16 Dezember 2020

Indoor Cycling: Rollentrainer Leitfaden mit dem Elite Qubo Fluid


Ich habe mir für diesen Winter - so wie viele andere - ebenfalls einen Rollentrainer angeschafft. Ich würde mich zwar als Ganzjahresradler bezeichnen, aber dennoch beschränken sich die Fahrten im Winter aufgrund vom Wetter und der Dunkelheit auf das wesentliche, wie Erledigungen, Kinder chauffieren, Fahrten von A nach B usw. Der Sport und die Fitness kamen dabei in den letzten Jahren eindeutig zu kurz. Das heißt ich möchte auch im Winter wetterunabhängig trainieren können.

Indoor Trainer Qubo Fluid

In diesem Jahr war es aufgrund von Corona schon fast ein Glücksspiel an Fitnessgeräte, insbesondere Rollentrainer fürs Indoor Cycling, zu kommen. Dennoch konnte ich glücklicherweise einen Elite Qubo Fluid bestellen. Diesen benutze ich nun seit einigen Wochen. Das ist grundsätzlich meine erste Erfahrung mit einem Rollentrainer. 

Viele Dinge wusste ich vorher nicht und musste Sie erst durch Recherche und stundenlangem Einsatz von Google lernen. In meinem Fall hatte ich auch ein spezielles ungewöhnliches Setup im Auge. Ich wollte ein Fahrrad mit Nabenschaltung fürs Indoor Cycling verwenden. Mir war Anfangs nicht klar das dies eher schwierig ist, weil meine Wahl ziemlich exotisch ist.
Um anderen bei der Kaufentscheidung helfen zu können habe ich hierzu folgenden Artikel verfasst. 

Der Artikel ist etwas länger geworden. Ich habe ihn in zwei Teile gegliedert. Im ersten geht es allgemein um das Thema Rollentrainer. Das heißt ich werde die unterschiedlichen Arten von Indoor-Rollentrainern erklären und vergleichen. Im zweiten dann speziell um den Qubo Fluid und um den Sensor Misuro B+ in Kombination mit dem Smartphone bzw. einem Garmin Edge 530.
Zusätzlich gehe ich auf meine Erfahrung seitdem ein und gebe einige Tipps. 

Kurzfassung / Agenda:

Da der Artikel recht lang geworden ist hier eine Kurzfassung was euch erwartet, wenn euch ein Thema speziell interessiert, dann könnt ihr mit einem klick direkt an die Stelle des Artikels springen:

  • Es gibt drei Arten / Bauformen von Rollentrainern
    • freie Rolle
      • Das Fahrrad wird nicht fixiert, daher muss der Fahrer permanent das Gleichgewicht halten.
      • Für geeübte, geschickte Fahrer.
      • Jede Art von Fahrrad geeignet unabhängig von Laufradgröße (Radstand beachten) und Schaltungsart
      • Gibt es ohne Widerstand, mit Widerstand oder mit smarter Widerstandssteuerung (Smart Trainer)
    • feste Rolle / Wheel On:
      • Hinterrad wird im Trainer fixiert
      • Fahrrad kann nicht umfallen, kein halten des Gleichgewichts notwendig
      • Einstiegsmodelle ab 150 bis 200 Euro
      • Meiner Meinung für "Indoor Cycling" Einsteiger die beste Lösung
      • erhöhter Reifenverschleiß
      • Nur für bestimmte Laufradgrößen geeignet
      • Gewöhnlich sind Schnellspann-Achsen oder Steckachsen
      • Laufräder mit Vollachse bei einigen Modellen nicht möglich, daher eingeschränkte Nutzung bei Single Speed oder Getriebenabe
      • Hohe Belastung auf den Rahmen im Wiegetritt (Achtung bei Carbonrahmen)
      • Gibt es mit verschiedenen Widerstandsarten und auch als Smart Trainer
    • Direktantrieb / Wheel Off:
      • Das Fahrrad wird ohne Hinterrad in den Trainer fixiert
      • Dadurch kein Reifenverschleiß
      • Weniger Lautstärke beim Training
      • Sind in der Regel immer Smart und "Zwift"-Fähig
  • Zwift
    • Für Zwift ist nicht zwingend ein teurer Smart Trainer notwendig
    • Es reichen normale ANT+ / Bluetooth Sensoren für Geschwindigkeit (zwingend), Trittfrequenz (sinnvoll), Herfrequenz (sinnvoll) und Leistung (sinnvoll)
    • Zusätzlich wird ein kompatibler PC / Tablet benötigt und eine aktive (kostenpflichtige) Mitgliedschaft bei Zwift
  • Fahrrad mit Nabenschaltung beim Indoor Cycling
    • Vollachse / Radmuttern sind problemlos nur auf der freien Rolle möglich
    • auf der festen Rolle braucht man ein wenig Glück:
      • Für Tacx-Trainer gibt es kompatible Radmuttern
      • Der Elite Qubo Fluid ist kompatibel mit Standard Nexus Muttern, d.h. das Hinterrad lässt sich ohne Spiel einspannen
      • vermutlich funktionieren alle Elite Wheel On Modelle, obwohl es nicht offiziell unterstützt wird.
  • Datenerfassung der Trainings
    • Einrichtung von Garmin oder ähnlichen GPS-Fahrradcomputern
    • Bei WheelOn Trainern mit Geschwindigkeitssensoren muss der korrekte Radumfang der Rolle (!) eingestellt werden. (nicht vom Hinterrad, wie üblich)
    • Bei Sensoren am Fahrrad muss der Radumfang vom Hinterrad eingestellt werden. 
  • Elite Qubo Fluid - Rollentrainer
    • Eindruck
    • Erfahrung & Tipps
  • Nützliches Zubehör
    • Was ist sinnvoll und auf was kann man verzichten?

