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23 März 2020

Kaufberatung: Wie das beste Pendlerrad finden?


Lego Fahrrad Radpendler

Wie soll man in der Masse an Fahrrädern nur das richtige Pendlerrad finden? Und vor allem wie viel Geld muss ich für ein gutes Fahrrad ausgeben? Das ist gar nicht so einfach, denn es gibt mittlerweile unglaublich viele Kategorien von Fahrrädern. Als Fahrradpendler stand ich vor geraumer Zeit vor dem gleichen Problem und will euch erklären, warum ihr nicht viel Geld ausgeben müsst, aber auch nicht zu wenig Geld ausgeben solltet.

Commuter Bike, Urban Bike, Gravel Bike, City Bike oder gleich ein E-Bike? Man wird in den Fahrradläden und Online-Shops quasi erschlagen von Begriffen und Kategorien. Einige sind neu und einige nur Marketing. Aufgrund meiner Erfahrungen beim Fahrradpendeln in den letzten Jahren will ich mit euch klären worauf es - aus meiner Sicht - ankommt.

Meiner Meinung gibt es für jeden das richtige Fahrrad zum Pendeln. Es kommt jedoch auf verschiedene Faktoren an. Vor allem wichtig sind meiner Meinung die Streckenverhältnisse, die Distanz, das Gepäck und die Frage ob man lieber gemütlich fährt oder immer am Limit fahren möchte.

Im Grunde genommen könnt ihr jedes Fahrrad für euren Arbeitsweg nehmen. Einige sind jedoch weniger geeignet als andere. Zum Beispiel ist ein Rennrad für eine Strecke von lediglich 5 Kilometern sicher übertrieben. Funktionieren würde es trotzdem. Wenn ihr jedoch aktuell gar kein Fahrrad habt oder euch für den Arbeitsweg lieber ein komplett neues kaufen wollt, dann solltet ihr meine Tipps befolgen, damit ihr keinen Fehlkauf erleidet.

Welcher Fahrradtyp ist am besten für Pendler geeignet?

Cube Travel
Ihr solltet für euch folgende Fragen beantworten:
  • Wie weit ist euer täglicher Arbeitsweg? (Wie viel Kilometer lang ist die ideale Strecke?)
  • Wie ist die Wegbeschaffenheit? (Asphalt, Wald, Schotter oder was ganz anderes)
  • Gibt es unterschiedliche Strecken? (Könnt ihr euren Weg variieren?)
  • Fahrt ihr gemütlich und wollt ohne aus der Puste zu kommen oder gebt ihr lieber alles und könnt keinen Ampelsprint verlieren?
  • Was musst du zwingend transportieren? (Brauchst du etwas beim Job?)
Die Entfernung ist ein wichtiger Aspekt, den ihr bei eurer Wahl beachten solltet. Oben nannte ich bereits das Beispiel mit dem Rennrad. Die Distanz bestimmt wesentlich die Dauer eurer Fahrt zur Arbeit. Ein City-Rad mit einer 3-Gang Schaltung sollte tendenziell tatsächlich nur in der Stadt genutzt werden. Andererseits würde ich mit dem Faltrad auch nicht täglich eine 20 Kilometer lange Strecke fahren wollen. Für die 3 Kilometer zum Bahnhof ist es jedoch genau das richtige.

Die Wegbeschaffenheit ist relevant für die Bereifung des Fahrrads. Wenn ihr auf eurer Strecke einen Teilabschnitt mit losen Untergrund habt, wie zum Beispiel Schotter, oder ein Feldweg, dann solltet ihr Reifen mit gröberem Profil und mehr Breite wählen. Seid ihr ausschließlich auf festen Wegen wie Asphalt unterwegs, dann geht das hervorragend mit dünnen Straßenreifen. Wenn ihr den Weg oft variieren müsst oder wollt, dann solltet ihr einen universellen Reifen wählen.

