03 März 2020

Erfahrungsbericht: Kann das Chromebook einen PC ersetzen?


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Kann ein Chromebook einen Windows-PC ersetzen und auch dauerhaft eine Alternative sein? Das will ich herausfinden und habe mir deshalb ein Chromebook bestellt. Ich habe dazu das Acer Chromebook 311 Spin als Convertible bestellt. Das Gerät hat einen Touchscreen und kann auch als Ersatz für das Tablett genutzt werden.
Ich habe es als Amazon Warehousedeal gekauft. Dafür habe ich ca. 50 Euro weniger als der Neupreis bezahlt. Das Gerät wurde als Zustand Sehr gut bewertet. Gekauft habe ich das Gerät primär zum surfen im Wohnzimmer auf dem Sofa, weil ich hier quasi zu 95% nur surfe oder E-Mails schreibe. Das soll auch der Hauptanwendungszweck des Chromebooks sein.
Zur Vorgeschichte: Google Dienste wie Gmail und Google Kalender nutze ich bereits seit vielen Jahren, auch bedingt durch Android. Auch Google Sheets habe in der Vergangenheit bereits genutzt.

Technische Daten

Das Acer Chromebook 311 Spin ist mit einem 11,6 Zoll Display ausgestattet, das mit mageren 1366 * 768 Pixeln auflöst. Ausserdem hat das Teil 4 GB Ram (nicht erweiterbar) und 64 Gb eMMC Speicher für den Nutzer. Dieser lässt sich ausschließlich mit einer microSD-Karte erweitern.
Mit den technischen Daten habe ich Zweifel ob das Chromebook den täglichen Herausforderungen überhaupt gewachsen ist.
Anschlusstechnisch ist man mit 2 USB-C, 2 USB 3.0 und einem 3,5mm Audioanschluss versorgt.
Die USB-C Anschlüsse sind jeweils rechts und links. Über beide lässt sich das Chromebook laden und über beide lassen sich Monitore anschließen. Das habe ich mit einem 2560x1440 aufgelösten Display und USB-C Hub getestet. Der Monitor wird sofort erkannt und kann benutzt werden.

Einrichtung

Das Chromebook ist schnell ausgepackt und aufgeklappt. Sofort geht das Display an und das Chromebook will eingerichtet werden. Lediglich die WLAN-Daten und der Zugang zum Google Account wird benötigt. Das ist alles Kinderleicht.
Einen Mangel am Gerät konnte ich übrigens auch bei mehrmaliger Suche nicht feststellen. Das Gerät sieht aus wie neu.

Erster Eindruck

Acer Chromebook Spin 311Das Teil funktioniert und das sogar sehr gut. Ich bin trotz der schmalen Ausstattung doch überrascht von der Performance. Das ist vermutlich dem schlanken System zu verdanken. Die Tastatur ist überraschend gut. Ich besitze noch ein Acer Notebook mit Windows 10 (das hat ca. 4 mal so viel gekostet) und die Tastatur vom Chromebook gefällt mir deutlich besser.
Zugegeben, das Display mit 11,6 Zoll ist ein Kompromiss, aber auch das funktioniert für Office überraschend gut. Das Chromebook ist klein und leicht, wiegt nur 1,2 kg. So kann es ich bei Bedarf überall mit hinnehmen. Außerdem lässt sich via USB-C Hub das Chromebook einfach mit einem Monitor, Maus und Tastatur verbinden. Sehr unkompliziert und aus meiner Sicht deutlich einfacher als bei Windows 10.
Nicht so toll ist aus meiner Sicht der Sound des Gerätes. Zum Musikhören oder Filme schauen sollte immer ein Kopfhörer verwendet werden. Ich habe meine via Bluetooth gekoppelt, das funktioniert sehr gut.

Nun zur Software. ChromeOS ist schlank und man kann Anfangs nicht viel machen. Es gibt lediglich einige Google Dienste auf dem Gerät. Die meisten öffnen einen neuen Tab im Chrome. Allgemein ist der Chrome Browser das absolute Herzstück des Systems. Aber es funktioniert alles super schnell. Es gibt einen Filemanager aus diesem lässt sich der lokale Speicher, die Speicherkarte (falls man eine eingelegt hat), Google Drive und auch SMB-Shares verwalten. Ich habe hier mein NAS eingerichtet und kann so immer - innerhalb meines W-LANs - auf meine Daten zugreifen. Das war sehr unkompliziert möglich.
Office in Form von Googles eigener CloudOffice-Lösung ist von Anfang an auf dem Gerät voll nutzbar. Einzelne Dokumente lassen sich übrigens auch offline verfügbar machen. So können Officearbeiten auch offline ordentlich gemacht werden.

Super finde ich, dass auch der Google Playstore installiert ist. So kann ich Android Apps auf dem
Chromebook installieren. Ich finde das praktisch und habe mir bereits einige Apps installiert. Insbesondere Streamingapps wie Netflix. Auch via Chromebrowser wäre Netflix problemlos möglich, aber nur über das APK sind Downloads von Filmen und Serien möglich.