Indoor Cycling Leitfaden und Kaufberatung

Warum Indoor Cycling?

Wie oben bereits beschrieben geht es mir darum Sport zu machen. Ich radel dafür keine speziellen Trainingspläne ab, sondern möchte einfach einige kurze straffe Workouts fahren. Meist ist das bei mir so zwischen 30 - 120 Minuten und von mittlerer bis hoher Intensität.
Um richtig ins schwitzen zu kommen reichen oft bereits 20 - 30 Minuten. Ab dann läuft der Schweiß gnadenlos.

Welche Art von Rollentrainern gibt es? Was ist am besten geeignet?

Es gibt unterschiedliche Arten von Rollentrainern. Die Trainer unterscheiden sich in der Funktionsweise, in der Ausstattung und oft natürlich auch preislich. Im folgenden will ich auf die Unterschiede eingehen. Es gibt diverse Vor- und auch Nachteile die für den ein oder anderen Möglicherweise relevant sind - oder eben nicht.

freie Rolle

freie Rolle
Quelle Wikipedia; Autor Alfred Grudszus

Die freie Rolle besteht auf einem ungefähr 50 cm breiten Gestell, in dem 3 Rollen laufen. Auf diesen Trainern werden die Fahrräder gestellt und man fährt wie auf der Straße. Dazu wird das Hinterrad zwischen den beiden hinteren Rollen gestellt und das Vorderrad kurz vor die vordere Rolle. Das Fahrrad wird dabei jedoch nicht fixiert, sondern ist frei beweglich. Das bedeutet, dass man wie auch auf der Straße selber das Gleichgewicht halten muss. Dafür kann man sehr gut an dem eigenen Tritt arbeiten.

Bei diesen Indoor-Trainern ist jedoch eindeutig Übung und Geschicklichkeit notwendig. Man muss die ganze Zeit hochkonzentriert sein, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Das Fahrrad neigt bei Bewegungen des Lenkers zu einem nervösen Handling. Das Fahrverhalten unterscheidet sich somit vom echten Fahren.

Indoor Trainer - freie Rolle
Quelle Wikipedia (Autor: Keanu)

Auf der freien Rolle kann man praktisch jedes Fahrrad nutzen. Sowohl die Laufradgröße, als auch die Art der Schaltung oder der Achsen spielt keine Rolle. Also kann man hier auch exotische Fahrräder wie Faltrader und Kompakträder verwenden. Allerdings gibt es Bauartbedingt Einschränkungen beim Radstand. Das bedeutet einige Fahrräder beispielsweise für Kleinkinder werden wohl kaum funktionieren.
Bei ganz einfachen Rollen gibt es häufig keinen Widerstand. Aber es gibt auch Rollen mit Widerstandseinheit und sogar richtig smarte freie Rollen.

Beispiel für eine freie Rolle: Elite Arion Mag (freie Rolle mit magnetischem Widerstand)

Feste Rolle - WheelOn Trainer

Bei der Festen Rolle bzw. WheelOn Trainern wird das Hinterrad an der Radachse eingespannt. Der Reifen liegt dann auf einer kleinen Rolle auf. Der Vorteil ist, hierbei ist das Fahrrad fixiert und kann nicht umfallen. Auch entspanntes lockeres vor sich hinradeln ist problemlos möglich. Man kann sehr gut abschalten. 