Auch wenn ihr eher mit einem Bleifuß unterwegs seid und nicht gerne verliert. Beim Pendeln mit dem Fahrrad solltet ihr es nicht übertreiben und lieber ein bisschen ruhiger unterwegs sein. Im Berufsverkehr geht es oft gestresst zu. Sicherheit ist wichtiger, als das E-Bike bis zur nächsten Ampel zu überholen.

Der Transport von Gepäck ist ebenfalls ein wichtiges Thema. Braucht ihr täglich Ersatzkleidung, ein Notebook, Akten oder Bücher? Dann müsst ihr das auf dem Fahrrad transportieren. In der Regel habt ihr drei Möglichkeiten:

  • der Fahrradkorb
  • der Rucksack
  • die Gepäckträgertasche

Trekkingrad mit Fahrradkorb
Den Fahrradkorb würde ich ausschließlich für leichtes Gepäck nutzen. Bei einem Sturz ist der Inhalt meist nicht ordentlich gesichert und die Traglast eines Fahrradkorbs ist häufig nicht sehr hoch.
Beim Rucksack neigen viele Radfahrer zu einem schnell verschwitztem Rücken, weil dieser sehr nah am Körper ist. Der Vorteil vom Rucksack ist jedoch eindeutig. Euer Gepäck immer bei euch ist. Wenn ich mal zwischendurch absteigen müsst, zum Beispiel zum Einkaufen, dann müsst ihr nicht extra das Gepäck vom Fahrrad nehmen.
Bei der Gepäckträgertasche wird die Tasche an Haken und Ösen am Gepäckträger fixiert. Die Fahrradtaschen sind meist Wetterfest gebaut und sehr robust. Notebooks sollten jedoch extra gesichert werden, zum Beispiel in einer eigenen gedämpften Tasche. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass die Erschütterungen der Fahrt auf Dauer nicht gut für ein Notebook sind, wenn man dieses nicht korrekt sichert.

Es gibt mittlerweile unzählige unterschiedliche Fahrradkategorien. Einige habe ich hier mit ihren Eigenschaften aufgelistet.

Rennräder haben in der Regel eine sehr sportliche Rahmengeometrie und einen Rennlenker. Auch wenn Rennräder vielen cool vorkommen kann. Nicht in jedem Fall würde ich ein Rennrad zum Pendeln wählen. Die Möglichkeiten Gepäck zu transportieren sind begrenzt. Zum einen haben Rennräder häufig ein maximales Systemgewicht von nur 110-120 Kilogramm. Außerdem gibt es meist keine Gewindeösen für Gepäckträger. Somit könnt ihr euer Gepäck ausschließlich auf dem Rücken transporten. Seid ihr sehr schnell und sportlich unterwegs, habt wenig Gepäck und vielleicht auch keine ganz kurze Strecke, dann ist ein Rennrad sicher geeignet und kann auch Spaß machen. Bedenkt jedoch, dass ihr Dinge wie Licht unbedingt braucht. Viel ältere Rennräder haben ausschließlich Felgenbremsen, während neue Rennräder immer häufiger mit Scheibenbremsen verkauft werden. Beim Gebrauchtkauf solltet ihr das beachten.

Bei Mountain-Bikes sehe ich es ähnlich. Das sind Fahrräder die für das Gelände abseits von festen Wegen konzipiert worden sind. Meist verfügen die MTBs nicht über die Möglichkeit Schutzbleche oder Gepäckträger zu montieren. Ohne Gepäckträger sind auch keine Gepäckträgertaschen möglich. Natürlich kann man dann den Rucksack wählen. Auch die Möglichkeiten zur Montage von Schutzblechen sind meist recht eingeschränkt. Natürlich gibt es meist die Möglichkeit von Steckschutzblechen. Meiner Meinung lohnen sich Mountain Bikes als Pendlerrad nur, wenn Teile eurer Streck wirklich "abseits des Weges" sind. Das bedeutet, irgendwo durch den Wald und Matsch.