Wirklich sehr schön finde ich die Akkulaufzeit des Chromebooks. Ich kann im Grunde genommen 10 Stunden am Stück arbeiten.

Was war nicht so toll?

Der erste Eindruck war wirklich gut, aber es gibt auch Dinge die mir nicht so gefallen haben. Auch gibt es Aufgaben, die mit einem Chromebook nicht ideal erledigt werden können.

Problem: Drucker

Ich war nicht in der Lage über die Systemeinstellungen von ChromeOS meinen S/W Laser-Netzwerkdrucker (Brother MFC-7360N) einzurichten. Dieser unterstützt noch nicht Googles Cloud Print. Das war Anfangs frustrierend, denn ab und zu benötige ich nach wie vor einen Drucker (z.B.: Retourenscheine bzw. Versandetiketten drucken). Ich habe glücklicherweise eine Umgehungslösung gefunden, diese ist aber nicht so intuitiv wie das Drucken aus dem Browser.
Es gibt die Brother iPrint & Scan Android App im Playstore. Diese habe ich installiert und kann in der App lokal gespeicherte Dateien wählen und drucken.

Keine ENTF-Taste auf der Tastatur

Das hat mich Anfangs sehr verwirrt. Ich brauche diese Taste - ohne es zu merken - offensichtlich häufiger als gedacht. Zum Glück gibt es alternativ eine Tastenkombination (ALT + BACKSPACE). Die gleiche Kombination unter Windows löscht übrigens den ganzen geschriebenen Text. Allgemein gibt es auf der ChromeOS Tastatur weniger Tasten. Viele Funktionen sind aber mit Tastenkombinationen verfügbar. Dazu hat Google eine sehr hilfreiche Seite bereitgestellt. Hier wird man sich umgewöhnen müssen.

Was ist mir sonst aufgefallen

Fotobearbeitung

Ich habe nun als App für die Bildbearbeitung snapseed getestet, dass ist eine App aus dem Playstore von google selbst. Die App ist nicht schlecht, aber man sieht ihr an, dass sie nicht für ChromeOS optimiert wurde. Man kann damit einfache Aufgaben erledigen, aber es ist kein Photoshop Ersatz. Ich es habe beispielsweise nicht geschafft ein Bild zu verkleinern.
Desweiteren habe ich pixlr.com getestet, das ist ein Webdienst mit dem sich Bilder bearbeiten lassen. Das ganze wirkt schon sehr erwachsen. Nachteil in meinen Augen ist jedoch ganz klar, dass ein Webdienst permanent eine online Verbindung erfordert. Eine lokal installierte App wäre da besser geeignet, würde mir persönlich ein besseres Gefühl geben.
Ich werde mich hier jedoch weiterhin durchprobieren. Falls hier jedoch jemand eine Empfehlung hat, immer her damit.

Spiele

Vorweg, ich bin kein echter Spieler. Ich spiele maximal 2 Stunden pro Woche an der PS4. Das war es dann. Das heißt auch, das Chromebook war bei mir nicht wirklich als Spielgerät gedacht. Aber es gibt dank des Playstores natürlich eine riesige Auswahl an Androidspielen. Viele machen jedoch nur Sinn bei einer Steuerung via Touchscreen.

Linux Anwendungen

Auf ChromeOS lassen sich Linux Apps installieren. Dazu wird die Google Technologie crostini eingesetzt. Hier werden Linux Anwendungen vom Rest von ChromeOS isoliert ausgeführt. So können die Linux Anwendungen nicht ChromeOS beeinflussen oder sogar stören. Hier lassen sich massig an Anwendungen installieren. Zum Beispiel GIMP, LibreOffice oder auch Programmiertools wie vscode. Das Thema ist sehr mächtig und wird von mir evtl. in naher Zukunft nochmals ausführlich in einem eigenen Artikel beschrieben.

Fazit

chromebook keyboardKann man mit ChromeOS anständig arbeiten? Ich bin unentschlossen. Das Gerät ist kompakt, leicht, der Akku hält gefühlt ewig und auch die wichtigsten Funktionen sind vorhanden, und wenn nicht, dann teilweise sehr einfach durch Android Apps erweiterbar.
Zum surfen und zum Medienkonsum ist das Gerät perfekt. Bloggen macht auf dem kleinen Gerät ebenfalls sehr viel Spaß, insbesondere weil mir die Tastatur sehr gut gefällt. Auch Office mit Googles Officelösung funktioniert gut. Dokumente können auch offline Verfügbar gemacht werden, so dass man nicht auf eine permanente Internetverbindung angewiesen ist.
Das mit dem Drucker und mit der Bildbearbeitung hat mich jedoch etwas genervt. Wobei sich Bildbearbeitung auf dem kleinen Display sowieso nur auf zuschneiden und Größe verändern beschränkt hätte. Hier werde ich meinen Workflow noch finden müssen. Videoschnitt habe ich gar nicht erst getestet.
Ich werde jedoch in jedem Fall dran bleiben, weil ich das Gerät - insbesondere für den Preis - doch sehr gut finde.