01 September 2020

Canyon Inflite 5 - meine Kaufentscheidung, Eindruck und Erfahrungen


Ich habe das Canyon Inflite 5 gekauft. Ursprünglich wollte ich ein klassisches Rennrad, allerdings habe ich mich nach Überlegung doch für ein Cyclocross Rad entschieden. Ich möchte das Fahrrad dennoch als Rennrad auf der Starße nutzen. Außerdem habe ich mich gegen ein Fahrrad aus dem lokalen Fahrradfachgeschäft entschieden und für ein Fahrrad beim Versender Canyon. Was sind die Gründe für meine Kaufentscheidung und wie zufrieden bin ich mit dem Canyon Inflite 5?

Canyon Inflite 5 - 2021


Vorab zum Artikel:
Falls hier irgendwelche Zweifel aufkommen: Das Canyon Inflite 5 habe ich von meinem eigenen Geld bezahlt.
Im ersten Teil des Artikels geht es um das Inflite selbst, weiter unten gehe ich auf meine Kaufentscheidung und insbesondere die möglichen Alternativen ein.

Aufbau - Montage eines Canyon Fahrrads

In der Vergangenheit hatte ich bereits Fahrräder aus dem Internet bestellt und selber (end-)montiert. Erfahrungen hatte ich bereits mit kleinen und auch mit großen Online-Shops, aber noch nie mit Canyon. Als Hersteller hat Canyon entschieden nur einen einzige Vertriebsweg zu nutzen: Das Internet. Daher gibt es auch keine Modelle der Koblenzer in Fachgeschäften. Probefahrten sind ausschließlich im eigenen Showroom in Koblenz. Das Unternehmen spart auf diese Weise Zwischenhändler und kann so, durch das gesamte Sortiment, ein sehr gutes Preis-Leistungsverhätnis anbieten.
Aufgrund meiner bisherigen Erfahrungen mit Versand-Fahrrädern habe ich den Kauf gewagt. Im Zweifel wollte ich vom 30-tägigen Rückgaberecht Gebrauch machen.

Bikeguard von Canyon


Das Canyon kommt in einem großen Karton, man kennt dies von anderen Versendern. Canyon nennt dies den BikeGuard, speziell entwickelt für den Versand der Räder. In der Tat wirkt die Verpackung im Innern recht durchdacht. Enthalten ist neben dem Fahrrad eine kleine Box mit Anleitung, Werkzeug und Zubehör, unter anderem ein Drehmomentschlüssel mit einer Aufnahme für normale Bits. Der Drehmomentschlüssel ist sicherlich eher als einfach zu bezeichnen. Er ist nicht in der typischen Ratschen-Form wie man es so kennt. Dennoch finde ich, dass er eine riesige Hilfe beim Aufbau ist. Zumal ich etwas vergleichbares bisher noch nie bei einem Fahrrad mitgeliefert bekommen habe.

Was muss für den Aufbau gemacht werden? Ganz einfach: Lenker montieren, Sattel inkl. Sattelstütze einschieben und verschrauben, Vorderrad einbauen und Pedale verschrauben (diese werden typischerweise nicht mitgeliefert).
Den BikeGuard sollte man anschließend inkl. aller Befestigungsbänder und Transportsicherungen gut verstauen für den Fall eines Rückversands. Auch im Garantiefall sollte der mitgelieferte Karton verwendet werden.


Insgesamt denke ich sollte man zwischen 30 und 60 Minuten einplanen für das Unboxing und den Aufbau. Die meiste Zeit war ich mit der korrekten Einstellung von Sattel und Lenker beschäftigt. Dies werde ich jedoch in den nächsten Tagen häufiger nachjustieren, bis ich die für mich ideale Einstellung gefunden habe.

Canyon Torque Wrench


Das Erlebnis ein Canyon Fahrrad ist im Grunde genommen vergleichbar mit anderen Versandrädern. Aus meiner Sicht also nichts wirklich besonderes. Der Drehmomentschlüssel und die beigelegte Montagepaste ist unüblich für Versandräder - daher möchte ich das auch nochmal positiv hervorheben. 

Erster Eindruck vom Inflite

Als das Canyon erfolgreich montiert war und ich so ungefähr alles auf mich abgestimmt habe wurde eine ca. 10 Kilometer Runde um den Block gedreht um alles zu testen. Dabei habe ich den Lenker und Sattel nochmals nachgebessert. Das erfreuliche ist, Bremsen und Schaltung sind perfekt eingestellt. Hier ist kein nachjustieren notwendig. Die Bremsen sind knackig, aber nicht zu aggressiv.
In jedem Fall ist das Canyon verdammt leicht. Es wiegt nur 8,8 Kilogramm. Mein Fuji Touring ist vermutlich fast doppelt so schwer. Den Unterschied merkt man sofort. Man spürt auch wie agil dieses Fahrrad ist. An den kurzen Vorbau und die sehr sportliche Sitzposition werde ich mich gewöhnen müssen, inbsesondere bei der ersten Fahr im Wiegetritt kriegt man erstmal einen kleinen Schreck.
Das Fahrrad fährt sich schnell und lenkt sehr direkt. Dagegen ist mein Fuji Touring beinahe schwergängig.
Die montierten Reifen sind Schwalbe X-One Allround in 33mm Breite. Die Reifen sind auf Asphalt recht Laut, aber laufen ganz gut. ich werde schauen wie lange die Reifen halten und diese dann gegen gute Starßenreifen austauschen.