Tacx Boost (c) 	Garmin Deutschland GmbH
Tacx Boost | (c) Garmin Deutschland GmbH

Man nutzt in der Regel ein Fahrrad mit Kettenschaltung und Schnellspanner. Von den meisten Herstellen (der Rollentrainer) gibt es Adapter für Steckachsen. Von Tacx gibt es außerdem spezielle Radmuttern, falls man noch ein Fahrrad mit Vollachse nutzt.
Meist ist man auf bestimmte Laufradgrößen beschränkt. Elite bietet jedoch Unterstützung für 20" bis 28", damit sollte zumindest das meiste abgedeckt sein. Es gibt auch WheelOn-Trainer die intelligent den Widerstand steuern können. Diese sind jedoch meist etwas teurer.

Einen weiteren potentiellen Nachteil will ich nicht verschweigen. Insbesondere im Wiegetritt soll es auf der festen Rolle zu einer erhöhten Belastung des Rahmens kommen. Dies soll besonders für Carbon-Rahmen ein Problem sein. Ich kenne zwar keine betroffenen, aber es kann wohl zu Rahmenbrüchen kommen.

Meiner Meinung ist ein solider Wheel On Trainer (feste Rolle) für Einsteiger die beste Wahl. Man hat ein stabiles und günstiges System und eine recht hohe Auswahl an nutzbaren Fahrrädern.

Beispiel für eine feste Rolle / Wheel On Trainer: Meine Wahl Elite Qubo (Power) Fluid oder alternativ einen Rollentrainer mit magnetischem Antrieb wie den Tacx Flow Smart.

Rollentrainer mit Direktantrieb

Hierbei handelt es sich um die teuerste Art der Rollentrainer. Man bekommt in der Regel jedoch auch eine smarte Steuerung des Widerstands. Dazu wird das Hinterrad des Fahrrads ausgebaut und der Hinterbau des Fahrrads in den Trainer eingespannt. Das heißt der Trainer bildet quasi das Hinterrad. Die Kassette des Antriebs ist dabei mit dem Trainer verbunden. Vorteil bei diesen Trainern. Man hat keinen extra Reifenverschleiß. Die Laustärke ist geringer als bei den anderen Rollentrainer-Typen. 

Tacx Indoor Cycling - Garmin Deutschland GmbH
Tacx Indoor Cycling - Garmin Deutschland GmbH

Trainer mit Direktantrieb sind in der Regel „Smart“ und können den Widerstand steuern. Das bedeutet, mit solchen Trainern lassen sich auch Steigungen simulieren. Das heißt der Widerstand erhöht sich je nach Grad der Steigung und/oder Geschwindigkeit. Allerdings hat man auch die größten Einschränkungen. Außerdem muss das Fahrrad eine Kettenschaltung haben. Fahrräder mit Nabenschaltung können schlicht nicht verwendet werden, weil sich bei Nabenschaltungen das Getriebe in der Hinterradnabe befindet. Für viele der größte Nachteil ist vermutlich, dass der Preis deutlich höher ist.

Hier ein Beispiel für einen guten Trainer mit Direktantrieb: Tacx Flux 2 Smart

Smart Trainer oder nicht?

Es gibt einfache Rollentrainer bei denen der Widerstand manuell gesteuert werden kann, Trainer die automatisch die Leistungsdaten über Sensoren erfassen und dann gibt es noch Trainer die den Widerstand dynamisch selbst steuern. Was ist für wen geeignet? Mittlerweile gibt es von allen Arten von Rollentrainern eine entsprechende Smart-Variante. Auch bei der freien Rolle.

Man sollte vorab für sich das persönliche Anforderungsprofil definieren. Sucht man einen Rollentrainer primär für kurze Workouts und primär nur an den Tagen an denen man kein Radfahren kann? Dann sollte ein einfacher Rollentrainer ausreichen.
Oder möchte man virtuell gegen andere Radfahrer auf der ganzen Welt auf interaktiven Kursen fahren? Seid ihr bereit das nötige Kleingeld für einen smarten Rollentrainer auszugeben, dann könntet ihr damit glücklicher sein. 

Anmerkung: Auch mit günstigen Rollentrainern kann man Zwift nutzen, wenn man entsprechende Sensoren nutzt.

Fluid- vs. Magnet-Widerstand? Was ist der Unterschied?

Bei einem Rollentrainer mit Magnet-Widerstand kann die Intensität in unterschiedlichen Stufen festgelegt werden. Dazu wird meist eine Art zusätzlicher Schalthebel (über Schaltzüge) am Fahrradlenker oder Rahmen montiert. Der entsprechende Schaltzug ist mit der Widerstandseinheit vom Rollentrainer verbunden. 

Es gibt auch ganz einfache Varianten bei denen die Steuerung des Widerstands direkt am Trainer eingestellt werden muss. Das heißt:. Man muss aktiv vom Rad steigen und den Widerstand einstellen oder den Widerstand bereits vor der Trainings-Session festlegen.

