nun etwas, dann kann die Aufnahme über den Auslöser gestoppt werden. Die vergangenen 5 Minuten sind gesichert.

Nach meiner Erfahrung ist die Zeitschleife zuverlässiger als Hindsight. Auch habe ich das Gefühlt, dass die Kamera nicht so schnell überhitzt.

Wo und Wie die GoPro am Fahrrad befestigen? 

Es gibt hochwertige Halterungen für das Fahrrad. Besser ist es jedoch in meinen Augen die GoPro mit einer Brusthalterung oder Rucksackhalterung direkt am Körper zu haben. Das ganze hat aus meiner Sicht drei Vorteile:

  1. Die nervigen Geräusche von der Straße, den Reifen etc. werden nicht so sehr über den Rahmen auf das Fahrrad übertragen.
  2. Wenn man mal kurz absteigen muss, dann muss man sich nicht sofort Sorgen um die GoPro machen.
  3. Ich muss nicht jedes Fahrrad mit einer ordentlichen GoPro-Halterung ausstatten.

Falcam F38 Backpack Mount

Falcam F38 Backpack Mount mit GoPro

Ich habe mich entschieden die GoPro an meinem Rucksack zu befestigen. Entschieden habe ich mich für den Falcam F38 Rucksackhalter für Kameras. Zusammen mit einem GoPro-1/4-Zoll Stativ Adapter ist die beste Lösung an einem Rucksack wegen dem guten Quick-Release-Mechanismus.
Der Adapter ist exzellent verarbeitet und das ein- und ausklicken der Kamera funktioniert hervorragend. Zusätzlich nutze ich das Falcam-System auch an meinen Stativen, so dass ich die GoPro bei Bedarf auch mal auf ein Stativ stellen kann.

Original GoPro Brustgurt

Alternativ, wenn ich keinen Rucksack benötige, dann nutze ich den Original GoPro Brustgurt. Dieser ist hochwertig und bietet den GoPro Quickrelease Adapter. Dieser ist nicht so schön wie die Ulanzi Falcam F38 Lösung, aber für kurze Strecken durchaus brauchbar. Der Vorteil am Brustgurt ist, dass die Kamera etwas zentraler hängt.

Günstige Action Cam Rucksack Halterung

Weiterhin habe ich eine günstige Halterung für den Rucksack mit Klett getestet. Das ist auch OK, aber die GoPro sitzt definitiv nicht so fest. Der Klett-Teil ist nicht so fest am Rucksack und lässt sich auch verschieben.

MaxLens Mod

Ich benutze zusätzlich noch den MaxLens Mod von GoPro. Dieser ist aus meiner Sicht NICHT zwingend notwendig, sondern nur ein nice-to-have. Man braucht sich mit dem Mod keine Sorgen mehr machen um die korrekte horizontale Ausrichtung der Kamera. 
Die Ausrichtung ist insbesondere am Rucksack manchmal schwierig, daher ist das Horizon-Leveling der GoPro insgesamt wirklich sinnvoll.

GoPro wetterfest laden

Wenn man die GoPro unterwegs laden will oder sogar via Powerbank mit Strom versorgen möchte, dann muss man den Akkufachdeckel öffnen. Das ist jedoch nicht immer eine gute Idee. Denn dann verliert die GoPro ihre Wetterfestigkeit. Von Wasserfestigkeit will ich dabei noch gar nicht nachdenken. 

Gute Nachrichten! Auch für dieses Problem gibt es eine gute Lösung. Es ist die GoPro Passthrough Door. Eine Ersatz-Akkufachklappe mit einer gummierten Öffnung für das USB-C Ladekabel. Eine Solche Ersatzklappe ist grundsätzlich nichts neues, aber GoPro gibt an, dass die Kamera mit dem original Zubehörteil weiterhin Wetterfest ist.

Achtung – es gibt selbstverständlich auch Akkufachdeckel mit einer USB-C Öffnung von Drittherstellern, aber diese sind in der Regel nicht Wetterfest. Man kann hier sicher DIY-mäßig etwas basteln, aber der geringe und faire Preis des Original-Teils war es dem Fall nicht Wert zu experimentieren.

GoPro – eine perfekte Fahrrad-Dashcam?

Ich kann hier zusammenfassend leider keine wirkliche Empfehlung aussprechen. Die GoPro Hero 9 Black ist nicht die perfekte Lösung. Dazu gibt es noch immer viel zu viele Probleme. Es kommt leider regelmäßig (!) zu korrupten Videofiles, oder zu Abstürzen der GoPro (“Freezes”). Manchmal kommt es sogar vor, dass Hindsight versagt und einfach nichts aufnimmt. Ich kann nur raten woran das liegt, aber ich vermute, dass der Prozessor der GoPro einfach hoffnungslos überfordert von den ganzen Features ist. 

Eine Alternative zu Hindsight konnte ich erst später entdecken. Der Loop Modus existiert in der GoPro, er ist nur sehr gut versteckt.

Die Ausfälle der GoPro sind nervig und aus meiner Sicht leider insgesamt zu oft um als zuverlässige Dashcam nutzbar zu sein. Ich bin daher im Endergebnis auch enttäuscht. 

Sicher ist es ganz nett, wenn man einige Fahrten oder auch nur einzelne Situationen dokumentieren kann. Aber eine Dashcam ist im Zweifel auch dazu da um im Falle eines Konflikts als Beweismittel zu unterstützen. Das ist jedoch nach meiner Meinung aktuell eher ein Glücksspiel, weil die Aufnahmen zu häufig fehlen oder kaputt sind.
Ich werde vorläufig trotzdem weiter mit der GoPro filmen und weiter mit den Einstellungen spielen.

Den Artikel werde ich in dem Fall aktualisieren.

Nutzt ihr ebenfalls eine GoPro als Dashcam auf dem Fahrrad? Vielleicht eine andere Kamera? Wie sind eure Erfahrungen? Schreibt es mir in die Kommentare.

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