Was habe ich geändert?

Eigentlich möchte ich dieses Fahrrad nahezu im Originalzustand fahren und nicht so stark individualisieren wie meine anderen Fahrräder. Allerdings habe ich nach studieren der Geometrietabellen festgestellt, dass ich auf dem Rahmen eine recht hohe Sattelüberhöhung haben werde. Daher habe ich gleichzeitig zum Fahrrad einen alternativen Vorbau mit steilerer Neigung bestellt. Der Original-Vorbau hat eine 6 Grad Neigung nach unten und ist 80mm lang. Ich habe mich für einen Vorbau mit 17 Grad Neigung (nach oben montiert) mit 90 mm Länge entschieden. Dadurch fällt die Überhöhung nicht ganz so extrem aus. Bei Bedarf werde ich später den Vorbau zurückwechseln. Vom längeren Vorbau verspreche ich mir ein etwas weniger flattriges (Cyclocross-typisches) Fahrgefühl. Immerhin möchte ich das Fahrrad primär auf der Straße fahren.

ACHTUNG: Canyon verwendet die eher untypische Gabelschaftklemmung von 1 1/4 Zoll. Eher normal ist das Maß 1 1/8 Zoll. Das sollte man beim Kauf eines Vorbaus für Canyon (und übrigens auch bei Giant) beachten.

Außerdem habe ich zwei Flaschenhalter, eine Garmin-Halterung (inkl. Lampenhalter), eine Klingel (ohne Klingel fühle ich mich einfach nicht wohl) und eine Minipumpe montiert.
Später kommt noch eine Satteltasche dazu, damit ich auch einen Ersatzschlauch und ein Multitool mitnehmen kann.
Der Original Sattel von Selle Italia (Model X?) passt nicht so recht zu meinem Körper, daher werde ich diesen vermutlich auch irgendwann ändern. Zu Beginn versuche ich es jedoch ein paar Touren.

Das erste mal kein Shimano: SRAM Apex 1 im Einsatz

Bei dem Punkt hatte ich wirklich mit die meisten Bedenken. Ich bin bisher ausschließlich Shimano Antriebsgruppen gefahren. Ich kannte SRAM bisher nur von Testberichten und Youtube-Videos. Ich war sehr gespannt was sich konkret ändert und wie ich persönlich damit klar komme.
APEX ist bei SRAM eher eine Einsteigergruppe. Daher ist der Vergleich zu meiner Shimano Sora am Fuji Touring vermutlich vergleichbar.
Auf der ersten Fahrt war das Gefühl etwas ungewohnt, ich habe mich jedoch sehr schnell an das neue System gewöhnt. Schalten wird mit dem gleichen Hebel gemacht. Hoch schalten ist ein Klick, runter Schalten zwei (oder mehr Klicks).
Toll finde ich übrigens die Bremsen. Endlich, nach drei Jahren fahre ich wieder ein Fahrrad mit hydraulischen Scheibenbremsen. Ich erhoffe mir davon weniger Wartungsaufwand und insbesondere bei Nässe ein etwas besseres Bremsgefühl.

Warum das Canyon Inflite 5?

Fuji Touring vs. Canyon Inflite


Wie schon zu Beginn des Artikels angesprochen wollte ich ursprünglich ein reines Rennrad. Es gab einige Alternativen die ich betrachtet habe. Das Canyon Endurace, das Cube Attain, das Rose PRO SL DISC und auch das Radon R1 Disc standen auch meiner Liste. Später - als Cyclo Cross Räder in den Auswahl gerückt sind stand sowohl das Cube Cross Race, das Giant TCX SLR und das Canyon Inflite 5 zur Wahl.

Alle hier genannten Endurance Rennräder haben grundsätzlich die Einschränkung das offiziell nur Reifen bis 30 mm Breite unterstützt werden. Ich wollte mir jedoch die Möglichkeit offen halten evtl. breitere Reifen fahren zu können. Einige Hersteller geben offiziell die maximal mögliche Reifenbreite an. Einige habe ich befragt.
Eine weitere Anforderung war, dass ich unter 9,5 kg, besser noch unter 9 kg bleiben wollte. Dadurch sind natürlich ebenfalls einige Modelle aus der Auswahl verschwunden.
Außerdem wollte ich hydraulische Scheibenbremsen.