Beim Rollentrainer mit Fluid-Widerstand, also einem Flüssigkeitswiderstand, gibt es keine Stufen. Der Widerstand reguliert sich alleine durch die Geschwindigkeit.
Das heißt also: Fahrt ihr langsam, dann ist der Widerstand geringer, fahrt ihr schneller, umso höher ist der Widerstand und umso höher die Bremsleistung. Das ermöglicht realitätsnahes Training, denn das Fahrverhalten auf der Rolle kommt dem Fahrverhalten auf der Straße sehr nahe. Ein weiterer Vorteil ist die etwas geringere Lautstärke, als bei Trainern mit magnetischem Widerstand. Dafür sind diese Trainer meist etwas teurer.

Trainer mit interaktiver Widerstandssteuerung

Moderne Smarttrainer regulieren den Widerstand selbstständig. Das bedeutet, wenn ihr eine Strecke als GPX-Datei abfahrt und entsprechende Steigungen kommen, dann wird der Widerstand im Trainer automatisch erhöht, bei Abfahren entsprechend gesenkt. Gesteuert wird der Trainer dabei entweder von einem GPS-Fahrradcomputer wie dem Garmin Edge 530 (mein Langzeittest) oder durch ein Smartphone bzw. Computer mit entsprechender Trainingssoftware. 

Allerdings ist nicht jeder GPS-Fahrradcomputer in der Lage den Widerstand zu steuern. Hierzu ist die Doku bei Garmin hilfreich.
Beispielsweise eignet sich Zwift  dafür. Hier ist jedoch ein kostenpflichtiges Abo notwendig.
Nicht nur Trainer mit Direktantrieb können den Widerstand steuern. Mittlerweile gibt es auch freie Rollen und Wheel On Trainer (feste Rolle) mit dynamischer Widerstandssteuerung.

Was ist für Zwift notwendig?

Um Zwift zu nutzen ist nicht zwingend ein smarter Rollentrainer notwendig. Die entsprechende Hardware, also ein Computer mit installiertem Zwift vorausgesetzt braucht man lediglich einen ANT+ Empfänger  (teilweise sollte ist auch Bluetooth ausreichend sein) und die entsprechenden Sensoren am Trainer oder am Fahrrad. Im Grunde sollte ein Geschwindigkeitssensor bereits ausreichen. Sinnvoll ist jedoch auch die Trittfrequenz, Leistung und die Herzfrequenz.

Meist bekommt man ein Bundle aus Trittfrequenz- und Gschwindigkeitssensor bereits für weniger asl 50 Euro. Ein Brustgurt zur Messung der Herzfrequenz ist für ungefähr 40 Euro erhältlich.
Das bedeutet also auch mit einem ganz einfachen Rollentrainer könnt ihr Zwift nutzen. Ein teurer Trainer ist nicht zwingend notwendig.

Weiterhin ist für Zwift natürlich ein kostenpflichtiges Abonnement notwendig. Mit 15 Euro pro Monat ist dies nicht gerade wenig. 

Warum habe ich mich für einen nicht smarten WheelOn Trainer entschieden?

Ich wollte einen möglichst günstigen Rollentrainer der jedoch mit einem Fahrrad mit Nabenschaltung kompatibel ist. Daher stehen ausschließlich WheelON Rollentrainer oder Trainer mit freier Rolle zur Auswahl. Die freie Rolle war mir dann jedoch zu abenteuerlustig :-)

Elite Qubo Fluid


Daher habe ich mich für den Elite Qubo Fluid entschieden. Dieser ist nicht smart und hat keinen einstellbaren Widerstand. Dafür ist der Widerstand "Fluid", also ein Flüssigkeits-Widerstand. Der Vorteil für mich ist, der Gang und die Intensität beim Treten am Fahrrad entscheiden über den Widerstand der Rolle. Ich habe keine zweite separate Steuerung des Widerstands. Für mich ist der Qubo Fluid somit der beste Kompromiss aus allen Trainern und ermöglicht simples aber günstiges Training.

Warum "nicht-Smart"? Mein Plan ist es lediglich an Tagen an denen man draußen kein Fahrrad fahren kann ein wenig Sport machen zu können. Ich möchte mit dem Trainer lediglich die kalten und vereisten Tage überbrücken. Dafür brauche ich kein Zwift oder andere Tools. Auch wenn ich noch vor habe es zu testen.