Tern Link Faltrad
Das Faltrad ist speziell. Es wird häufig von Campern oder Yachtbesitzern genutzt. Ich finde jedoch, dass es auch für Pendler interessant ist. Insbesondere dann, wenn man die Bahn oder S-Bahn mit dem Fahrrad kombinieren möchte. In Deutschland ist das transportieren eines zusammen geklappten Faltrads kostenlos möglich, weil das Faltrad dann aus Sicht der Deutschen Bahn kein Fahrrad, sondern ein Gepäckstrück ist. Es ist jedoch zu beachten, dass Falträder meist kein hohes zulässiges Gesamtgewicht haben. Ausserdem ist es häufig nicht möglich einfache Gepäckträgertaschen zu montieren, auch wenn das Faltrad einen Gepäckträger hat. Darüber hinaus sind Falträder nie ganz billig.

Ein Trekkingrad ist sehr universell. Man kann es oft sportlich fahren, aber auch sehr gut beladen, denn die meisten Modelle haben ein maximales Gesamtgewicht von 140 Kilogramm. Aus meiner Sicht eignen sich Trekkingbikes fast immer sehr gut als Pendlerrad. In der Regel sind die Räder mit Licht, Schutzblechen und Gepäckträgern ausgestattet. Je nach Ausstattung sind sie auch sehr leicht. Trekkingräder eignen sich sowohl für lange Strecken, als auch für kurze Stadtfahrten.

City Bikes sind meist einfach ausgestattete Räder mit einer komfortablen Geometrie. Diese Fahrräder sind eher für den Weg zum Bahnhof oder zum nächsten Einkaufsbummel interessant. Sportlich schnelles fahren ist mit ihnen meist nicht möglich. In der Regel ist eine 3-, 7- oder 8-Gang Nabenschaltung verbaut. Für lange Strecken würde ich so ein Fahrrad eher weniger empfehlen.

Gravel Bikes sind eine relativ neue Kategorie im Fahrradmarkt. Seit einigen Jahren boomen diese Fahrräder regelrecht. Der Sinn dahinter ist, dass ich ein Fahrrad mit Rennlenker und meist relativ komfortabler Rahmengeometrie und breiten Reifen fahren kann. Gravel Bikes sind daher durchaus auch für Pendler interessant, weil diese eine sowohl komfortable als auch sportliche Fahrweise ermöglichen. Achten sollte man nur, dass man ggf. auch eine STVZO-konforme Beleuchtung und Schutzbleche montieren kann. Aber Achtung: Gravel Bikes sind in der Regel auch recht teuer. Insbesondere mit sinnvoller Ausstattung wie hydraulischen Scheibenbremsen sind Gravel Bikes meist sehr teuer.

Single-Speed und Fixies sind eine sehr spezielle Gattung, wie ich finde. Es gibt nur einen Gang und im Falle von Fixies gibt es keinen Freilauf. Lediglich einen Gang zu fahren ist in einigen Fällen kein Nachteil. Der Vorteil ist für mich ganz klar, das Gesamtsystem ist leicht und hat weniger Wartungsbedarf. Es gibt keine Schaltung die von Zeit zu Zeit geprüft werden müsste. Nachteil ist jedoch, dass der eine Gang den Fahrer ziemlich einschränkt. An einer Ampel kann es mitunter ziemlich anstrengend werden beim anfahren und wenn man mal etwas zügiger fahren will, strampelt man sich tot. Für Fans der Gattung oder als Bahnhofsrad sind Single-Speed-Räder jedoch sicher interessant.