Liste der Anforderungen:

  • Sportliche Geometrie
  • Gewicht < 9 Kilogramm (im Zweifel gehen auch 9,5 kg)
  • Reifenbreite sollte mit 32mm offiziell unterstützt sein
  • hydraulische Scheibenbremse

In der Vergangenheit hatte ich bereits sehr gute Erfahrungen mit Cube gemacht. Immerhin hatten wir in den letzten Jahren innerhalb der Familie bereits 4 Fahrräder von Cube und ich bin von der Qualität und Preis-Leistung überzeugt. Leider ist es so, dass ich mit meinem Körper bei Cube Rennrädern und inbesondere dem Cube Cross Race ziemlich zwischen der Rahmgröße 53 und 56 stand. Irgendwie hätte das womöglich funktioniert, aber ich hatte große Bedenken. Womöglich hätte eine Probefahrt geholfen, leider waren die fraglichen Rahmen nirgendwo in meiner näheren Umgebung verfügbar. Ein weiterer Punkt ist, dass Cube nie auf meine Anfrage zur maximalen Reifenbreite beim Attain-Rahmen geantwortet hat. Daher war ich unsicher was dies betrifft.

Das Radon R1 ist wenn man die Ausstattung berücksichtigt ein tolles Fahrrad. Es ist sehr sportlich. Aus meiner Sicht sportlicher als viele andere Endurance Rennräder. Allerdings hatte ich in der Vergangenheit merkwürdigen Kontakt zum Radon Service und wollte daher erstmal Abstand von dem Hersteller nehmen. Womöglich mache ich in einigen Jahren einen neuen Anlauf.

Das Giant, ebenfalls eher ein Cyclocross-Rad, hat leider nur Semi-Hydraulische Bremsen. Das heißt, ein klassischer Bremszug geht bis zum Bremskörper und wird dort auf ein Hydraulik-System "übersetzt" (ist vermutlich nicht das richtige Wort). Leider vermute ich hier, dass ich die Nachteile der mechanischen Bremse weiterhin haben werde. Daher habe ich Abstand von Giant genommen. Zumal andere Hersteller zeigen, dass man in dieser Preisklasse auch (voll-)hydraulische Bremsen verbauen kann.

Das Rose ist ebenfalls ein tolles Fahrrad. Es war meine B-Variante. Das heißt, wenn es mit dem Canyon Inflite nicht gepasst hätte, dann wäre es wohl das Rose geworden. Leider ist auch hier die maximale Reifenbreite der limitierende Faktor.

Bei meiner Entscheidung vorab habe ich viele Geometrietabellen und Ausstattungslisten verglichen. Ich habe auch Testberichte gelesen und durch Foren gestöbert.
Schlussendlich bin ich immer wieder beim Canyon Inflite gelandet. Das Preis-Leistungsverhätnis passt bei dem Rad und mir gefällt es optisch sehr gut. Daher habe ich genau dieses Fahrrad bestellt.

Unterschied Cyclocross vs. Rennrad vs. Gravel-Bike bei meiner Entscheidung

Über dieses Thema könnte ich natürlich einen eigenen Artikel verfassen, weil es einfach so umfangreich ist, aber um ehrlich zu sein gibt es dazu genug Lesestoff im Netz. Daher will ich primär auf die für mich entscheidenden Unterschiede eingehen.
Wenn man ein Rennrad sucht um auch mal mit breiteren Reifen fahren will, dann kommt man natürlich auch auf die Gattung der Gravel-Bikes. Seit einigen Jahren boomen Gravel-Bikes und verdrängen zunehmend Endurance und Einsteiger Rennräder, aber auch die typischen MTB-Tourenfahrer werden von Gravel-Bikes angelockt. Gravel-Räder sind vielseitig und komfortabel - sie sind echte Alleskönner.

Ich wollte jedoch ursprünglich - wie zu Beginn erwähnt - ein klassisches Rennrad. Weil ich zu 95% auf Aspahlt und anderen befestigten Wegen unterwegs bin, gleichzeitig wollte ich ein sehr sportliches und leichtes Fahrrad. Vielseitigkeit, Bikepacking und gemütliches Kilometerfressen standen für mich nicht im Vordergrund. Dafür habe ich mein Fuji Touring, mit dem ich sehr zufrieden bin.

Es gibt natürlich auch sehr sportliche und gut ausgestattete Gravel-Bikes, diese waren jedoch über meinem Budget. Das Rose Backroad AL ist eine Alternative welche mir zu spät aufgefallen ist - nämlich als die Entscheidung für das Inflite getrofen war. Ansonsten wäre dies evtl. auch in meine Auswahl gerückt.
Dennoch wollte ich mir die Möglichkeit offen halten für schlechte Wege durch den Wald und breite Reifen.
Daher erschien (und das denke ich noch immer) ein Cyclocross-Rad als bester Kompromiss. Die meiste Zeit möchte ich das Fahrrad dennoch mit reiner Straßenbereifung als Rennrad fahren.

Canyon Inflite 5 als Rennrad

Aktuell habe ich noch Cross-Reifen auf dem Inflite montiert, daher kann ich dazu aktuell noch nicht viel sagen. Ich werde dieses Kapitel jedoch ergänzen sobald ich das Fahrrad mehr gefahren bin.