Fahrrad mit Nabenschaltung im Rollentrainer

Wie bereits zu Beginn des Artikels angesprochen nutze ich im Rollentrainer aktuell ausschließlich mein selbst(wieder)aufgebautes und selbstlackiertes Bahnhofsrad. Warum dieses Fahrrad?
Die Basis bildet ein 26-Zoll MTB-Rahmen. Der Rahmen ist von den Maßen sowohl von mir, als auch von meiner Frau zu fahren. Lediglich die Höhe des Sattels muss vor dem Training entsprechend angepasst werden.
Das ist ideal, denn so können wir den gesamten Winter das Bahnhofsrad im Rollentrainer montiert lassen. Ein weiterer Punkt ist natürlich, dass das Bahnhofsrad Corona-Bedingt quasi gar nicht zum Einsatz kommt.

Indoor Cycling mit Nabenschaltung


Dieses Fahrrad hat eine Nexus 8 Getriebenabe mit Vollachse, das heißt Radmuttern und keine Schnellspanner. Bei den meisten Rollentrainern wird ein Schnellspannadapter mitgeliefert und es werden zusätzliche Adapter für Steckachsen verkauft. Für die Hersteller sind Vollachsen offensichtlich nicht relevant, weil moderne sportliche Räder heute immer Schnellspanner oder mit steigender Tendenz sogar Steckachsen haben. 
Mir war also Anfangs nicht klar ob Indoor Training mit einem Hinterrad mit Radmuttern überhaupt möglich ist. Nach einiger Recherche habe ich spezielle Radmuttern für Rollentrainer von TACX gefunden. Diese sollen mit Tacx-Rollentrainern kompatibel sein.

Wie das bei Trainern von anderen Herstellern ist konnte ich nicht herausfinden. Viele Hersteller schweigen dazu. Ich habe es dann riskiert und den Elite Qubo Fluid und zusätzlich die Radmuttern von Tacx bestellt. Meine Hoffnung war, dass sich das Hinterrad entweder mit den Standard-Radmuttern irgendwie fixieren lässt, oder ich im Notfall die Tacx-Radmuttern nutzen kann.
Beim Elite Qubo Fluid hatte ich Glück, denn der Trainer fixiert das Hinterrad ohne Probleme. Auch die speziellen Radmuttern von Tacx waren nicht notwendig.

Ich vermute, dass der Mechanismus zum fixieren des Hinterrads bei allen WheelOn-Trainern von Elite identisch ist, natürlich konnte ich das nicht verifizieren. In jedem Fall ist beim Qubo Fluid Indoor-Training mit einer Nabenschaltung problemlos möglich.

Ich denke wenn ihr etwas ähnliches vor habt, dann solltet ihr euch entweder an die Trainer von TacX halten oder es bei einem Elite-Trainer (oder auch einem anderen Hersteller) riskieren. Bei mir hat es jedenfalls funktioniert.

Elite Qubo Fluid

Der Aufbau vom Qubo Fluid ist alleine etwas fummelig, aber dennoch schnell erledigt. Die Anleitung ist leider etwas Gewöhnungsbedürftig, zumindest in deutscher Sprache. Der Mechanismus zum fixieren des Hinterrads ist selbsterklärend. Mit mit Radmuttern ist der Einbau problemlosmöglich.
Der Rollentrainer selbst ist sehr gut verarbeitet und wirkt in jeder Hinsicht hochwertig.
Der erste Eindruck nach dem erfolgreichen Aufbau ist sehr gut.

Mit eingespanntem Fahrrad ist das Konstrukt sehr stabil. Da wackelt und quietscht nichts. Ich habe keine Angst das ich irgendwie umfallen könnte. Auch im Wiegetritt gibt es keine Probleme mit der Stabilität.

Elite MyETraining App

Mein erster Gedanke war alle Trainings mit dem Smartphone zu tracken. Immerhin wirbt Elite mit einer eigenen App für Indoor Cycling. Als ich nach der App suchte war ich sehr überrascht wie schlecht diese bewertet ist. Immerhin verlangt Elite (zwar nicht viel) einen jährlichen Beitrag zur Nutzung alle Funktionen. 

Die App ist wirklich Gewöhnungsbedürftig und nicht sehr stabil. Ich habe die App mit einem Iphone 11, mit aktuellster Software, nicht mit dem Sensor über die App koppeln können. Mit einem Amazon FireHD 10 und einem Motorola G5 (ich glaube Android 8) war es möglich. Teilweise müssen die Sensoren bei jeder Nutzung erneut gekoppelt werden, dazu ist dann ein erneutes Durcharbeiten des Assistenten zur Einrichtung in der App notwendig. Das ist sehr nervig, wenn man mal eben mal trainieren möchte.
Ich habe leider keine andere kompatible App finden können, allerdings hatte ich mich recht schnell entschieden meinen Garmin Edge 530 zur Auswertung zu nutzen. 