Das E-Bike bzw. Pedelec wird in der Werbung und in den Medien immer wieder als das perfekte Pendlerfahrrad beschrieben. Man ist zügig und kommt nicht ins schwitzen. Das ist alles richtig, aber es kostet einiges mehr. Ich denke als Richtwert kann sagen, dass ein vergleichbar gutes Pedelec etwa 2.000 Euro mehr als ein Fahrrad kostet. Sinnvoll ist das Pedelec aus meiner Sicht primär auf langen Strecken oder aber wenn ihr absolut vermeiden wollt, dass ihr schwitzt.

Welche Anforderungen sollte ein Pendlerrad mindestens erfüllen?

Hierbei geht es um die meiner Meinung absoluten Mindestanforderungen für ein Pendlerfahrrad:
  • Einhaltung der STVZO-Vorgaben
  • Systemgewicht
  • Beleuchtung
  • Schutzbleche
Die STVZO ist meiner Meinung das nächste Wichtige Thema. Ihr solltet darauf verzichten ein Fahrrad für den täglichen Arbeitsweg zu nutzen welches nicht der Deutschen Straßenverkehrsordnung entspricht.  Im Falle einer Polizeikontrolle oder noch schlimmer im Falle eines Unfalls bekommt ihr unter Umständen Haftungsprobleme. Ein Beispiel sind die beliebten Fixies. Viele von den Eingang-Rädern haben lediglich eine Bremse. Vorgeschrieben sind jedoch 2 von einander getrennt funktionierende Bremsen.

STVZO Forderungen für Fahrräder:
  • Scheinwerfer (Weiß) inkl. Rückstrahler/Reflektor
  • Rücklicht (Rot) inkl. Rückstrahler/Reflektor
  • zwei voneinander unabhängige und funktionierende Bremsen
  • Klingel
  • Pedale mit Reflektoren
  • Seitenreflektoren (Reflexstreifen an den Reifen sind auch möglich)

Das Pendlerfahrrad sollte ein ausreichend maximales Systemgewicht haben. Viele Fahrradgattungen wie zum Beispiel Rennräder und Falträder haben ein maximales Systemgewicht von nur 105 - 110 Kilogramm. Das Systemgewicht wird durch das Gewicht des Fahrrads, des Gepäcks, also zum Beispiel einer vollen Gepäckträgerasche und dem Fahrer bestimmt.
Viele Trekkingräder haben beispielsweise ein maximales Systemgewicht von 120 Kilogramm.
Ein einfaches Trekkingrad, kein Topmodell, wiegt meist zwischen 15 - 18 Kilogramm. Eine Gespäcktasche mit Notebook oder Akten und Kleidung wiegt unter Umständen auch bis zu 10 Kilogramm. Das bedeutet am Ende, dass der Fahrer inklusive Kleidung maximal 95 Kilogramm wiegen darf. Für einen 1,90 Meter großen Mann ist das unter Umständen knapp.

Systemgewicht (zB 120 KG) = Gewicht Fahrrad + Gewicht Gepäck + Gewicht Fahrer

Beachten solltet ihr das Systemgewicht insbesondere, wenn ihr ein E-Bike kaufen wollt. Auch hier ist das Systemgewicht häufig nur bei 120 Kilogramm, aber das Gewicht des Fahrrads in der Regel bei über 25 Kilogramm. Bei einigen Fahrrädern wird jedoch nicht das maximale Systemgewicht genannt, sondern das maximale Fahrergewicht. Im Zweifel solltet ihr beim Hersteller oder Fachhändler nachfragen.

Was passiert, wenn ich das Systemgewicht überschreite?

Kaum ein Fahrrad wird zusammenbrechen, wenn das zulässige Gesamtgewicht um 5 Kilogramm überschritten wird. Wenn jedoch etwas relevantes für die Garantie passiert dann schaut der Hersteller unter Umständen genauer hin. Ihr solltet in jedem Fall versuchen das Systemgewicht nicht zu überschreiten. Denn in der Vergangenheit hat es bei Fahrrädern durchaus Probleme mit gebrochenen Rahmen gegeben.