Datenerfassung: Aufzeichnung der Fahrten

Ich zeichne meine Fahrten also mit meinem Garmin (Edge 530 Langzeittest) auf. Der klare Vorteil ist für mich, dass ich sowohl meine normalen Radfahren, als auch das Indoor-Training zusammen in Garmin Connect auswerten kann. 
Das funktioniert sehr gut. Ich nutze einen Brustgurt zur Erfassung meiner Herzfrequenz. Für die Radtrainings typischen Datenfelder nutze ich den zusätzlichen Sensor Elite Misuro B+. Dieser ist nicht Teil des Lieferumfangs und muss separat erworben werden. Der Sensor kann die Trittfrequenz, die Geschwindigkeit und die Leistung erfassen. Das heißt mit dem Misuro B+ könnt ihr auch Wattmessung betreiben.

Qubo Fluid mit Misuro B+


Für die Installation wird lediglich ein kleiner Magnet in die Antriebsrolle des Elite Rollentrainers verschraubt. Dazu sind zwei kleine Schrauben zu lösen und der Knopfzellengroße Magnet wird in die Rolle in ein kleines Fach gesteckt.
Anschließend wird der Misuro B+ von außen via Klebeklettband an den Trainer fixiert. Das ist meiner Meinung sehr unschön, denn die korrekte Platzierung des Sensors ist immens wichtig für die Datenerfassung. Hier wäre eine entsprechend angezeichnete Position oder sogar eine vorinstallierte Halterung sinnvoll gewesen.

Eine Schwäche hat das System: Die Batterie vom kleinen Sensor (eine CR2032) ist überraschend schnell leer. Hierzu sind nur wenige hundert Kilometer notwendig. Damit meine ich nicht nur die mitgelieferter Batterie, ich habe diese in der Zwischenzeit bereits zweimal gewechselt.

Knopfzellen sind gut für einfache Fahrradcomputer oder die kleinen Sensoren am Rahmen, aber meiner Meinung ist es eine Fehlentscheidung für den Misuro B+ eine Knopfzelle zu verwenden. Man hätte möglicherweise besser einen (via USB) wiederaufladbaren Akku, normale AA-Batterien oder sogar einen Anschluss für ein normales Netzteil ins Stromnetz verbauen sollen.

Wenigstens kündigt sich eine bald entleerende Batterie im Display des Garmins rechtzeitig an.
Leider ist die Dokumentation und die Anleitung vom Misuro B+ nicht sehr umfangreich und außerdem schlecht übersetzt. 

Mit einer Garmin Vivoactive 3 war eine Verbindung ebenfalls möglich. Allerdings wird hier ausschließlich die Geschwindigkeit und die Trittfrequenz übertragen. Für die Leistung fehlen der Vivoactive 3 die entsprechenden Datenfelder.

Nachtrag zum Misuro B+:
Nach dem ich diesen Artikel beendet habe, hatte ich Kontakt zum Elite Produkt Support. Primär um zu prüfen ob so eine schlechte Batterielaufzeit tatsächlich normal ist oder ob ich eventuell ein defektes Exemplar erwischt habe. Nach einigen E-Mails hat mir Elite schließlich einen neuen Sensor zugeschickt. Diesen teste ich aktuell. Ich werde den Artikel dann entsprechend aktualisieren.
Generell war der Support jedoch sehr freundlich und hilfsbereit.

Konfiguration vom Radcomputer

Wichtig ist bei den Einstellungen der Sensoren im Fahrradcomputer den richtigen Radumfang zu konfigurieren. Hier ist nicht, wie üblich, der wirkliche Radumfang des Hinterrads gemeint. Sondern der Umfang der Rolle im Rollentrainer. Wenn ihr die Einstellungen nicht verändert, oder den wirklichen Radumfang eures Hinterrads einstellt, dann bekommt ihr absolut unrealistische Werte, die Werte sind deutlich höher als sie sein sollten. Im Fall vom Elite Qubo Fluid müssen 141 mm Radumfang eingestellt werden. In der folgenden Liste findet ihr den korrekte Umfang für alle Elite-Trainer:

Anzahl Blinklichter

Trainer

Einstellung des Radumfangs

1

Allgemeiner Rollentrainer

Umfang der Rolle

2 - 4

Real Turbo Muin

Radumfang

5

Power Fluid

141 mm

6

Arion

264 mm

7

Fluid integriert

94 mm

8

Parabolic

292 mm

9

Primo

141 mm

10 - 14

Diverse andere Einstellungen.

-


Quelle ist die Bedienungsanleitung des Misuro B+.
Hier findet ihr weitere Details.

Die Anzahl der Blinklichter muss korrekt - also passend zum Trainer - eingestellt sein. Dazu muss das Gehäuse geöffnet werden und der kleine Button gedrückt werden. Eine LED blinkt wiederholt (relativ schnell) und signalisiert die entsprechende Einstellung (siehe Tabelle oben).

Herstellerunabhängige Aufzeichung:

Eine Aufzeichnung wäre jedoch auch möglich, wenn man Standard ANT+-Sensoren für Geschwindigkeit, Trittfrequenz und optional Leistung verwendet. So könnte man beispielsweise im Winter einfach das Rennrad in den Rollentrainer spannen. Dazu ist es jedoch notwendig, dass der Geschwindigkeitssensor am Hinterrad angebracht wird. Das ist insbesondere Wichtig bei Sensoren die an der Radnabe montiert sind. Ein kombinierter Sensor wie der Wahoo Blue SC ist ebenfalls möglich.
Anders als bei der Nutzung vom Misuro B+ muss hier bei der Einstellung des Radumfangs nichts spezielles eingestellt werden. Hier muss der wirkliche Radumfang eures Hinterrads eingestellt werden.

Wenn man einen PC / Mac nutzen möchte, dann ist ein ANT+ Dongle notwendig. Möglicherweise auch ein USB-Verlängerungskabel um diesen Empfänger nahe beim Sensor des Trainers zu haben.

Reifen - Verschleiß und Einfluss auf die Lautstärke

Es werden spezielle Reifen für Rollentrainer verkauft. Diese sind meist blau, rot oder einer anderen gut sichtbaren Farbe. Diese haben eine spezielle Gummimischung die auf dem Rollentrainer nicht so sehr verschleißen soll und sind allgemein auf die Nutzung auf dem Rollentrainer optimiert. 
Da ich die Kosten für einen Reifen extra für Rollentrainer anfangs recht hoch fand und ich noch genügend Reifen auf Vorrat besitze, habe ich erstmal auf einen solchen Indoor-Trainings-Reifen verzichtet. 
Bei meinem ersten Test habe ich den bei mir installierten Schwalbe Nobby Nic in den ETRTO-Maßen 559x54 verwendet.
Hierbei handelt es sich um einen reinrassigen Mountain-Bike Reifen. Dieser ist bereits auf Asphalt recht laut, auf dem Rollentrainer ist dieser so laut, dass man meint, jemand ist mit der Schlagbohrmaschine unterwegs. Das geht einfach gar nicht. 

Qubo Fluid Reifenabrieb Verschleiß


Daraufhin habe ich meine Reifenvorräte durchgeschaut und einen Continental Touring Plus in 559-47 gefunden. Hierbei handelt es sich um einen Trekkingreifen, aber ich habe mich dennoch entschieden diesen zu nutzen.
Die Lautstärke ist deutlich besser und es ist nun nicht mehr im ganzen Haus hörbar, wenn ich trainiere. Verschleiß konnte ich am Reifen selbst kaum feststellen, allerdings findet man dunkle Spuren am Rollentrainer. Ich vermute, dass es sich dabei um Reifenabrieb handelt. Dies konnte ich insbesondere nach Einsatz des Nobby Nic feststellen.

Noch besser wäre vermutlich ein Slick, also ein Profilloser Reifen oder eben ein richtiger Indoor-Reifen. Ich werde vorerst dennoch bei diesem Reifen bleiben.

Update:
Ich habe mich letztlich doch entschieden einen reinen Indoor-Reifen zu testen. Ich habe mich für den Continental Hometrainer entschieden. Ich habe anschließend einen Vergleichstest aller Reifen durchgeführt und hier dokumentiert:

Beispiel eines Reifens fürs Indoor Cycling: Schwalbe Insider

Was tun gegen Schweiß

Es ist unglaublich wie viel man auf dem Rollentrainer schwitzt. Das musste ich bereits bei meiner ersten kurzen Testrunde feststellen. Hilfreich war für mich permanent ein Handtuch in der Nähe zu haben. Ein kleiner Tischventilator den ich vorab aktiviere ist ebenfalls sehr nett. Meiner bescheidenen Meinung sind hier keine teuren smarten Ventilatoren notwendig.
Falls man ein Fenster in der Nähe hat, dann kann man natürlich auch einfach lüften. :-)
In meinem Fall bin ich in meinem Keller und habe kein Fenster in der Nähe.

Nützliches (bzw. unnützes) Zubehör:

Welches spezielle Zubehör für Rollentrainer gibt es? Was braucht man zwingend und worauf kann man verzichten?