Akkuleuchte Fahrrad
Die Fahrradbeleuchtung ist natürlich Teil der STVZO, aber ich möchte dies nochmal als eigenen Punkt hervorheben. Ihr solltet hier nicht zu geizig sein. Habt ihr noch alte Batteriebetriebene Halogenstrahler aus dem Baumarkt? Dann kauft euch bitte einfach eine neue Fahrradbeleuchtung. Ihr könnt euch dazu an meinem Artikel "Nabendynamo oder Akkubeleuchtung" orientieren. Im übrigen ist auch die Beleuchtung aus den Discounterangeboten bei ALDI und Lidl in der Regel ganz brauchbar und kostet nicht viel.

Meine letzte Anforderung ist kontrovers und gefällt nicht jedem Radfahrer, das weiß ich. Aber meiner Meinung gehören an ein Alltagsfahrrad, insbesondere ein Fahrrad für den Weg zur Arbeit, Schutzbleche. Wenigstens ein Steckschutzblech bzw. Mud Guard um den gröbsten Dreck abzuhalten. Ohne diese wird man verdammt dreckig und auch der Antrieb des Fahrrads mag das gar nicht.

Im Internet bestellen oder im Fachgeschäft kaufen?

Das ist ein schwieriges Thema. Ich habe bereits mehrere Fahrräder online bestellt. Auch bei unterschiedlichsten Onlineshops. Der Kauf im Internet hat einige Nachteile. Du erhälst online niemals eine individuelle Beratung, das heißt unter Umständen kaufst du eine völlig falsche Geometrie des Rahmens. Weil du das Fahrrad nicht vorher testen kannst wird dir das aber niemals auffallen. Außerdem ist dein Fahrrad nicht endmontiert. Das bedeutet du muss noch ein bisschen selber schrauben. Ich habe hier schon alles erlebt. Im Idealfall musst du lediglich den Lenker gerade stellen und die Pedale anschrauben.
In einem anderen Fall musst du Lenker, Vorderrad, Sattel, Pedale montieren und anschließend sowohl Bremsen, als auch Schaltung vollständig einstellen. Wenn du ein Anfänger bist, dann sind die Einstellarbeiten fummelig, aber nicht unmöglich.
Das alles könntest du dir bei einem Kauf im Radladen sparen. Zudem wird das Rad auch individuell auf dich abgestimmt.
Hast du jedoch bereits Erfahrung beim Kauf von Fahrrädern und weißt genau was du brauchst, dann kannst du im Internet Zeit und Geld sparen.

Wieviel Geld sollte man ausgeben?

Die beste Antwort lautet hier: So viel wie nötig, aber so wenig wie möglich. Ein gutes Fahrrad für den täglichen Einsatz findet ihr nicht im Aldi, nicht im Supermarkt und auch nicht im Baumarkt. Für ein neues Trekkingrad solltet ihr in der Einstiegsklasse ungefähr 600 Euro ausgeben. Vorjahresmodelle sind häufig günstiger, aber vergleichbar oder besser ausgetattet.
Rennräder, Gravel Bikes oder Mountain Bikes werdet ihr nicht so günstig bekommen. Wenn ihr ein Fahrrad mit Rennlenker und hydraulischen Schaubenbremsen wollt, dann müsst ihr mit mindestens dem doppelten rechnen.
Habt ihr nicht so viel Geld, dann solltet ihr nach einem gebrauchten Fahrrad suchen. Viele Leute kaufen sich im Frühjahr teure Fahrräder um im Herbst oder Winter festzustellen, dass sie gar nicht wirklich Rad fahren. Hier kann man manchmal ein Schnäppchen machen. Ihr solltet aber auf die Kaufbeläge bestehen. In den bekannten Verkaufsportalen tummeln sich einige schwarze Schafe.

Ist ein Rennlenker sinnvoll?