Vorderradstütze

Ja es gibt sie, aber sie sind aus meiner Sicht nicht zwingend notwendig. Auch wenn das Hinterrad etwas höher sitzt und sich somit die Sitzposition leicht verändert. Für sehr empfindliche Fahrer ist eine Vorderradstütze evtl. denkbar. Aber ich sitze in der Regel zwischen 30 und 90 Minuten auf dem Trainer. Ich kann mich damit arrangieren, dass die Sitzposition leicht anders ist.
Möglicherweise ist auch ein einfaches Holzbrett denkbar, wenn man sowas zur Verfügung hat. 
Umkippen wird das Fahrrad ohne die Stütze jedenfalls nicht.

Schweißfänger

Einen Schweißfänger habe ich zwar nicht, aber ich halte diese Teile die zwischen Lenker und Sattel als eine Art Dreieck gespannt werden für ziemlich sinnvoll. Denn der Schweiß könnte für zusätzliche Korrosion am eingesetzten Fahrrad sorgen. Demnächst werde ich mir so ein Teil auch bestellen.
Günstige Schweißabwehr: Schweißfänger von Rockbros

Unterlage / Matte

Die Idee ist, den Boden unter dem Rollentrainer zu schützen und zu entkoppeln. Zum einen vor dem Schweiß und zum anderen vor Vibrationen den der Trainer verursacht, zum Beispiel im Wiegetritt. Außerdem soll die Geräuschentwicklung gedämpft werden.
In meinem Fall benutze ich den Rollentrainer in meinem Keller im Einfamilienhaus auf einem Outdoor-fähigen Rasenteppich. Also habe ich darauf ebenfalls verzichtet. 
Es gibt weiterhin die Möglichkeit eine Matte speziell unter den Rollentrainer zu packen. Dazu könnte man eine Bautenschutzmatte nutzen. Es gibt hier spezielle Matten für Waschmachinen, diese passen auch unter einem Rollentrainer.

Was tun zur Unterhaltung (bzw. gegen die Langeweile)

Nach meiner ersten kurzen Einheit musste ich feststellen, dass Radfahren auf einem Rollentrainer in meinem Keller ziemlich eintönig ist. Das Fahren ist nicht vergleichbar mit dem Fahren draußen auf der Straße und in der Natur. Ich habe dann einen Gartentisch und mein Notebook genommen. Anschließend Bluetooth Kopfhörer gekoppelt und kann so bequem Filme und Serien in Streams von Netflix, Prime Video und Co verfolgen. Für mich funktioniert das ganz gut.
Alternativ ist auch Musikhören möglich. Wenn man beim Indoor Cycling eine Extra-Portion Motivation benötigt, aber die Kosten für Zwift scheut, dann könnte sich dazu natürlich auch ein passendes Video zum Indoor Cycling anschauen. Empfehlenswert dazu ist ein Kanal wie "Indoor Cycling Videos" auf Youtube.


Fazit zum Indoor Winter Training

Ihr müsst entscheiden ob ihr lediglich einen kurzfristigen warmen und trockenen Sport-Ersatz im Winter sucht oder ob ihr "Zwiften" wollt. Ich nutze das Wort "zwiften" stellvertretend für alle interaktiven Indoor-Apps/Dienste die es aktuell so gibt. 
Für ersteres würde ich einen einfachen Wheel On Trainer bzw. feste Rolle empfehlen. Dieser muss nicht teuer sein. Meist reichen die Einstiegsmodelle der großen Hersteller. Empfehlen kann ich Tacx und Elite. 
Für dauerhaftes Zwiften reicht zwar auch ein einfacher Trainer, aber ich denke dafür würde ich eher einen Trainer mit Direktantrieb und smarter Widerstandssteuerung empfehlen. Damit schränkt ihr euch jedoch auch bei der Wahl des Fahrrads ein. (keine Nabenschaltung, kein Single Speed)

Wollt ihr ein Fahrrad mit Nabenschaltung nutzen, dann müsst ihr die freie Rolle oder einen WheelOn Trainer nutzen.

Fazit speziell zum Qubo Fluid

Der Elite Qubo Fluid ist von hoher Qualität und einfach (schnell, problemlos) aufgebaut. In Kombination mit dem Misuro B+ Sensor kann der Trainer auch die Leistung messen. So lassen sich die Trainings entweder mit dem Smartphone oder mit einem kompatiblen Fahrradcomputer komfortabel auswerten. Das war für mich eine völlig neue Erfahrung. Zusammen mit dem Garmin Edge 530 kann ich meine Trainings nun deutlich detaillierter tracken und analysieren.
Ich bin zufrieden, weil ich mein altes Bahnhofsrad mit Getriebenabe auch in Coronazeiten effizient einsetzen kann.

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