Viele sogenannte Commuter Bikes und ganz allgemein alle Gravel Bikes, Rennräder und Cyclo-Cross Räder haben einen Rennlenker. Das ist modern und das ist aktuell Hipp. Der Rennlenker hat einige Vorteile. Um nicht zu sehr ins Detail zu gehen: Man hat verschiedene Griffposition, so dass man die Hände immer wieder umgreifen kann, damit diese nicht schnell ermüden. In der Unterlenker Position verursacht man einen geringeren Luftwiderstand. Dadurch ist man in der Theorie schneller. Fahren mit Rennlenker ist für viele ungewohnt und es sind nicht wenige tolle Fahrräder in Kellern verstaubt, weil sie sich als Fehlkauf erwiesen. Solltet ihr tatsächlich daran Interesse haben und vorher noch nie Rennlenker gefahren sein, dann geht bitte in ein Fahrradfachgeschäft und testet ausführlich mehrere Fahrräder. Am besten nicht auf einem internen Rundkurs, sondern 30 Minuten oder länger um den Block.
Ich für meinen Teil fahre sowohl mit Rennlenker, als auch mit Flat Bar. Ich finde das Fahren mit Rennlenker sehr gut. Insbesondere auf langen Strecken.

Nabenschaltung oder Kettenschaltung?

Kettenschaltung
Auch diese Diskussion ist gefühlt Steinalt. Beide Schaltsysteme haben Vor- und Nachteile. Es kommt auf die eigenen Vorlieben an. Bei einer Nabenschaltung ist das Getriebe in die Hinterradnabe integriert. Daher wirkt diese etwas wuchtiger. Eine Nabenschaltung ist Wartungsärmer, aber sie ist nicht wie von vielen suggeriert Wartungsfrei! Auch eine Nabenschaltung muss gepflegt werden, auch Verschleißteile müssen von Zeit zu Zeit getauscht werden. Man hat nicht einen so großen Umfang an Übersetzung und aufgrund der Getriebenabe hat man aufgrund der Reibung des Getriebes
Nabenschaltung
permanent einen geringen Widerstand. Eine Ausnahme bildet die Rohloff Getriebenabe, diese hat einen ähnlichen Schaltumfang wie eine Kettenschaltung, ist jedoch nicht billig. Darüber hinaus ist eine Nabenschaltung in der Regel schwerer, als eine Kettenschaltung. Außerdem sind Reperaturen oft schwierig und müssen in der Regel von einer Fachwerkstatt durchgeführt werden.
Eine Kettenschaltung ist einfacher vom Aufbau. Sie ist leichter und bei guter Pflege hat sie einen deutlichen geringeren Reibungswiderstand. Dafür ist aber auch der Pflegeaufwand höher und es gibt deutlich mehr Verschleiß. Allerdings ist die Pflege kein Hexenwerk und kann wirklich von jedem durchgeführt werden. Man sollte primär darauf achten, dass die Kette nicht verdreckt ist und immer gut geschmiert ist. Dafür gibt es verschiedenste Kettenschmiermittel.

Felgenbremsen oder Scheibenbremsen?

Ein weiteres kontroverses und auch umfangreiches Thema ist die Frage nach der richtigen Bremse. Es gibt bei modernen Fahrrädern folgende verschiedene Bremstypen:

  • Felgenbremsen, 
  • Scheibenbremsen 
  • und Rücktrittbremsen

Scheibenbremse
Die Rücktrittbremse wird im Grunde genommen ausschließlich bei City-Bikes oder Kinderfahrrädern verwendet. Auch bei einigen Falträdern sind sie zu finden. Außerdem erfordert sie eine Nabenschaltung. Von der Effizienz ist sie jedoch nicht sehr gut, weil das Hinterrad schnell blockiert. Ich rate daher von Rücktrittbremsen ab.
Bei der Felgenbremse sind zwei Bremsklötze die, wenn man den Bremshebel zieht, an die Felgenflanke gedrückt werden. Das Prinzip ist sehr einfach und robust. Die Wartung ist ebenfalls sehr einfach. Allerdings ist das System bei Nässe und Eis gegenüber Scheibenbremsen im Nachteil. Hier kann es schnell zu quietschenden Bremsen. Im schlimmsten Fall lässt die Bremswirkung nach. Zusätzlich kommt es auch, früher oder später, zum Verschleiß der Felge.
Scheibenbremsen werden heute von vielen Käufern bevorzugt. Eine Bremsscheibe ist an der Nabe befestigt und rotiert sich zusammen mit dem Laufrad. Wenn man den Bremshebel zieht, dann drücken ein oder zwei Bremsbeläge auf die Bremsscheibe, dadurch wird die Rotation verzögert und das Fahrrad bremst. Sie sind grundätzlich nicht so Wetterabhängig wie Felgenbremsen. Die Bremsleistung ist in der Regel deutlich besser. Beim Verschleiß gibt es Erfahrungsgemäß zwischen Scheiben- und Felgenbremsen keinen großen Unterschied.
Aufgrund der besseren Bremsleistung, der geringereen Wetterabhängigkeit und dem nicht vorhanden Felgenverschleiß würde ich heute bei einem Neukauf Scheibenbremsen bevorzugen.
Von beiden Bremstypen gibt es sowohl mechanische Versionen als auch hydraulische. Bei mechanischen Bremsen wird die Bremse durch ein Drahtseil (Bowdenzug) gesteuert. Bei der Hydraulischen Bremse wird die Bremse von einer Hydraulikleitung angesteuert.
Bei Felgenbremsen sind die bekanntesten und meistverkauftesten Vertreter (V-Brake, Cantilever oder Dual Pivot Bremsen) jeweils mechanische Bremsen, die alle sehr gut sind. Von Magura gibt es außerdem hydraulischen Felgenbremsen. Diese haben ebenfalls einen sehr guten Ruf.
Bei Scheibenbremsen gibt es genauso mechanische und hydraulische. Falls ihr eine Scheibenbremse bevorzugt, dann achtet darauf, dass ihr eine hydraulische bekommt. Die Bremsleistung ist in der Regel ausgewogener.

Das perfekte Pendlerrad...

...ist eine sehr individuelle Frage. Für jeden gibt es das (nahezu) perferkte Fahrrad zum pendeln. Seid ihr euch unsicher, dann geht besser in ein Fachgeschäft und lasst euch beraten. Das Fahrrad sollte in erster Linie zweckmäßig sein. Das ist wichtiger als Optik und Design. Ein Mountain Bike oder ein Rennrad ist häufig keine gute Wahl.
Meiner Meinung ist ein Trekkingrad in 90% der Fälle der beste Kompromiss. Trekkingräder sind meist sportlich ausgestattet, aber erfüllen andererseits die Forderungen der STVZO. Außerdem haben sie ein hohes Systemgewicht, so dass auch mal ein wenig Gewicht transportiert werden kann.
Ein Tipp von mir ist das VSF T500 Disc. Dieses Fahrrad hat meine Frau seit kurzer Zeit und es ist wirklich ein Traum. Es ist sehr leicht, gut austattet und bis 140 Kilogramm freigegeben.
Ich für meinen Teil fahre das Fuji Touring für meine Pendelstrecke, man könnte dieses Fahrrad schon als Reiserad bzw. Randonneur bezeichnen. Ich fahre es sehr gerne. Wenn ich mit der Bahn fahre, dann nehme ich das Faltrad, weil ich es kostenlos mitnehmen kann.

Dennoch solltet ihr euch nicht beirren lassen, wenn ihr gerne Mountain Bike fahrt und kein eigenes Fahrrad zum Pendeln kaufen wollt, dann nehmt das MTB. Alles was ich in dem Artikel schreibe ist meine Meinung, die auf meiner eigenen Erfahrung basiert.